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Mitten in Grünwald:Grasbrunn liegt im Isartal

Mit Canabis ganz legal Geld verdienen? Wie das funktioniert, macht ein Unternehmen aus Grünwald vor

Circa 20 Millionen Euro würde eine Bogenbrücke über die Isar kosten, weshalb die Gemeinderäte von Grünwald und Pullach noch etwas zögerlich wirken. Ein Blick über den großen Teich könnte für sie dabei durchaus anregend und hilfreich sein. Der Bürgermeister von New York und der Gouverneur des gleichnamigen Bundesstaats haben nämlich eins und eins zusammengezählt: An den Eingängen zur Metro stehen täglich jede Menge Kiffer, eingehüllt von einer süßlich riechenden Wolke. Unten im maroden U-Bahn-Schacht stinkt es dagegen nach Schimmel und laufen die Ratten nach Fahrplan. Der Lösungsvorschlag im Land der unbegrenzten Möglichkeiten lautet, aufs Wesentliche reduziert: "Kiffen für die U-Bahn." Das heißt, mit den Einnahmen durch eine noch einzuführende Cannabis-Steuer sollen die insgesamt 470 U-Bahn-Höfe der Metropole endlich saniert werden. Pecunia non olet, würden die alten Römer dazu sagen.

Nun gut, wollte Grünwald seinen Kostenanteil von zehn Millionen Euro allein durch die Versteuerung von "Tüten" einnehmen, dann müsste die Gemeinde wohl ein Woodstock-Revival im Isartal veranstalten. Wie es aber scheint, wird Grünwald auf ganz legalem Weg durch den Drogenverkauf noch reicher und quasi Zug für Zug zu einem "Grasbrunn" des Isartals werden. Möglich wird dies nach einer unternehmerischen Entscheidung des börsennotierten Pharmaunternehmens Dermapharm Holding SE mit Sitz in Grünwald, das 20 Prozent der Anteile an der niederländischen Fyta-Gruppe, einem Produzenten für medizinisches Cannabis, gekauft hat. Dermapharm sichert sich durch dieses "Joint-Venture" 20 Prozent der holländischen Jahresernte von derzeit zwölf Millionen Gramm, wird also 2,4 Tonnen Blüten nach Deutschland importieren, den Umsatz in Grünwald versteuern. Und das Beste dabei: Bürgermeister Jan Neusiedl (CSU) müsste nicht einmal Schmiere stehen, die Sache ist legal, solange das Gras als medizinisches Cannabis auf den Markt kommt.

"Kiffen für die Bogenbrücke" - dieser Aufruf liegt vielleicht bereits bei Kämmerer Raimund Bader in der Schublade, aber noch würde er dafür in der Arrestzelle der Grünwalder Polizei landen, wenn er ihn öffentlich machte. Finanziell richtig auf einen grünen Zweig kommen wird die Gemeinde durch den Grashandel also wohl erst, wenn die Staatsregierung das Hasch legalisiert. Bis dahin aber sollte die Bogenbrücke längst gebaut sein.