Mitten in Haar:Update aus dem Sommerloch

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Ein FDP-Gemeinderat hat den Dreh raus, wie man es in der nachrichtenarmen Zeit schafft, auf jeden Fall wahrgenommen zu werden.

Kolumne von Wolfgang Krause, Haar

Das Sommerloch ist die nachrichtenarme Zeit, in der die Medien schon mal Themen aufgreifen, die sonst eher untergehen würden. Besonders beliebt ist leichte Kost, und da vor allem Tiere: Schnappschildkröten, die am Badesee Angst und Schrecken verbreiten, entlaufene Kängurus, wildgewordene Kühe. Aber auch mancher Politiker aus der zweiten oder dritten Reihe hat in den großen Ferien eine kleine Chance, wahrgenommen zu werden.

Darauf setzt offensichtlich auch der Haarer FDP-Gemeinderat Peter Siemsen. Der hat vergangene Woche ein Bild von sich verschickt, das ihn mit dem neuen Buch des früheren Bundesinnenministers Gerhard Baum zeigt. In der dazugehörigen Pressemitteilung referiert er anhand dieser Urlaubslektüre seine Sicht der weltpolitischen Lage in dritter Person - und versucht ganz offensichtlich, sich für höhere Aufgaben ins Spiel zu bringen: "Das klingt nach Lust auf Bundes- und Europapolitik. Hierfür sei er aktuell nicht gewählt, erklärt der FDP-Gemeinderat", schreibt Siemsen über Siemsen. "Als Kommunalpolitiker konzentriere er sich auf die notwendigen Weichenstellungen in seiner Gemeinde." Eine gewundene Antwort auf eine Frage, die niemand gestellt hat - das muss man erst einmal schaffen. Aber ist es eine Nachricht, dass ein Haarer Gemeinderat gerne in der großen Politik mitmischen würde? Nicht einmal im größten Sommerloch. Die E-Mail landet also im elektronischen Papierkorb.

Dann aber kommt diese Pressemitteilung einige Tage später ein zweites Mal, mit einem Update. "Für eine Publikation bitte diese Version verwenden", schreibt Siemsen. In der ersten habe sich wegen der Autokorrekturfunktion ein Fehler eingeschlichen. Autokorrekturfehler sind manchmal sehr amüsant. Den Ortsnamen Gernlinden aus dem Landkreis Fürstenfeldbruck ersetzte die Rechtschreibprüfung früher durch das Wort Gehirnleiden; irgendwann wurde das dann umgestellt und Genleiden daraus. Also noch einmal die alte Version der Pressemitteilung rausgesucht und genau gelesen. Aber es ist beim besten Willen nichts Lustiges zu finden und auch sonst kein Fehler, der unbedingt hätte korrigiert werden müssen. Sein Ziel hat Siemsen trotzdem erreicht: Er kommt mit seiner Urlaubslektüre in die Zeitung.

PS: Nach Fertigstellung dieses Textes ist Peter Siemsens Pressemitteilung am Donnerstag ein drittes Mal in der Redaktion eingegangen, diesmal ohne Begründung.

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