Mitten in Grünwald Extratour mit der Tram

Manchmal kommt die Straßenbahn sogar schneller als man denkt - und dann fährt sie auch noch unverhofft weiter

Von Wolfgang Krause

Wer viel mit der Straßenbahn unterwegs ist, weiß: Es ist manchmal ganz gut, dass man die Durchsagen an den Haltestellen kaum versteht. Denn es kann schon mal sein, dass die blecherne Stimme aus dem Lautsprecher just in dem Moment eine Störung und lange Verzögerungen auf der Strecke durchsagt, in dem der blaue Wagen bimmelnd um die Ecke biegt. Auch auf die Anzeigetafeln sollte man nicht allzu viel geben. Wenn dort steht, dass die nächste Tram in neun Minuten kommt, können es auch doppelt so viele werden. Mit etwas Glück ist es aber auch umgekehrt.

Kurz vor Mitternacht an einem Wochentag an der Silberhornstraße in Giesing. Auf dem Display stehen mehrere Verbindungen nach Großhesselohe, keine einzige nach Grünwald. Die nächste Tram soll in 21 Minuten kommen, aber die Leute, die schon länger an der Haltestelle warten, halten selbst diese Prognose für optimistisch. Ein älterer Mann erzählt, dass er schon 20 Minuten hier steht, eine Frau gibt per Handy zuhause durch, dass sie so schnell nicht da sein wird.

Selbst als am Ostfriedhof die Lichter einer Straßenbahn auftauchen, bleiben die Wartenden skeptisch. Die Tram verharrt verdächtig lange an einer Stelle und auf der Anzeigetafel steht immer noch: 21 Minuten. Dann aber schnurrt die Wartezeit plötzlich auf eine Minute zusammen, der Wagen setzt sich wieder in Bewegung und steht kurz darauf an der Silberhornstraße, um die Nachtschwärmer einsteigen zu lassen. Doch es kommt noch besser. Zwei Haltestellen weiter fragt der Trambahnfahrer in die Runde: "Ist hier jemand, der nach Grünwald muss?" Einige Hände gehen nach oben. "Ja, das ist super, weil ich hab' gerade ein Extratour nach Grünwald bekommen", sagt der Fahrer. Und bekommt Applaus wie der Pilot eines Ferienfliegers nach der Landung in Lanzerote.