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Meine Woche:Die Frau hinter dem Bild

Trudy Kirschner wird zur Ehrenbürgerin der Gemeinde Ottobrunn ernannt.

(Foto: Privat)

Trudy Kirschner wird für ihre Arbeit im Kunstverein Ottobrunn geehrt.

Das Buffet für die Besucher herrichten, die Galerie eröffnen, die vielen Ausstellungen vorbereiten und die Leute dafür finden: Trudy Kirschner war für viele Jahre die Frau für die unsichtbaren, dennoch entscheidenden Dinge im Kunstverein Ottobrunn. Nach 26 Jahren Mitgliedschaft, zehn davon im Vorstand, wird die 73-Jährige für ihre Arbeit ausgezeichnet. An Freitag, 19. Juli, erhält Trudy Kirschner die Ehrenurkunde der Gemeinde Ottobrunn - als Dank für ihr ehrenamtliches Engagement.

Die Malerin kam 1986 nach mehreren Jahren im Ausland, vor allem in Afrika, zurück nach Ottobrunn. Als Mitte der Neunzigerjahre bekannt wurde, dass dort ein Kunstverein gegründet werden sollte, stieg sie sofort ein. In und um Ottobrunn habe es zwar Künstlervereinigungen gegeben, aber keine Kunstvereine, die ausgestellt haben. "Es hat Spaß gemacht, gleich mitzuwirken", erinnert sich Kirschner, die auch ihre eigenen Gemälde in Ottobrunn ausstellte.

Doch in erster Linie war sie für andere Menschen da. Insbesondere zu Max Mannheimer, der auch Mitglied im Kunstverein war, pflegte sie ein freundschaftliches Verhältnis. Weil Kirschner bei den Events immer für das Buffet zuständig war, habe er sie "Frau Witzigmann" genannt, in Anspielung auf den österreichischen Koch Eckart Witzigmann, erinnert sich Kirschner lachend. Die Ausstellungen des Holocaust-Überlebenden und Malers Mannheimer "waren für mich immer ein Highlight", sagt sie. Insbesondere die letzte, posthume Ausstellung, die dem 2016 verstorbenen Künstlers gewidmet wurde, sei für Kirschner ein besonderer Moment gewesen.

Die Betreuung der Veranstaltungen war immer "viel Arbeit", insbesondere für die zweijährliche Ausstellung "ARTiges". Eine Art "Ottobrunner Biennale", sagt Kirschner. An der Veranstaltung nehmen Kunstvereine aus ganz Deutschland und dem Ausland teil. Sie habe deswegen schon ein halbes Jahr im Voraus mit den Ausschreibungen angefangen. "Es war immer dieses Kleinzeug", sagt Kirschner. Hört man sich beim Kunstverein um, untertreibt sie wohl ein bisschen. Vorsitzende Eva Hoffmann sagt: "Sie war über viele Jahre die Seele des Kunstvereins". Anfang des Jahres beschloss Kirschner, sich nicht zur Wiederwahl für den Vorstand zu stellen. "Es ist mir schwer gefallen, jetzt müssen aber andere drankommen", sagt sie. Der Wunsch für die Zukunft: "Dass die Mitglieder sich vermehrt für den Verein einbringen." Das Interesse für Kunst sei in Ottobrunn etwas abgeschwächt, man müsse Menschen wieder für Kunst begeistern. Denn, wie Kirschner sagt: "Von alleine machen die Leute nix."

In einer früheren Version dieses Artikels hieß es, dass Trudy Kirschner zur Ehrenbürgerin der Gemeinde Ottobrunn ernannt wird.