Mitten in Aying Beim Schreiner auf der Couch

Mama dreht durch, der Kleine flennt. Was da noch hilft? Klar, die Frauenversteher aus dem Holzfachbetrieb!

Von Michael Morosow

Wer aufhört zu werben, um Geld zu sparen, kann ebenso seine Uhr anhalten, um Zeit zu sparen", hatte einst der amerikanische Industrielle Henry Ford gesagt. Kurz: "Wer nicht wirbt, stirbt." Selbst Bestattungsunternehmen beherzigen inzwischen dieses Credo. Das monatlich erscheinende Ayinger Gemeindeblatt ist reichlich gefüllt mit Anzeigen vornehmlich heimischer Betriebe, die entweder lieber werben wollen als sterben, oder aber der Überredungskunst des Anzeigen-Akquisiteurs nichts entgegensetzen konnten. Dass sich die Kleinunternehmer keine renommierte Agentur für ihren Werbeauftritt leisten wollen, ist verständlich, dementsprechend sachlich, mitunter recht bieder kommen die Anzeigen daher.

Nicht jedoch auf Seite 70 des Februar-Gemeindeblattes. Unter der Überschrift "Hilfe, Mama dreht durch!" wird hier ein formidables Schreckensszenario gezeichnet. Schon alleine das Foto. Es zeigt im Vordergrund ein Kleinkind, das so betroffen dreinschaut, als wäre gerade sein Teddy vom Hund gefressen worden. Im Hintergrund sieht man eine Frau, ihre Arme hochreißend und einen Topf über den Kopf gestülpt. Dabei handelt es sich um die Mutter, die durchdreht.

Und nun zum Textanfang: "Wenn Ihre Frau mit einem Topf über dem Kopf wild kreischend durch die Wohnung tobt, dann ist das ernst, aber nicht hoffnungslos." Dann zur Kernaussage der Werbebotschaft: "Wenn Sie einen akuten Notfall haben, dann rufen Sie uns an. Ein erstes Beratungsgespräch wirkt Wunder!"

Schließlich zur Frage: Wer bloß steckt hinter dieser Werbung? Ein Eheberatungsinstitut? Ein Familientherapeut? Ein psychologischer Notdienst? Falsch, falsch, falsch. Es ist eine Ayinger Schreinerei. Zwar hat die wild kreischende Mutter kein Brett vorm Kopf sondern einen Topf darüber, trotzdem fühlen sich die Holzhandwerker für solche Fälle zuständig : "Als Spezialisten für das Schreinern von individuell maßgeschneiderten Küchen sind wir wahre Frauenversteher. Alles wird gut." Nein, nicht alles: Unter der Rubrik Notdienste sucht man vergebens einen Eintrag des Therapie-Schreiners.