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Meine Woche:Muster mit Seele

Gaby Opitz.

(Foto: Claus Schunk)

Gaby Opitz bietet beim Biomarkt-Spezial Textilien aus Indien an

Von Angela Boschert, Neubiberg

Gaby Opitz hatte den Wunsch, "Dinge so tun zu können, wie man es persönlich verantworten kann", und folgte ihm. Am Donnerstag bietet sie beim Biomarkt-Spezial im Umweltgarten Neubiberg (Beginn um 14.30 Uhr) handbedruckte, fair hergestellte Heimtextilien an. Neben Kissenbezügen, Tischdecken und Schals werden Geschirrtücher, Platzsets und mehr beim Zelt ihres Online-Unternehmens Masaso zu kaufen sein. Jedes Stück ist ein Unikat, denn die Baumwollstoffe werden in Indien durch ein altes Verfahren per Hand bedruckt.

Opitz kommt aus der Textilbranche. Sie hat das Metier in der Strickwarenfabrik von Maerz München gelernt und kennt die Arbeitsschritte der Textilherstellung aus eigener Erfahrung. Ebenso weiß sie um die menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen in vielen Fabriken in Fernost. Das müsse anders gehen, dachte sie sich und gründete mit ihrem Mann vor acht Jahren Masaso, um für die Herstellung von Heimtextilien unter sozial und ökologisch verantwortbaren Bedingungen zu sorgen. Zumal sie oft auf Tischdecken, die sie aus Fernost mitbrachte, hier angesprochen wurde. Sie suchte und fand Fabriken in einem kleinen ökologisch geführten Industriepark in Rajastan (Indien), wo hochwertige natürliche Farben so auf den Stoffen fixiert werden, dass sie viele Wäschen in der Waschmaschine tadellos überstehen. Für jede Farbe muss bei der alten Handwerkskunst des Blockprinting ein eigener Holzstempel geschnitzt werden.

Nach einigen Jahren begann die Textilfachfrau selbst, Muster zu entwerfen, um die Palette an floralen indischen Paisley-Mustern zu erweitern. Opitz hatte festgestellt, dass ihre Kunden sehr verschiedene Bedürfnisse bei Heimtextilien haben, "je nachdem, ob ein Kissen ein Ledersofa zieren oder die Tischdecke den Sommer einleiten soll." So entwickelte sie eigene Ideen, etwa aus Eindrücken eines schönen Landschaftsfotos oder aus einer "Farbigkeit", die sie im Kopf hat. Es kann sogar vorkommen, dass für ein Dessin 2000 Stempel in Indien hergestellt werden müssen, weil das Muster so viele Druckvorgänge erfordert.

Beim Biomarkt-Spezial, der anstelle des Nachtbiomarktes veranstaltet wird, freut sich Opitz, die Besonderheit des traditionellen Druckverfahrens erklären zu können. "Damit geht für mich ein Wunsch in Erfüllung, denn ich finde es schön, etwas Manuelles zu haben mit einer gewissen Imperfektion. Da steckt Seele drin." Und schon verpackt sie für Donnerstag verschiedenste ihrer Masaso-Produkte sowie Musterteile. Übrigens: Den Namen des Unternehmens haben Gaby und Stefan Opitz aus den Initialen der Vornamen ihrer drei Kinder Marvin, Samira und Somaya gebildet, "im Bestreben, etwas nachhaltig besser zu machen für die nächsten Generationen", so die beiden.

© SZ vom 13.07.2020

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