In Oberhaching hat die Erde gebebt. Nicht nur einmal, sondern am vergangenen Wochenende mehr als hundert Mal. Gespürt hat das vermutlich niemand. Auch dürfte im Hachinger Tal deswegen nichts gewackelt haben, geschweige denn Fenster zerbrochen oder Risse in Gebäuden entstanden sein. Denn die Magnitude dieser Beben, also die Stärke der Erschütterung, war sehr gering.
Ein Thema in der Bevölkerung ist diese Häufung der Beben dennoch. Nicht nur, weil es das eine oder andere Haustier womöglich etwas nervös gemacht hat. Sondern auch, weil es bei dem veröffentlichten Beitrag des privat betriebenen Informationsportals erdbebennews.de heißt: „Aufgrund der Menge kleinster Beben sollte man genau beobachten, wie sich die Lage weiter entwickelt.“
Das Geophysikalische Observatorium in Fürstenfeldbruck bestätigt die Erschütterungen. „Seit einigen Tagen sind mehr als 100 Mikrobeben in der Umgebung der neuen Geothermiebohrstrecken aufgetreten“, teilt Joachim Wassermann, Leiter der Abteilung Seismologie, auf SZ-Anfrage mit. Das Geophysikalische Observatorium ist eine Außenstelle der Geo- und Umweltwissenschaften der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU). Sie gilt als führend bei der Erdbebenüberwachung und der Messung der Erdmagnetik in Europa.
Die überwältigende Anzahl dieser Beben in Oberhaching sei mit Magnituden von bis zu -1 Ml sehr klein, so Wassermann weiter. Die größeren haben eine Magnitude von maximal Ml 0,9 aufgewiesen und „lagen damit weit unter der Fühlbarkeitsschwelle“. Die Lokalbebenmagnitude Ml bezeichnet die Einheit auf der Richterskala. Bei einer Magnitude unter 2,0 spricht man von Mikrobeben, die nicht spürbar sind. Bei sehr leichten Beben zwischen 3 und 4 merkt man die Erschütterungen zwar, aber Schäden sind selten. Sichtbares Bewegen von Zimmergegenständen, Erschütterungsgeräusche können ab Stärke 4 bis 5 auftreten, Schäden an Gebäuden ab 5 bis 6. Darauf weist der Bundesverband der Geothermie hin und beziffert die in der Geothermie vorkommenden Erschütterungen mit höchstens 3 bis 4.

Joachim Wassermann vom Geophysikalischen Observatorium hält einen Zusammenhang zwischen den Geothermie-Bohrungen und den Mikrobeben in Oberhaching wegen der Nähe für wahrscheinlich. Die Erdwärme Grünwald setzt an ihrem Standort im Ortsteil Laufzorn derzeit ihr Projekt „Laufzorn II“ um. Seit einem halben Jahr wird dort wieder nach heißem Wasser in 4000 Metern Tiefe gebohrt. Auf der von der LMU betriebenen Webseite erdbeben-in-bayern.de werden die Erschütterungen in Oberhaching am 7. und 8. Februar mit einer Tiefe von vier Kilometern angegeben.
Da solche Mikro-Erdbeben als Folge von Arbeiten im Untergrund nie auszuschließen sind, werden die verschiedenen Geothermiestandorte und aktuelle Bohrungen laut Wassermann von einem seismischen Netz überwacht. Das Monitoring werde im Großraum München in einem gemeinsamen Messverbund bestehend aus staatlichen Messstationen des Erdbebendiensts Bayern sowie von privaten Messstationen der jeweiligen Betreiberfirmen sichergestellt. Die aufgezeichneten Daten werden dabei sowohl von staatlicher Seite als auch von Betreiberseite unabhängig ausgewertet. Schwächere Mikrobeben unterhalb der Fühlbarkeitsschwelle seien an vielen Geothermieprojekten nicht unüblich, erklärt Wassermann, wobei die kleinsten Ereignisse in Absprache mit dem Bergamt und Betreiberfirmen nicht vollständig auf der Webseite des Erdbebendiensts aufgeführt würden.

