bedeckt München 27°

Meine Woche:"Jetzt gehörst mir ganz alleine"

Johann Eichler

(Foto: Claus Schunk)

Johann Eichler ist nun Altbürgermeister und Ehemann

Von Michael Morosow, Aying

"Der Anzug ist gebügelt", sagt Johann Eichler. Am Dienstag, 7. Juli, wird der frühere Bürgermeister der Gemeinde Aying zum ersten Mal nach mehr als 24 Jahren als Gast einer Gemeinderatssitzung auf den Besucherstühlen sitzen. Der Anlass ist dabei ein freudiger, "i gfrei mi", sagt dementsprechend der 63-Jährige. Johann Eichler ist bei Tagesordnungspunkt vier an der Reihe: "Ernennung zum Altbürgermeister." Dass er sich diesen Ehrentitel verdient hat, daran hatte der Gemeinderat keinen Zweifel gehegt, der Beschluss dafür fiel einstimmig. Am Dienstag also wird sein Nachfolger Peter Wagner (CSU) ihm die Ernennungsurkunde überreichen.

"Bis jetzt war er nur mein Vorgänger, jetzt bekommt er den Titel Altbürgermeister", merkt Wagner an. Er werde natürlich auch ein paar Worte über seinen Vorgänger verlieren, wie er sagt. Wobei es damit nicht gewesen sein soll. Die große Abschiedsfeier mit 180 geladenen Vereinsvorständen und Wegbegleitern des langjährigen Gemeindechefs, die für den 28. April vorgesehen war, wegen Corona aber ausfallen musste, ist laut dem neuen Bürgermeister Wagner nicht vom Tisch. Möglicherweise erst 2021, aber in jedem Fall soll die Feier nachgeholt werden, "weil die 24 Jahre und das währenddessen Erreichte müssen gewürdigt werden", sagt Peter Wagner, der es auch zu schätzen weiß, dass Johann Eichler ihm in der Einarbeitungsphase mit Rat und Tat zur Seite gestanden war.

Eine Einladung hat natürlich auch Johann Eichlers Frau Rita erhalten. "Die hat's ja auch aushalten müssen", weiß Johann Eichler. Dass er jetzt kein Bürgermeister mehr sei, darauf hatte Rita Eichler ihren Mann ja bekanntlich bereits am Wahlabend im März hingewiesen, als sie scherzte "so, jetzt gehörst mir ganz alleine". Es gehe ihm sehr gut, "es passt alles", sagt der in Kleinkarolinenfeld lebende Familienvater. Was wohl vor allem passt für ihn, ist die neue Tatsache, dass er nunmehr nicht mehr täglich Verantwortung tragen muss für das Wohl der Gemeinde, wie er es von 1996 bis 2020 getan hat.

"Diese Last geht mir nicht ab", sagt Eichler. Aber die schönen Seiten eines Bürgermeisterdaseins, die wird er schon ein wenig vermissen. So etwa sei er kürzlich auch von den Buben und Mädchen im Kindergarten Dürrnhaar verabschiedet worden, was ihn sehr gefreut habe. Das sei wirklich nett gewesen. Den Kontakt mit den Kindern und Lehrern, ja, den werde er schon vermissen, "der wird mir abgehen", weiß Johann Eichler. Aber in diesen Zeiten gebe es Wichtigere: "San ma froh, wenn ma gsund bleiben."

© SZ vom 06.07.2020

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite