Der Mensch agiert oft nach Verhaltensmustern. Da bietet ein Park die schönsten Spazierwege und dennoch hat sich schnell ein Netz von Abkürzungen gebildet. Trampelpfade allerorten. Es ist viel spekuliert worden darüber, was die menschliche Spezies dazu antreibt, diese Pfade auszutrampeln. Tatsächlich gibt es sogar wissenschaftliche Untersuchungen dazu. So hat ein Physiker festgestellt, dass der Mensch eigene Wege geht, sobald die vom Architekten geschaffenen ihm Umwege in Größenordnungen von 20 bis 30 Prozent abverlangen. Dieses Verhalten scheint also genetisch angelegt zu sein, vielleicht aus der Zeit, da es galt, sparsam mit den eigenen Ressourcen umzugehen.
Vielerorts wird dieses ur-menschliche Verhalten schon miteinbezogen in die Planung. So hat beispielsweise in den Siebzigerjahren ein Experiment an einem Universitätscampus in Oregon Furore gemacht. Ein Architekt hat erst die Leute trampeln lassen und dann seine Wege danach befestigt. Eine Abstimmung mit den Füßen also. Übrigens wissen die Forscher auch, dass sich Menschen am liebsten auf leicht geschwungenen Wegen bewegen, die immer wieder Überraschungen hinter Wäldchen, Hecken oder Mauern bieten.
Was das alles mit dem Fahrradchaos auf dem Garchinger Helmut-Karl-Platz und dem Maibaumplatz zu tun hat? Ganz einfach. Neue Trampelpfade des Denkens sind gefragt. Warum nicht bei der Planung der nächsten U-Bahn-Station zunächst herausfinden, wo der gemeine Radler seine Vehikel am liebsten abstellen würde und dann erst die Fahrradständer dort anbringen. Virtual Reality, die längst auch in der Architektur Einzug gehalten hat, kann hier wertvolle Hilfe bieten. Ein Forschungsprojekt der TU bietet sich geradezu an. Das Ergebnis, siehe Trampelpfade, könnte allerdings sein, dass die Radler immer die kürzesten Wege zur U-Bahn wählen werden. Nur schade, dass dann der Zugang zur Rolltreppe nur noch unter Anstrengung zu erreichen sein wird. Aber vielleicht könnte man ja einen Trampelpfad für Fußgänger einplanen?