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Meine Woche:Kunst für Auge und Seele

Susanne Kempf, Kuratorin der Ausstellung "Denken, Fühlen, Malen - Werke von Künstlern mit Multipler Sklerose", die von 30.5. bis 20.6.18 in Ismaning zu sehen ist

Susanne Kempf beschäftigt sich leidenschaftlich insbesondere mit den Impressionisten.

(Foto: Kempf/oh)

Susanne Kempf kuratiert eine Ausstellung von Künstlern mit MS

Dass sie selbst einmal als Künstlerin eigene Werke ausstellen würde, hätte Susanne Kempf () vor 15 Jahren wohl nicht gedacht. Seit ihrer Jugend beschäftigte sich die Germanistin und Politikwissenschaftlerin aus Weiden leidenschaftlich insbesondere mit den Impressionisten - aber eben von außen, als Betrachterin. Selbst zum Pinsel zu greifen, kam Kempf bis 2006 nicht in den Sinn. Es doch mit Malen zu probieren, dieser Rat kam von der Mutter, sagt Kempf. Zu diesem Zeitpunkt konnte die Inhaberin einer PR-Agentur kaum noch einen Stift halten. 2004 hatte sie die Diagnose Multiple Sklerose bekommen; die chronische Nervenkrankheit machte sich vor allem an ihren Händen bemerkbar. Kempf nahm den Rat der Mutter an. "Mir hat das Malen sehr gut getan, körperlich und psychisch", sagt sie. Heute kann die 53-Jährige wieder am PC und mit der Hand schreiben. Und sie fand neue Selbstbestätigung. Eine Erfahrung, die sie teilen wollte. Sie suchte nach Mitstreitern, die ebenfalls an MS erkrankt sind und malen. Die Idee einer gemeinsamen Ausstellung entstand. 2008 zeigte Kempf die ersten Bilder im Weidener Rathaus, seither zieht eine Wanderausstellung durch ganz Deutschland; von Hamburg bis zum Bodensee waren die Bilder schon zu sehen, immer neue Künstler beteiligen sich. Im zehnten Jahr ihres Bestehens kommt die Ausstellung mit neuen Werken nun nach Ismaning. Am Mittwoch, 30. Mai, dem Welt-MS-Tag, wird sie um 14 Uhr in den Räumen der Firma Biogen (Carl-Zeiss-Ring 6) eröffnet, wo sie bis zum 20. Juni kostenfrei besucht werden kann.

"Denken, Fühlen, Malen" hat Kempf die Bildersammlung überschrieben. Die Werke zeigen nicht nur eine große Bandbreite verschiedener Kunsttechniken, sie geben auch Einblick in das Leben ihrer Erschaffer. "An meinen Bildern sieht man, wie es mir gerade geht", sagt Kempf, die selbst dem Malen treu geblieben ist. Die Krankheit der Künstlerinnen - die in Ismaning ausgestellten Bilder stammen diesmal ausschließlich von Frauen - steht nicht im Vordergrund der Ausstellung, doch sie ist ihr verbindendes Element. Multiple Sklerose, sagt Kempf, werde zwar häufig in der öffentlichen Debatte erwähnt, doch viele wüssten wenig über diese Nervenkrankheit, die aufgrund ihrer vielfältigen Ausprägungen auch die "Krankheit mit den tausend Gesichtern" genannt wird. Darauf will die Ausstellung in Ismaning aufmerksam machen - indem zu jedem Bild ein kurzes Porträt der jeweiligen Künstlerin und ihrer MS-Geschichte steht. Dabei ist Susanne Kempf wichtig: "Wir vermitteln eine positive Botschaft: Wir haben zwar diese Krankheit, aber wir können trotzdem unser Leben führen."