Süddeutsche Zeitung

Meine Woche:Plädoyer für die Bundeswehr

Nariman Hammouti-Reinke ist Offizierin und liest aus ihrem Buch

Sie ist Muslimin, hat einen Migrationshintergrund und dient der Bundeswehr. Nariman Hammouti-Reinke () hat es nicht leicht, wenn sie beruflich im ICE unterwegs ist oder sich abends spontan in Uniform mit einer Freundin zum Essen treffen möchte. "Bei mir kann man es sich eben aussuchen, wofür man mich diskriminieren möchte", sagt die 39-Jährige und lacht. Angestarrt oder angesprochen zu werden, das ist Hammouti-Reinke seit mehr als 14 Jahren bei der Bundeswehr gewohnt. 2018 hat sie ein Buch über ihre Erfahrungen geschrieben. "Ich diene Deutschland - ein Plädoyer für die Bundeswehr und warum sie sich ändern muss", so lautet der Titel des Buches, aus dem sie an diesem Donnerstag an der Bundeswehruni liest.

Eines möchte sie aber von Anfang an klarstellen: "Ich rede nicht von Diskriminierung innerhalb der Truppen. Im Dienst werde ich ganz normal als Deutsche wahrgenommen, unsere Kameradschaft hat nichts mit der Herkunft zu tun", sagt die gebürtige Hannoveranerin. Vielmehr gehe es ihr um die Außendarstellung der Bundeswehr, denn die sei bei 15 Prozent Migrationshintergrund im mittleren und gehobenen und 25 Prozent im einfachen Dienst nicht vielseitig genug: "Ich möchte zeigen, dass neue Deutsche, wie wir sagen, Seite an Seite mit weißen Deutschen im Einsatz sind. Unsere Kameradschaft innerhalb der Truppe soll mehr nach außen projiziert werden", wünscht sich Hammouti-Reinke.

Ihre Eltern stammen aus Marokko, auf dem Cover ihres Buches hat sie bewusst sich selbst in der camouflagefarbenen Uniform mit aufgestickter Deutschlandflagge abbilden lassen. Sie sagt: "Es muss ganz selbstverständlich sein, dass so eine deutsche Marineoffizierin aussieht. Ohne sofort gefragt zu werden: Woher kommst du wirklich?" Über eine Sache kann sich die Marineoffizierin bereits freuen: Die jüdische Seelsorge wird 2019 in der deutschen Bundeswehr eingeführt. Denn bisher kümmern sich ausschließlich katholische und evangelische Betreuer um die Soldaten und Offiziere. Eine Anlaufstelle für muslimisch Gläubige ist im Moment allerdings noch nicht in Aussicht, wenn auch vage in Planung. Hammouti-Reinke wird sich weiter dafür einsetzen, im Moment liegt ihr Fokus auf einer modernen Wahrnehmung der Bundeswehr in Gesellschaft und sozialen Medien. "Wenn man die Truppen so divers darstellt, wie wir sind, würden auch Vorurteile leichter abgebaut werden. Die Bundeswehr steht immer noch am Rand der Gesellschaft, und das obwohl wir einen Schwur geleistet haben, Deutschland mit unserem Leben zu verteidigen", sagt Hammouti-Reinke, die selbst zwei Mal in Afghanistan gedient hat.

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Quelle:
SZ vom 20.05.2019
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