Mitten in Oberhaching Da braut sich was zusammen

Wenn es ums Bier geht, verstehen die Bayern keinen Spaß. Debatten darüber werden verbissen geführt. Glücklich sind die, die sagen können: Das ist unser Bier

Von Iris Hilberth

Man kann vieles falsch machen in der Gastronomie. Aber was ist eine versalzene Suppe, die Semmel vom Vortag oder die fleckige Tischdecke schon gegen das falsche Bier? Hierzulande ein absolutes k.O.-Kriterium. Es soll ja nicht wenige Menschen geben, die eine Wirtschaft allein danach aussuchen, welche Biersorte der Wirt ausschenkt. Dass die Speisekarte kulinarischen Hochgenuss verspricht, kann dann ganz schnell zur Nebensache werden, wenn das dazu gereichte Gebräu nicht den Ansprüchen des sensiblen Biertrinkers genügt. Unterhaching kann ein Lied davon singen, auch wenn sich die Sache mittlerweile zum Guten gewendet hat.

Denn kaum hat die Gemeinde für das Bürgerfest und den Neujahrsempfang eine andere Brauerei mit ins Boot geholt, schossen die Besucherzahlen in die Höhe. Auch Taufkirchens zugereister Bürgermeister Ullrich Sander weiß inzwischen, welch heikles Thema die Wahl des Bieres sein kann. Kein Tagesordnungspunkt sei bislang im Gemeinderat so emotional und ernsthaft diskutiert worden wie die Frage des richtigen Bieres für den neuen Ritter-Hilprand-Hof, musste der Pfälzer feststellen. Beim Bier gibt es bekanntlich keine Kompromisse. Und da geht es gar nicht mal um das Reinheitsgebot, sondern allein um den Geschmack. Was verständlicherweise unweigerlich zu Konflikten führt. In Taufkirchen sind sie sich nicht einig geworden, die Unterlegenen müssen jetzt schlucken, was die Mehreren wollen. Doch zum Wohle der Gemeinde kann man sich beim Zuprosten weiterhin in die Augen schauen, ohne zu sagen: "Das ist nicht mein Bier."

In Oberhaching ist man seit jeher findiger, wenn es darum geht, die Bürger zufriedenzustellen. Lieber kocht man hier sein eigenes Süppchen als sich irgendeinem Kompromiss von außen zu beugen. Nach eigenem Strom, eigener Fernwärme, eigener Ortsgestaltung und eigenem Naturbad braut sich gerade etwas Neues zusammen. Jetzt soll es also auch noch das eigene Bier geben: 29 Bürger haben pünktlich zum 500. Geburtstag des Bayerischen Reinheitsgebotes eine Brauereigenossenschaft Oberhaching gegründet. Nun sind die Oberhachinger nicht ganz unbedarft, was den Umgang mit Hopfen und Malz angeht. Seit mehr als zehn Jahren kann man im "Stadlbräu" bei Robert Prinz "Brau-dich-schlau-Kurse" belegen und sich nach dem Seminar übers Wochenende eine Mini-Brauerei, den "50-Liter-Braumeister", für Zuhause ausleihen. Besonders weit kommen damit die wenigsten: Der Bierkonsum pro Kopf liegt in Deutschland im Jahr bei etwa 100 Litern, in Bayern laut Brauerbund bei 130 bis 140. Bei knapp 13 000 Einwohnern kommt da ordentlich was zusammen, will man mit dem "Bier aus Oberhaching für Oberhaching" von jeglicher Geschmacksverirrung unabhängig werden.