Mitten in Oberhaching Ordentlich eingeschenkt

Bier schmeckt. Aber nicht "super" oder "lecker", wie eine Facebook-Nutzerin schrieb. Findet Bürgermeister Stefan Schelle und rät zu "guat oder bärig oder pfundig oder süffig oder spritzig"

Von Iris Hilberth

Es gibt Themen, die sind zweifelsfrei Chefsache. Die lassen sich weder auf Sachbearbeiter abwälzen noch ignorieren. Da muss der Bürgermeister selber ran, rasch entscheiden und mitunter auch mal deutliche Worte wählen. Für den Oberhachinger Bürgermeister Stefan Schelle sind das im Dialog mit den Bürgern meist Diskussionen über grüne Rechtsabbiegepfeile oder über Tempo-30-Zonen und die Beschwerden über Baustellen. Alles Themen, bei denen die Emotionen hochkochen. Doch ist solcher Ärger noch lange nichts gegen den Affront, den sich eine Schreiberin auf der Facebook-Seite des "Bürgerforums Oberhaching" jetzt geleistet hat. Ein Post, der sofort Bürgermeister Schelle auf den Plan rief.

Es ging ums Bier. Um bayerisches Bier natürlich, genau genommen um das neue Oberhachinger Weißbier. Jeder weiß: Es kann eine überaus heikle Angelegenheit sein, sich als Fremder zu diesem bayerischen Kulturgut zu äußern, wenn man in die Materie nicht seit Jahren tief eingetaucht ist, einen gewissen Erfahrungsschatz mitbringt und wie selbstverständlich "a Hoiwe" bestellen kann. Auch wenn die Frau nur ein Lob loswerden wollte: "Schmeckt super lecker!", schrieb sie. "Lecker" und "super"!

Der Fall war ganz klar ein Verstoß gegen die bairische Sprachregelung und somit so etwas wie eine Beleidigung für das Oberhachinger Bier. Die Wortwahl hat Stefan Schelle als Hüter des Bairischen und Aufsichtsrat der Oberhachinger Brauereigenossenschaft offenbar dermaßen von der Bierbank gerissen, dass seine Belehrung deutlich ausfiel: "Wenn, dann schmeckt bayerisches Bier guat oder bärig oder pfundig oder süffig oder spritzig oder, oder ... Aber auf keinen Fall lecker!" Dabei gibt es sogar eine Lecker-Bier-GmbH. Allerdings in Hamburg - und dort trinkt man Preußen-Halbe.