bedeckt München 22°

Mitten in Oberschleißheim:Von Nasen, Gurken und Unterhosen

Es ist interessant zu beobachten, was sich Mitmenschen zur Eindämmung des Coronavirus vors Gesicht hängen. Aber es gibt Grenzen

Kolumne von Sabine Wejsada

Es ist kaum zu glauben: Seit mehr als drei Monaten gilt in Bayern die Maskenpflicht. Beim Betreten von Geschäften und Gaststätten, in Bus und Bahn, in Büchereien und Kirchen, also überall dort, wo sich Menschen zu nahe kommen, müssen Nase und Mund bedeckt sein, um dem vermaledeiten Virus den Weg von A nach B abzuschneiden. Die gute Nachricht vorweg: Ja, die meisten Menschen halten sich an das Vermummungsgebot zum Schutze ihres Gegenübers, auch wenn das bei sommerlichen Temperaturen ein Saunafeeling im Gesicht verursacht. Die Maske hilft eben.

Doch wie in allen Bereichen des Lebens gibt es auch hier Verweigerer. Nicht nur in Berlin, wo sich Unverbesserliche als zweite Welle fühlen, wenn sie ohne Abstand und Gesichtsvorhang durch die Straßen laufen. Auch hier bei uns hängen so manches Mal die Masken unter der Nase, was Karikaturisten dazu veranlasst hat, mit spitzer Feder die Frage zu zeichnen, ob Betroffene auf ähnliche Weise ihre Unterwäsche tragen. Wer sehen will, wie gestandene Männer sekundenschnell erröten wie die Teenager, dem sei empfohlen, genau diese Frage zu stellen, wenn in der Bäckerei oder am Ausschank des Biergartens wieder einmal jemand mit lässig unter dem Zinken platzierter Vermummung neben einem steht.

Dass Maske nicht gleich Maske ist und eben nicht alles als Virenschleuder-Schutz durchgeht, lässt sich in Zeiten wie diesen ebenfalls regelmäßig beobachten. Während jene mit bunten, selbst genähten oder teuer erstandenen Designer-Schutzausrüstungen im Gesicht freien Eintritt haben, ist eine kleine Plastiktüte aus der Gemüse- und Obstabteilung, in der Kartoffeln klimaschädlich zur Kasse getragen werden, keine Garantie dafür, in ein Geschäft zu kommen. Der älteren Dame mit dem an den Ohren aufgehängten Plastiktütchen jedenfalls wurde der Eintritt in einen Laden in Oberschleißheim verwehrt. Wohl weniger aus Umweltschutzgründen, sondern eher wegen eines Verstoßes gegen das Infektionsschutzgesetz. Behältnisse, in die normalerweise Gurken kommen, haben im Corona-Abwehrkampf nichts verloren.

© SZ vom 06.08.2020
Zur SZ-Startseite