Menschen 2016 Streitsüchtige Politiker und streitbare Gymnasiasten

Christoph Leicher, 62, beschäftigt in seiner Firma Angestellte aus 15 Nationen. Das prädestiniert ihn für den Vorsitz des IHK-Regionalausschusses.

(Foto: Claus Schunk)

Ein Ministerbesuch und ein Schülerfilm schlagen hohe Wellen

Alexander Dobrindt konnte wohl am wenigsten dafür. Doch der Besuch des Verkehrsministers im Juli schlug hohe Wellen. Er besuchte vier Bahnhöfe in Oberschleißheim, Haar, Hohenbrunn und Ebenhausen-Schäftlarn und hörte sich an, was für Probleme es gibt: lange Schließzeiten der Bahnschranke, maroder Bahnhof, fehlende Barrierefreiheit. Die Diskussion darüber sollte der Gast nach dem Willen der CSU nur mit CSU-Vertretern führen. Als in Oberschleißheim Bürgermeister Christian Kuchlbauer von den Freien Wählern aufkreuzte und in Haar Gabriele Müller von der SPD wurde es hitzig. In Haar mündete das Ganze in einen Streit, der mit der Anzeige des CSU-Landtagsabgeordneten Ernst Weidenbusch gegen Müller wegen Verleumdung seinen bisherigen Höhepunkt erreichte. Weidenbusch wirft Müller vor, wahrheitswidrig zu behaupten, er habe sie bedrängt und zum Verschwinden aufgefordert. Ausgang des Rechtsstreits: ungewiss.

Fünf Unterhachinger Schüler legten sich mit dem Kultusministerium an. Die erst 15 Jahre alten Gymnasiasten drehten einen Film über die bayerische Bildungspolitik. Alexander Spöri, Colin Maidment, Luca Zug, Julian Heiß und Lukas Faltenbacher wollten in dem Streifen "Das (Bildungs)system" auf das Problem der Unterrichtsausfälle hinweisen. Sie interviewten Ministeriumssprecher Ludwig Unger, und der sah sich dann bloßgestellt. Er habe nicht damit gerechnet, dass der Film öffentlich gezeigt werde, beklagte er und erreichte, dass wegen des Verstoßes gegen Persönlichkeitsrechte ein Trailer aus dem Internet gelöscht wurde. Die Schüler hatten aber ein Ziel erreicht. Über Defizite an den Schulen wurde offen diskutiert.

Christoph Leicher ist ein Unternehmer, wie man ihn sich vorstellt. Er schätzt schnelle Entscheidungen, hat etwas gegen Bedenkenträger. Er glaubt daran, dass sich die Politik bei der Wirtschaft Anleihen nehmen sollte. Der Inhaber der Leicher Enineering GmbH mit Sitz in Kirchheim ist seit diesem Jahr mit dem Amt ausgestattet, das es ihm erlaubt, den Politikern im Landkreis ins Gewissen zu reden. Erstmals wählten die 21 000 Unternehmen im Landkreis unter dem Dach der Industrie- und Handelskammer (IHK) mit ihren mehr als 210 000 Beschäftigten eine eigene Vertretung. Der in Gräfelfing wohnende Leicher will auch unangenehm sein. Im Herbst stellte er seine Agenda vor: ein Ausbau des Öffentlicher Nahverkehrs, mehr Schwung bei der Digitalisierung. Er will beim Thema Bauen und in der Bildungspolitik mitreden. Der Landkreis soll Vorzeigeregion bei alternativen Antriebsmöglichkeiten werden. Und am besten nicht nur dort.