Mitten in Höhenkirchen Auf ein paar Jahre kommt's nicht an

Der Ort will sein 1000-jähriges Bestehen feiern. Nur wann? Auf dem wichtigsten Dokument fehlt das Datum

Kolumne Von Bernhard Lohr

Ein passenderer Zeitpunkt als dieser Freitag ist fast nicht vorstellbar, um anzusprechen, wie sich die Dinge beschleunigen. Der 9. November gilt als Schicksalstag der Deutschen: Das Kaiserreich brach 1918 zusammen, die Nazis ließen 1938 den Mob zum Pogrom gegen die Juden von der Leine und 1989 fiel die Mauer. All das ist auf den Tag, ja auf die Stunde genau dokumentiert. Hätte nur früher mal einer Buch geführt. Dann hätte man in Höhenkirchen-Siegertsbrunn ein Problem weniger.

Die Gemeinde möchte tausendjähriges Bestehen feiern. Und sie tut sich schwer damit. Das geht schon los mit dem richtigen Jahr. Siedlungsspuren weisen zurück bis in die Zeit der Kelten und Bajuwaren. Im 8. Jahrhundert wurden Brunnen gegraben, um eine Ansiedlung möglich zu machen. Marchwart und Sigoho hießen die Chefs in den Dörfern, die damals die heutige Doppelgemeinde abbildeten. Aber weil nichts gilt, was man nicht schriftlich hat, schauen heute alle auf eine Urkunde, die um das Jahr 1020 entstanden sein muss. Zu der Zeit stand, nur einige Meter vom Marchwart-Brunnen entfernt, ein Vorgängerbau von Mariä Geburt in Höhenkirchen. Der Freisinger Bischof Egilbert übertrug die Kirche mit besagter Urkunde dem Kloster Schäftlarn. Ob es an einem 9. November 1020 war, oder gar in einem anderen Jahr, das geht daraus nicht hervor. Das Datum fehlt.

Lange ging man vom Jahr 1020 aus. Doch weil so etwas Historiker und alle, die gerne Jubiläen feiern, keine Ruhe ließ, wurde das näher untersucht und die Entstehungszeit auf die 18 Jahre zwischen 1005 bis 1023 eingegrenzt. Freilich wird es jetzt langsam Zeit, wenn man in Höhenkirchen eine Tausend-Jahr-Sause ausrichten möchte. Die Vorbereitungen sind noch nicht weit gediehen. So hat Pfarrer Toni Wolf, der selbst Festivitäten plante und um dessen Kirche es ja geht, eben erst erfahren, dass die Gemeinde Größeres plant. Das Rathaus legt sich nicht einmal auf ein Jahr fest. Es gilt im eng getakteten Kalender Kollisionen zu vermeiden. Das Jahr 2020 ist ausgeschlossen. Da stehen Kommunalwahlen an. Und die sind für sich schon schicksalhaft genug.