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Meine Woche:Herr der Halme

Sepp Lindermayer, Greenkeeper/Platzwart/Rasenpfleger SpVgg Unterhaching
(Foto: Stefan Galler)

Greenkeeper Sepp Lindermayer vor Hachings Heimpremiere

Der Auftakt ist gemacht, am Wochenende begann für die SpVgg Unterhaching mit dem 1:1-Unentschieden im Auswärtsspiel am Betzenberg gegen den 1. FC Kaiserslautern die neue Drittligasaison. Sepp Lindermayerund sein Team haben zwar aus der Ferne mitgefiebert, richtig los geht es für sie aber erst am kommenden Samstag. Der 39-Jährige ist als "Supervisor" sozusagen der oberste Greenkeeper der Hachinger, er ist verantwortlich dafür, dass die Profis sich nicht auf schlechtes Geläuf herausreden können, wenn der erhoffte Erfolg ausbleibt. Von Lampenfieber ist bei Lindermayer nichts zu spüren, mit oberbayerischer Gelassenheit blickt der gebürtige Ingolstädter auf den Rasen, der einem Teppich ähnelt. "Ich bin seit 20 Jahren im Geschäft, da bin ich jetzt vor dem Saisonstart nicht nervös", sagt er, räumt aber doch ein, dass die Heimspiele im 14-tägigen Wechsel die "Highlights für uns Greenkeeper" sind.

Seitdem die SpVgg vor einem Jahr die Pflege des Stadionrasens und des Trainingsplatzes Nummer eins in Eigenregie von der Gemeinde Unterhaching übernommen hat, ist Lindermayer hier tätig. Davor hat er sich schon in seiner Heimatstadt und in der großen Fröttmaninger Arena um den Rasen gekümmert. In Haching handelt es sich um einen Untergrund, der am Boden mit drei Prozent Kunststoff versetzt ist; die Oberfläche ist zu hundert Prozent Natur, weshalb es den Greenkeeper ärgert, dass zuletzt eine Diskussion über die Umweltverträglichkeit des Rasens entbrannt ist. "Unser Platz hat mit Mikroplastik nichts zu tun, da geht nix weg, weder über das Schnittgut, noch durch den Wind."

Diese Woche soll wieder hohe Temperaturen bringen, für Lindermayer und sein dreiköpfiges Team könnte die Hitze womöglich noch einmal eine Herausforderung vor dem Spiel am Samstag gegen die Würzburger Kickers bringen. "Mit heftigen Wetterkapriolen haben wir in der Branche jetzt seit vier, fünf Jahren zu kämpfen: Zuerst gibt es viel Regen, dann wieder wochenlang gar keinen", sagt der Supervisor. "Vor allem die Temperaturschwankungen begünstigen Rasenkrankheiten, da muss man jeden Tag ein Auge drauf haben."

So wie auch die Arbeit der Platzwarte, wie man die Rasenpfleger früher nannte, im Fokus steht: "Heute hörst du kaum mehr einen Fernsehkommentator, der nicht einen Satz zum Rasen sagt", erklärt Lindermayer. Das sei nachvollziehbar, schließlich werde im Fußballgeschäft mit all seinen finanziellen Auswüchsen mittlerweile in allen Bereichen Perfektion eingefordert. Lindermayer war übrigens selbst nahe dran, eine große Karriere zu starten: Er spielte beim 1. FC Nürnberg in der Jugend und lief regelmäßig in den bayerischen Nachwuchsauswahlen auf. Letztlich klappte es nicht mit dem bezahlten Fußball, dafür ist er jetzt auf seinem Gebiet ein echter Profi: "Auch für meinen Job muss man Fußballleidenschaft mitbringen", sagt der 39-Jährige.