Michael Schultz bringt Erfahrung aus 16 Dienstjahren bei der Münchner Polizei mit – davon 13 Jahre in der Führungsgruppe der größten Polizeiinspektion der Stadt an der Theresienwiese. Man kann es sich kaum vorstellen, dass dieser freundliche Mann mit dem breiten Lächeln über Jahre Randalierer und andere Unruhestifter festgenommen hat. Heute scheint aus dieser Zeit vor allem eines geblieben zu sein: Ruhe. Schultz ist der neue Bürgermeister von Putzbrunn. Seine neue Aufgabe erfüllt ihn sichtbar. „Es fühlt sich an, am Ziel angekommen zu sein“, sagt er.
Der 44-jährige UBV-Kandidat setzte sich in der Stichwahl mit 62 Prozent deutlich gegen seinen CSU-Konkurrenten Tobias Stokloßa durch. Seitdem nähert er sich Schritt für Schritt seiner neuen Aufgabe an. Offiziell tritt er sein Amt Anfang Mai an, die Vereidigung ist für 12. Mai geplant. Von seinen Kollegen bei der Polizei hat er sich gerade verabschiedet – und das mit Wehmut, denn auch diesen fordernden Beruf habe er sehr gerne ausgeübt, sagt Schultz. Als Lieblingsort für das Gespräch hat er sich den Freundschaftsbrunnen vor der Feuerwehr ausgesucht, der für mehr als 50 Jahre Partnerschaft mit Hagenberg in Österreich steht. Der Brunnen stehe für Zusammenhalt, sagt er, und es sei ein schöner Ort, an dem man viele Menschen treffe. Oft sei er dort mit dem Hund unterwegs.
Mit Putzbrunn muss sich der Familienvater mit drei Töchtern im Teenageralter jedenfalls nicht mehr vertraut machen. Dass er im Ort bekannt ist, zeigt sich daran, wie viele ihn im Vorbeigehen grüßen. Für die Gemeindepolitik, die er in den vergangenen sechs Jahren als Gemeinderat kennengelernt hat, begeistert er sich tatsächlich seit seiner Jugend.
Als 16-Jähriger, erzählt Schultz, habe er einen Brief an den Bürgermeister geschrieben. Dabei schlug er vor, bei der Benennung von Straßen oder Siedlungen in Putzbrunn alte Hofnamen zu verwenden. Das wurde übernommen. Heute gibt es etwa die Siedlung Scheirer Feld sowie die Straßen „Am Fablhof“ oder „Am Hartlhof“. Schulz denkt gerne an seine damalige Initiative zurück: „Es hat sich eingeprägt, man kann etwas bewegen.“ Auf den Gedanken, selbst mal Bürgermeister werden, sei er deshalb nicht gekommen. Die Kandidatur sei erst im Vorfeld der Wahlen an ihn herangetragen worden. Zunächst habe er abgelehnt. Aber auf Zureden – auch seiner Frau – habe er sich schließlich darauf eingelassen.
Und jetzt fühlt es sich offenbar richtig an, so wie es ist. Er habe keinen langen Fahrtweg mehr in die Arbeit, sagt Schultz. Statt abends mit der Frau mal Essen zu gehen, werde er jetzt mittags öfter zuhause sein – und abends auf Terminen, im Gemeinderat oder bei Vereinen. Aber das kennt er schon. Bei der Feuerwehr hat Michael Schultz 23 Jahre lang die Jugendarbeit geleitet, den Job hat er jetzt abgegeben wegen des Bürgermeisteramts.
Michael Schultz will für alle Generationen da sein
Was im Rathaus auf ihn zukommt, ließ sich Schultz bei vier Terminen von seinem langjährigen Vorgänger Edwin Klostermeier (SPD) zeigen. Klostermeier habe eine gute Arbeit geleistet, sagt Schultz. „Er ist nicht umsonst viermal gewählt worden.“
Vorgenommen hat sich Schultz politisch, die Gemeinde zu einen und für alle Generationen da zu sein. Er wolle einen Ansprechpartner im Rathaus für Senioren etablieren. Für die Jugend denkt er an einen Pavillon, in dem junge Leute ohne Aufsicht zusammenkommen könnten, ebenso an ein Apartmenthaus, damit junge Putzbrunner bezahlbaren Wohnraum finden. Und für Familien? Da schwebt Schultz ein Spielplatzkonzept vor, um etwa einen Abenteuerspielplatz zu schaffen. Ansonsten wolle er sich auch ganz praktisch einbringen, einfach auch als Bürger. Etwa beim Ramadama. „Ich mach’ das gerne, ich verstelle mich nicht.“

