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Meine Woche:Kirche, die sich klar positioniert

Reiner Schübel thematisiert den Rechtsextremismus. Foto: Claus Schunk

Ottobrunn - Rechtsextremismus ist Thema im Gottesdienst.

Reiner Schübel will auch auf die Täter zugehen. "Jeder Mensch hat ein Recht auf eine zweite Chance", sagt der evangelische Kirchenrat. Im bayerischen Landeskirchenamt ist Schübel, der in Ottobrunn lebt, unter anderem für das Thema Rechtsextremismus zuständig und hat vergangenes Jahr federführend an einem neuen Handlungskonzept mitgewirkt: "Ja zu gelebter Menschenfreundlichkeit Gottes. Nein zum Rechtsextremismus". Haltung zeigen mit theologischem Überbau. Opferhilfe, aber auch Gefängnisseelsorge.

In Ottobrunn ist man schon dabei, das Handlungskonzept umzusetzen. Den Anfang macht ein Gottesdienst zum Thema Rechtsextremismus am Sonntag, 2. April, um 10 Uhr in der Michaelskirche. Pfarrerin Martina Hirschsteiner habe das Thema toll aufgegriffen, sagt Schübel. Er selbst moderiert die Diskussion mit den evangelischen Landespolitikern Verena Osgyan (Grüne), Markus Blume (CSU) und Markus Rinderspacher (SPD), das "Go Special"-Team der Michaelskirchengemeinde sorgt für einen kreativen Rahmen im Gottesdienst. "Machtlos? Macht los! ... und wir reden doch über Politik" ist das Motto.

"Wir sind Teil des Problems"

Den Vorwurf, sich aus gesellschaftlich relevanten Diskussionen herauszuhalten, höre Schübel immer wieder. Dass man sich wie beim Thema Rechtsextremismus so klar positioniert, ist zwar tatsächlich neu. Bei der Arbeit am Handlungskonzept, für die man die Basis um Erfahrungen gebeten und Unterstützung zugesichert habe, hätten die Mitglieder der Synode aber erfreut festgestellt, wie viel dort schon geleistet werde. "Überall bringen sich Menschen ein", sagt Schübel. "Viele Kirchenmitglieder wären überrascht, wenn sie wüssten, wo überall Engagement da ist." Man sei sich in der evangelischen Kirche aber im Klaren darüber, dass auch Anhänger von Rechtspopulisten zu den Mitgliedern zählen. "Wir sind damit Teil des Problems", sagt Schübel, "wir können aber auch Teil der Lösung sein." Auch der eigenen, problematischen Geschichte im Nationalsozialismus sei man sich bewusst.

Um die wird es wohl auch gehen, wenn Reiner Schübel am Donnerstag zur Frühjahrstagung der Landessynode fährt. Er wird dort für die Aufnahme der Barmer Erklärung von 1934, die der Gleichschaltung widersprach, ins Grundsatzprogramm der Kirche stimmen - wieder ein politischer Akt der Kirche "in Zeiten, in denen das völkische als unproblematisch dargestellt wird", sagt Schübel. Auch am Dienstag ist er in diesem Auftrag unterwegs. Dann stellt er in Mainz den Kollegen der Landeskirche Hessen-Nassau das Handlungskonzept vor. Dort interessiere man sich nämlich sehr für das bayerische Pilotprojekt, sagt Schübel.

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