bedeckt München 20°

Meine Woche:Erklären, wie die Welt funktioniert

Johanna K. Jochum Forschungsreaktor Garching

Johanna Jochum.

(Foto: privat)

Physikerin Johanna Jochum zeigt Kindern den Garchinger Reaktor

"Was ist denn, wenn man den Reaktor in die Luft jagt." Aus der Diskussion kam Physikerin Johanna Jochum nicht so leicht wieder raus. Die Instrumentenverantwortliche am Resonanz Spin Echo Spektrometer (Reseda) versicherte, dass es äußerst schwierig sei, unbeabsichtigt auf das Gelände zu kommen. Die Mädchen blieben aber hartnäckig und stellten sich immer neue Schreckensszenarien vor. Erst als sie an der Eingangskontrolle mitbekamen, wie schwer es sein kann, den Reaktor unbehelligt zu betreten, glaubten sie ihr.

Diesen und ähnlichen Fragen wird sich die Wissenschaftlerin auch am Donnerstag, 3. Oktober, wieder stellen müssen, wenn sie beim "Türöffner-Tag" der "Sendung mit der Maus" einer Kindergruppe in der Forschungs-Neutronenquelle FRM II am Heinz-Maier-Leibnitz-Zentrum den Reaktorpool mit den Brennelementen zeigt. Ein paar Mal hat Johanna Jochum schon Führungen für die Jüngeren gemacht, vor allem beim "Girl's Day" und bei der "Mädchen machen Technik"-Aktion, bei denen es um die Förderung von Mädchen in den Naturwissenschaften geht.

"Den Mädels wird von der Gesellschaft oft nicht wirklich klar gemacht, dass sie auch technische Berufe ergreifen können", berichtet die 32-Jährige. Vor allem jüngere Mädchen seien leicht durch Experimente und die Reaktorführungen zu begeistern, dann kämen auch ganz konkrete Nachfragen, wie der Job als Forscherin denn so sei. "Als Teenager trauen sich die meisten dann nicht mehr so richtig, Begeisterung zu zeigen", sagt Jochum lachend. Aktionen wie der Girl's Day seien sehr wertvoll, es mache sie stolz, wenn eine Elfjährige zu ihr sage, sie wolle Informatikerin werden.

Die gebürtige Österreicherin hat sich schon in der Schule vor allem für Physik, Mathe und Chemie interessiert. Nach der Schule begann sie ein Physik-Studium in Zürich. Die Entscheidung gegen Mathe hat sie nie bereut. "Physik erklärt, wie und warum die Welt funktioniert, Mathe ist nur die theoretische Grundlage." Vorurteile, die sich heute noch hartnäckig gegenüber Frauen in den Naturwissenschaften halten, begegneten ihr nie. "Meine Familie ist beim Thema Geschlechterrollen sehr offen, mein Bruder ist Krankenpfleger", erzählt sie. Zwar waren es in ihrem Studiengang nur zehn bis 15 Prozent Frauen, das habe sie aber nicht gestört, weil der Zusammenhalt so gut gewesen sei. Zur Promotion blieb Johanna Jochum in Zürich mit einer Doktorandenstelle als Materialwissenschaftlerin. Weil sie lieber reine Physik machen wollte, wechselte sie an die KU Leuven in Belgien. "Ein Doktorat sollte man nur machen, wenn es einen wirklich begeistert", findet Jochum.

© SZ vom 30.09.2019

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite