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Meine Woche:Mann mit Weitblick

Frank Kuroschinski.

(Foto: privat)

Frank Kuroschinski verlässt nach 36 Jahren die Edith-Stein-Realschule in Unterschleißheim

Von Irmengard Gnau, Unterschleißheim

Man kann es eine glückliche Fügung nennen, die Frank Kuroschinski vor 36 Jahren nach Unterschleißheim geführt hat. Eigentlich hatte er Sport und Deutsch für das Lehramt am Gymnasium studiert, doch 1984, zum Ende seines Referendariats, gab es kaum freie Posten. Da tat sich eine Stelle an der Edith-Stein-Realschule für Sehbehinderte auf. Kuroschinski entschied sich rasch für die Stelle, auch wenn das noch ein weiteres Jahr Aufbaustudium Sonderpädagogik mit Schwerpunkt Sehbehindertenpädagogik bedeutete. Heute blickt der 65-Jährige auf mehr als drei Jahrzehnte an dieser besonderen Schule zurück, zunächst als Lehrer, seit 1996 als Schulleiter. Diese Woche geht Kuroschinski in den Ruhestand.

In den 36 Jahren hat der gebürtige Niedersachse die Schule geprägt. Er hat sich dafür eingesetzt, dass sie nicht nur für Sehbehinderte und Blinde, sondern auch für sehende Kinder und Jugendliche öffnete. Umgekehrte Inklusion sozusagen, sodass alle voneinander lernen. "Meine Triebfeder war von Anfang an, etwas zu bewegen, etwas weiterzuentwickeln", sagt Kuroschinski. Besonders in seinem Fachbereich Sport baute der leidenschaftliche Pädagoge Schritt für Schritt neue Angebote auf. Neben dem Basisunterricht führte er zwei weitere Stunden Sportförderunterricht ein, speziell abgestimmt auf die Möglichkeiten seiner Schüler. Neben psychomotorischen Elementen können die Schüler sich auch in Rhönradturnen, Tauchen, Rudern oder Klettern probieren.

Außerdem gründete Kuroschinski mit Helmut Schuster, seinem Schulleiterkollegen von der Volksschule des SBZ, die Rehasportgruppe beim SV Lohhof. Dort können sehbeeinträchtigte Jugendliche Leistungssport treiben. Eine Leistungsschwimmgruppe gehört ebenso in die Sparte wie die ambitionierten Goalballer. "Ich wollte den Schülern zeigen, was alles möglich ist, trotz ihrer Einschränkung", sagt Kuroschinski. "Und ihnen die Welt der Sehenden mitgeben." Sehbehinderte Kinder haben häufig nicht so viele Bewegungserfahrungen. Zudem stärken Erfolgserlebnisse beim Sport das Selbstbewusstsein und die Selbständigkeit der jungen Menschen.

All diese Errungenschaften wird künftig Kuroschinskis Nachfolgerin weiterentwickeln. Dem 65-Jährigen wird aber nicht langweilig werden. Die Jazz-Gitarre wartet auf ihn ebenso wie Reisen mit seiner Ehefrau und den Enkeln.

© SZ vom 20.07.2020

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