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Meine Woche:Klarer Kurs auf dem Mittelmeer

Manuel Spagl steigt selbst in ein Schlauchboot, um Flüchtlinge zu retten.

(Foto: Privat)

Manuel Spagl rettet Flüchtlinge aus ihren Booten. Am Mittwoch hält er in Kirchheim einen Vortrag.

Manuel Spagl hat Menschen sterben sehen. Und manchmal schwebte er selbst in Lebensgefahr. Der 24-Jährige rettet Flüchtlinge aus dem Mittelmeer. Seit zwei Jahren sticht er immer wieder mit der Organisation Sea Watch in See. Am Mittwoch hält er einen Vortrag über seine Erlebnisse auf dem Schiff und kehrt dafür in seine alte Heimat Kirchheim zurück. 2013 zog er von dort weg, um in Mannheim Medizin zu studieren.

Um Flüchtlinge aus dem Wasser zu ziehen, die sich von der libyschen Küste auf den Weg nach Europa machten, muss Manuel Spagl selbst in ein Schlauchboot steigen. Meistens mit drei anderen Helfern, so erzählt er es, nähern sie sich den Flüchtlingsbooten, holen die Männer, Frauen und Kinder an Bord. Dann bringen sie die Menschen zu ihrem größeren Schiff. Spagl erlebte, dass die Flüchtlinge ganz ruhig in ihr Boot klettern. Aber auch, dass sie aus Panik gegeneinander kämpften, schrien, um sich schlugen. "Manchmal mussten wir erst wieder ein Stück wegfahren, um ihnen klar zu machen, dass sie sich ruhig verhalten müssen." Andere Male trieben Menschen schon leblos im Wasser, als die Retter ankamen. Wie belastend ist das? Spagl überlegt kurz und antwortet dann: "Ich hatte zuvor auch schon mit dem Tod zu tun. Menschen sterben im Mittelmeer, auch wenn ich nicht vor Ort bin." Untätig sein, belaste ihn noch viel mehr.

Nur wenige Flüchtlinge hat er selbst medizinisch behandelt, seine Aufgabe ist in erster Linie, sie aus ihren Booten zu retten. "Viele sind in einem schlechten Zustand", sagt Spagl. "In ihren Booten sitzen sie in einer Mischung aus Meerwasser, Fäkalien und Diesel." Viele haben Verätzungen an den Beinen, sind dehydriert und leiden an Infektionskrankheiten wie Krätze.

Manuel Spagl will wieder in See stechen

Über seine Erfahrungen spricht Manuel Spagl am Mittwoch von 18.30 Uhr an im Pfarrsaal von St. Andreas am Pfarrer-Caspar-Mayr-Platz 2 in Kirchheim. Dort wird er auch erzählen, inwiefern sich die Situation für Freiwillige auf dem Mittelmeer verändert hat. Vor fast einem Jahr wurde ein Rettungsschiff von "Jugend Rettet" beschlagnahmt. Der Vorwurf: Die Organisation arbeite mit Schleppern zusammen und begünstige illegale Einwanderung. Danach begann die Europäische Union, die libysche Küstenwache mit Geld und technischem Gerät zu unterstützen. Seitdem, schätzt Manuel Spagl, zog sich fast die Hälfte der Flüchtlingshelfer aus dem Mittelmeer zurück - aus Angst. Tatsächlich soll eine spanische Hilfsorganisation im März von der libyschen Küstenwache mit Waffen bedroht worden sein.

Trotzdem will Manuel Spagl mit der Sea Watch diesen Sommer wieder in See stechen.