Mitten in Oberhaching Frag doch mal das Eichhörnchen

Neugieriges Eichhörnchen.

(Foto: Daniel Reinhardt/dpa)

Warum das Nagetier einem menschlichen Spion überlegen ist.

Glosse von Iris Hilberth

Manch einer hat sich sicher schon mal gewünscht, Mäuschen zu spielen, wenn in nichtöffentlichen Sitzungen Dinge besprochen werden, die tunlichst nicht nach außen getragen werden dürfen. Und wenn es nur die pure Neugierde ist. Andererseits schafft es im Oberhachinger Rathaus vermutlich nicht mal eine Maus, in den Sitzungssaal zu gelangen, wenn die Türen aus Geheimhaltungsgründen verschlossen sind. Es wäre also der falsche Ansatz, will man Neuigkeiten erfahren.

Wesentlich gewiefter ist ein anderes Tier. Während sie kürzlich drinnen einen Kassensturz machten und über die Finanzen der Gemeinde verhandelten, kletterte ein kleiner mutiger Nager mühelos an der Außenwand des Rathauses hoch - der Sitzungssaal befindet sich im ersten Stock - und schaute ziemlich dreist einfach zum Fenster hinein. Vielleicht hätte jemand den Kämmerer warnen sollen: Der Teufel ist ein Eichhörnchen.

Wegen der roten Farbe und seiner Gewandtheit wurden Eichhörnchen schon im Mittelalter mit dem Leibhaftigen in Verbindung gebracht. Dabei kommen diese Kobolde des Waldes doch so harmlos und putzig daher. Aber wer weiß: Sicher hat das Oberhachinger Oachkatzl dem Kämmerer Paul Fröhlich frech über die Schulter geschaut und festgestellt: Oha - der Schuldenberg wächst! Oder es hat sich die Ausgaben für die Geothermie angeschaut und überlegt: Ganz schön teuer! Und als Fröhlich dem Gemeinderat erklärte, dass in nachhaltige Projekte investiert werde, deren Früchte nachkommende Generationen ernten könnten, wusste das Eichhörnchen, dass es alles verstanden hatte.

Mit Früchten kennt es sich aus. Es kann sich schließlich nach zwei Monaten noch an 60 Prozent seiner 3000 Verstecke erinnern. Und was übrig bleibt: wächst und gedeiht. Haushaltsreste eben. Auf die hofft Oberhachings Kämmerer auch. Notfalls kann er mal das Eichhörnchen fragen. Nicht die Maus.