Kommunalwahl 2026Millennials drängen in die Rathäuser

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Noch ein paar Stufen, dann geht es ins Rathaus.
Noch ein paar Stufen, dann geht es ins Rathaus.
Edith Geuppert/picture alliance/dpa
  • Bei der Kommunalwahl am 8. März bewerben sich auffällig viele junge Menschen um kommunalpolitische Ämter, darunter mehrere unter 30-Jährige um Bürgermeisterposten.
  • Die jungen Kandidaten sehen sich durch Vernachlässigung der Jugend in der großen Politik motiviert und wollen selbst Verantwortung übernehmen.
  • Das Durchschnittsalter der gut 2100 bayerischen Bürgermeister liegt derzeit bei 56 Jahren, nur zwei Amtsinhaber sind jünger als 30.
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Bei der Kommunalwahl im März streben auffällig viele junge Leute in die Verantwortung in Städten und Gemeinden. Was treibt sie an? Steht in den Rathäusern der Region ein Generationswechsel bevor?

Von Irmengard Gnau

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Eine Abschlussarbeit an der Universität ist üblicherweise etwas, dem der oder die Verfassende ihren vollen Fokus widmet. Bei Eric Jacob kommt derzeit allerdings der Wahlkampf dazwischen. Der 22-jährige Student will bei den Kommunalwahlen am 8. März Bürgermeister in seinem Wohnort Eching im Landkreis Freising werden. Die Abgabe seiner Bachelor-Arbeit in Informatik muss er daher koordinieren mit Gesprächen an Infoständen, Auftritten bei Diskussionsveranstaltungen und Haustürbesuchen bei potenziellen Wählern.

Und Jacob ist nicht der einzige: Auffällig viele junge Menschen bewerben sich in diesem Jahr in der Region um kommunalpolitische Ämter, auch um Spitzenpositionen. Warum stellen sie sich dieser Herausforderung? Und das in Zeiten, in denen Politikerinnen und Politiker vermehrt über Anfeindungen berichten?

Eric Jacob will für die Grünen das Echinger Rathaus (Landkreis Freising) übernehmen.
Eric Jacob will für die Grünen das Echinger Rathaus (Landkreis Freising) übernehmen.
Tino Graphiert

„In den vergangenen Jahren ist vieles nicht unbedingt im Interesse der jungen Leute gelaufen“, sagt Jacob. Er verweist auf die Wiedereinführung der Wehrpflicht, den schlechten Zustand vieler Schulen oder mangelnden Klimaschutz. „Die Jugend wird häufig von der großen Politik vernachlässigt“, sagt Jacob. „Deshalb sagen jetzt viele: Dann müssen wir es eben selber machen.“ Der 22-Jährige will sein bisheriges ehrenamtliches Engagement unter anderem im Klimabeirat von Eching, beim Sozialverband VdK sowie beim Fahrradverein ADFC auf eine politische Ebene heben. 2024 ist er den Grünen beigetreten. Für sie kandidiert er als Echinger Bürgermeister, außerdem für den Kreistag im Landkreis Freising.

„Die Entscheidungen, die wir heute treffen, haben Relevanz für die nächsten Jahrzehnte. Darum ist es gerade wichtig, dass junge Menschen auf den Listen kandidieren“, sagt auch Victor Weizenegger von der SPD, der mit Jacob um das Bürgermeisteramt in Eching konkurriert. Weizenegger, 30, beobachtet mit Wohlwollen, dass sich seit einigen Jahren, unter anderem motiviert durch die Fridays-for-Future-Bewegung, wieder vermehrt junge Leute politisch einbringen. Und das über Parteigrenzen hinweg. Die Junge Union etwa tritt heuer in mehr als 100 der bayerischen Kommunen mit einer eigenen Liste zur Kommunalwahl an und setzt damit auch ihrer Mutterpartei CSU junge Konkurrenz entgegen.

Victor Weizenegger tritt für die SPD als Bürgermeisterkandidat in Eching an.
Victor Weizenegger tritt für die SPD als Bürgermeisterkandidat in Eching an.
privat

In kommunalen Spitzenpositionen sind junge Menschen bislang eine Seltenheit. Das Durchschnittsalter unter den gut 2100 amtierenden bayerischen Bürgermeistern, Oberbürgermeistern und Landräten liegt derzeit bei 56 Jahren. Nur zwei Amtsinhaber sind jünger als 30. Dieses Ungleichgewicht zwischen den Generationen wollen einige junge Menschen bei der anstehenden Kommunalwahl verschieben, voller Motivation und Selbstvertrauen.

„Vor einigen Jahren hat sich gefühlt jeder beschwert über die Politik. Da habe ich mir gedacht, dann pack’ ich halt selber an und tu was“, sagt Tobias Stokloßa. 2020 ließ sich der damals 22-Jährige auf der CSU-Liste für den Gemeinderat in seiner Heimatkommune Putzbrunn im Landkreis München aufstellen. Er wurde gewählt und erarbeitete sich als jüngstes Gremiumsmitglied bald die Anerkennung seiner älteren Kolleginnen und Kollegen durch Fleiß und Fachwissen.

Tobias Stokloßa bewirbt sich für die CSU um das Bürgermeisteramt seiner Heimatgemeinde Putzbrunn im Landkreis München.
Tobias Stokloßa bewirbt sich für die CSU um das Bürgermeisteramt seiner Heimatgemeinde Putzbrunn im Landkreis München.
Markus Schwarze

Dank seiner Arbeit als Kämmerer im Nachbarort Poing und der Erfahrung, die er im Gemeinderat gesammelt hat, ist der 26-jährige Diplom-Verwaltungswirt mit vielen kommunalpolitischen Themen vertraut. Nun will er als Bürgermeister Verantwortung übernehmen. „Ich will Verständnis dafür schaffen, warum politische Entscheidungen getroffen werden“, sagt Stokloßa.

Diesen Punkt unterstreicht auch Suzanne Saran Diané. „Ich denke, gerade heute, wo Vertrauen in die Politik zu schwinden scheint, müssen Entscheidungen gut erklärt werden“, sagt die 24-Jährige, die sich für die Grünen in Unterföhring bei München um den Bürgermeisterposten bewirbt. Dafür setzt die Studentin der Theologie und Psychologie, die sich schon seit sechs Jahren als Gemeinderätin engagiert, auf persönliche Ansprache und das Ernstnehmen von Sorgen.

Die Grüne Suzanne Saran Diané möchte Bürgermeisteramt von Unterföhring im Landkreis München werden.
Die Grüne Suzanne Saran Diané möchte Bürgermeisteramt von Unterföhring im Landkreis München werden.
Gabriele Krobath

„Gerade bei Großprojekten müssen wir die Menschen von Anfang an mitnehmen“, sagt Diané. So, hofft sie, lassen sich auch schwierige Entscheidungen akzeptieren. Als explizite Vertreterin der Jugend will sich Diané dabei gar nicht verstanden wissen. „Wir müssen Politik langfristig denken. Das ist im Sinne aller Generationen“, betont sie. „Nehmen wir das Thema Hitzeschutz – für Jüngere ist es wichtig, dass wir hier vorsorgen, weil es um ihre Zukunft geht. Und Ältere sind von den Auswirkungen zunehmender Hitze als erste betroffen.“

Gleichwohl setzen die jungen Kandidatinnen und Kandidaten im Wahlkampf auch auf die Nähe zu ihrer Generation. Gerade Orte, an denen sich Jugendliche ohne Konsumzwang treffen können, fehlen in vielen Gemeinden; hier will etwa der Echinger Kandidat Jacob ansetzen. Auch für jeden Geldbeutel bezahlbarer Wohnraum und Digitalisierung sind Themen, die die junge Generation umtreiben. Um jüngere Menschen anzusprechen, sind die jungen Kandidaten viel auf Social-Media-Kanälen unterwegs. CSU-Kandidat Stokloßa aus Putzbrunn etwa postet nach jeder Gemeinderatssitzung einen Beitrag auf Instagram, in dem er aktuelle Themen erläutert. Dass er dazu regelmäßig Rückmeldungen erhält, beweist für ihn: „Das Interesse ist da, wenn die Leute sich angesprochen fühlen.“

Vivi Ulmer tritt für Die Linke in seinem Heimatort Ottobrunn im Landkreis München als Bürgermeisterkandidat an.
Vivi Ulmer tritt für Die Linke in seinem Heimatort Ottobrunn im Landkreis München als Bürgermeisterkandidat an.
Giuseppe Oricchio

Das bestätigt auch Vivi Ulmer. „Ich habe den Eindruck, dass junge Menschen sich heute stark für Politik interessieren, weil sie es ja auch müssen. Heute werden Entscheidungen getroffen, die ihr ganzes Leben beeinflussen, sei es in der Umweltpolitik oder in unserem Verhalten gegenüber dem Rechtsruck, den wir weltweit erleben“, sagt der 22-jährige, queere Geschäftsführer eines veganen Cafés, der für die Partei Die Linke als Bürgermeisterkandidat in Ottobrunn im Landkreis München antritt. Mit seiner Kandidatur möchte Ulmer auch andere junge Menschen motivieren, sich zu engagieren. „Ich denke, gerade in diesen Zeiten ist es wichtig, sichtbar zu sein, eine starke soziale Stimme zu sein und anderen zu zeigen, dass man nicht frustriert sein muss, sondern etwas tun kann“, sagt Ulmer.

Die Kommunalpolitik sehen Kandidatinnen und Kandidaten als aussichtsreiches, freilich auch sehr arbeitsintensives Feld für ihren Gestaltungswillen. Schließlich könne man im Kommunalen wesentlich schneller Erfolge erzielen als in der großen Politik, sagt Victor Weizenegger aus Eching. Tobias Stokloßa aus Putzbrunn ergänzt: „Es ist ein sehr befriedigendes Gefühl, wenn man im Gemeinderat etwas beschließt und unmittelbar mitverfolgen kann, wie dieser Beschluss, zum Beispiel ein neues Gebäude, in die Höhe wächst.“

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