Wenn Bürgermeister Jan Neusiedl (CSU) sich in der Gemeinderatssitzung auf eine ganz bestimmte Weise Wasser nachschenkt, nämlich mit diesem deutlich genervten Blubbern, wenn er dann noch auffallend woanders hinschaut als zur sprechenden Person, dann ist die Stimmung im Saal etwa so wie einst bei Rumpelstilzchen, als es von der Müllerstocher seinen wahren Namen erfuhr: Man befürchtet, das Gemeindeoberhaupt könnte sich gleich vor Wut mitten entzwei reißen.
Da das aber womöglich seine immer auf der Zuhörertribüne sitzenden Feinde, ähm, politischen Gegner freuen könnte, wählt der Bürgermeister eine andere Taktik, wenn er ein angesprochenes Thema für komplett überflüssig und sinnlos erachtet: Ironie. So geschah es am Dienstagabend, als Neusiedls "Lieblingsgemeinderätin" Ingrid Reinhart von den Grünen erneut die Sache mit dem noch immer fehlenden Werbeschild für das Café Grün im Grünwalder Haus der Begegnung ansprach. Das scheine ja wohl ein Thema zu sein, das für den ganzen Landkreis extrem wichtig sei, sagte Neusiedl in seinem besten spöttischen Tonfall. Im Übrigen sei das Schild bestellt.
Ob es sich aber bei dem bestellten Schild wirklich um dasjenige handelt, von dem Ingrid Reinhart spricht, nämlich eine Werbeanlage, also ein Werbeschild für das Café, das diesem helfen soll, Gäste anzulocken, das wollte Neusiedl an dem Abend schlichtweg nicht mehr beantworten. So sehr hingen ihm offenbar das Schild und der Dialog mit der Fragestellerin zum Halse heraus. Er kündigte aber an, die ganze Wahrheit über das Objekt in der Bauausschusssitzung bekannt zu geben. Die nächste findet am Montag, 5. März, um 19 Uhr im kleinen Sitzungssaal des Rathauses statt. Potentiell explosive Dialoge des Traumpaars Reinhart/Neusiedl inklusive.