bedeckt München 16°

Meine Woche:Kunst und kein Krempel

Bayerisches Nationalmuseum:  Kunstminister Bernd Sibler übergibt neun Kunstwerke aus dem ursprünglichen Eigentum des Ehepaares Julius und Semaya Franziska Davidsohn an deren Erben

Kurt Zeitler.

(Foto: Florian Peljak)

Kurt Zeitler ist Gutachter bei erfolgreicher BR-Sendung

Von Carla Bihl, Oberschleißheim

Der Bayerische Rundfunk macht nach vier Jahren mit seiner Sendung "Kunst + Krempel" wieder Station in Oberschleißheim. Von Freitag, 25., bis Sonntag, 27. September, werden im historischen Speisezimmer des Neuen Schlosses Schleißheim 18 Folgen mit neun Stunden Programm produziert. Menschen bringen da ihre alten Schätze wie gewohnt zu den Spezialisten. Seit acht Jahren steht Kurt Zeitler vor der Kamera der ältesten Antiquitätensendung Deutschlands, die bereits seit 35 Jahren besteht. Als Experte für den Bereich Kunst auf Papier berät und bewertet er im Duo mit Kunsthistoriker Herbert Giese die 14 Teilnehmer pro Bereich. Bewertet werden Spielzeug, Skulpturen und Gemälde, Porzellan, Keramik und Religiöse Volkskunst; insgesamt sind zwölf Fachleute im Einsatz. Bei diesem Dreh stehen erstmals auch alle Teilnehmer vor der Kamera. Dafür konnten sich die Antiquitätenbesitzer extra bewerben.

Eigentlich ist Zeitler Hauptkonservator für die Graphische Sammlung München, die auch Ausstellungsräume in der Pinakothek der Moderne und einen Studiensaal hat. Dort werden jeden Dienstagvormittag Beratungen angeboten. Der BR wurde vor mehr als zehn Jahren auf Zeitler aufmerksam. An der Sendung schätze er besonders, dass die Beratung seriös sei. Außerdem komme es dabei nicht nur auf den Schätzwert des Mitgebrachten an, sondern vor allem um Hintergrundvertiefung, meint Zeitler. Vielen bereite es Freude, zu sehen, an welchen Kriterien man erkennen könne, ob es sich um ein Original oder um eine Fälschung handle und woran sich Qualität zeige. Als Kurator organisiert Zeitler Ausstellungen, wie die derzeitige "Boxenstopp II - Druck machen" mit dem Fokus auf die zeitgenössische Lithografie. In der Graphischen Sammlung betreut der Kunsthistoriker das Ressort der italienischen und französischen Kunst bis 1800 von Leonardo da Vinci, Michelangelo und Raffael, bis zu Tiepolo, Antoine Watteau und Jacques Louis David.

Bei "Kunst + Krempel" sei die Spannweite der Beratung jedoch größer: "Ich wollte nie ein Fachidiot sein", sagt Zeitler. Es sei egal, ob es sich bei einem Objekt um einen Picasso oder John Lennon handle. Beim Begutachten schätze er das Zusammentreffen mit den Menschen: "Es ist höchst aufschlussreich, Gespräche über diese Werke zu führen, wo sie herkommen und was sie den Menschen bedeuten." Bei der Kunst nach 1800 komme eine Fülle an Techniken hinzu, die vorher nicht gebräuchlich waren, erklärt Zeitler. So müsse man einen feineren Blick entwickeln, um erkennen zu können, welche es sein könnte: "Oft macht es auch Spaß, wenn man sieht, dass den Leuten nicht bekannt ist, was sie da eigentlich haben. Was man nicht bezeichnen kann, das sieht man auch nicht, also das weiß man nicht, aber sobald man es benennen kann, fügt sich vieles zusammen."

Ausgestrahlt werden die Sendungen von Mitte Oktober an immer samstags zwischen 19.30 und 20 Uhr im BR-Fernsehen. Publikum gibt es nicht.

© SZ vom 21.09.2020

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite