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Meine Woche:Einsatz am Gaumensegel

Victor Hauschild.

(Foto: Claus Schunk)

Victor Hauschild nimmt Abstriche an der Corona-Teststation in Haar

Von Bernhard Lohr, Haar

Er ist einer der Helfer hinter der Maske. Victor Hauschild, 28, steht seit Wochen mit Stäbchen in der Hand potenziell Infizierten gegenüber und bittet sie, ihren Mund weit aufzumachen. Er hat schon im August am Münchner Flughafen bei Passagieren Abstriche genommen und ist mittlerweile an der Haarer Teststation des Landkreises im Einsatz, wo die Malteser täglich von 8 bis 18 Uhr eine Teststation für alle Landkreisbürger betreiben. Hauschild erlebt hinter seiner Maske, wie manche ungerührt die Probenentnahme über sich ergehen lassen und manche röcheln und Tränen in den Augen haben, bevor das Stäbchen nur in die Nähe des Gaumensegels kommt. "Da kann man gar nichts machen", sagt er. Jeder sei da anders gestrickt. "Das ist von Natur so gemacht."

Hauschild hat Verständnis. Es ist ja alles für einen guten Zweck. Er hat seit seiner Jugend eine soziale Ader. Er absolvierte ein Freiwilliges soziales Jahr beim Rettungsdienst in Berlin und qualifizierte sich zum Rettungssanitäter. Er setzte eine dreijährige Ausbildung zum Notfall-Sanitäter drauf und gehört heute zur Mannschaft der Wache der Malteser in Gräfelfing, die mit dem Rettungswagen rausfährt. Wenn er dort nicht im Schichtdienst unterwegs ist, nimmt er Abstriche in Haar oder übernimmt administrative Aufgaben als stellvertretender Leiter Sanitätsdienstzentrums der Malteser in Stadt und Landkreis München, das mit dem Betrieb der Corona-Testzentren beschäftigt ist.

Corona hat für Hauschild alles verändert. Wenn er Rettungsdienst fährt, fragt er immer als erstes, bevor er eine Wohnung oder ein Haus betritt, ob die Betreffenden Symptome haben. Wenn ja, streift er sich seinen Schutzanzug über. Den trägt er in der Teststation in Haar natürlich, wenn er den hustenden potenziellen Virenschleudern gegenübertritt. Zwei paar Handschuhe sind neben der Maske Pflicht zudem ein Schutzkittel, in dem er manchmal ziemlich schwitzt. Wie er und seine Kollegen sich schützen und wann sie sich ablösen, ist geregelt. Nach einer Stunde, sagt Hauschild, und in Ausnahmefällen nach zwei Stunden, müsse eine Pause sein. Wie man sich von der Schutzkleidung befreit, um sich nicht zu infizieren, läuft nach Vorgaben ab wie im OP-Saal. Erst die obersten Handschuhe weg, dann wird der Kittel nach vorne abgestreift, ohne etwas zu berühren. Alles kommt in den Sondermüll.

Den Dienst teilt sich Hauschild mit ganz unterschiedlichen Leuten. Manche sind auch Ärzte im Ruhestand. Medizinische Grundkenntnisse seien erforderlich, sagt Hauschild, aber grundsätzlich könne jemand auch angelernt werden. Es seien an der Teststation immer Ärzte im Einsatz, die Personen instruieren könnten und die letztlich die Entscheidung träfen, ob jemand für die Aufgabe qualifiziert sei oder nicht.

© SZ vom 16.11.2020
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