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Meine Woche:Der andere Blick auf Haar

Aleksandra Szulc.

(Foto: Claus Schunk)

Aleksandra Szulc und Mitschüler zeigen Stück zum Thema "Heimat"

Sie haben sich mal wieder aufgemacht: 29 Schüler der Mittelschule und des Ernst-Mach-Gymnasiums ließen ihre Hefte und Bücher liegen und gingen raus. Sie suchten Orte in Haar auf, die ihnen etwas bedeuten, sprachen mit ihren Eltern, interviewten die Bürgermeisterin und saßen mit Fremden am Kaffeetisch zusammen, um herauszufinden, was "Heimat" ausmacht. Nicht zuletzt horchten Aleksandra Szulc, 16, und die anderen in sich hinein. Sind es Menschen, die Heimatgefühle wecken, oder hat es mit vertrauten Orten zu tun? Als Ergebnis dieser Recherche und dieses Selbsterfahrungstrips ist das Theaterstück "Blickwechsel" entstanden, das an diesem Montag Premiere hat und von Dienstag an sechs Mal öffentlich in Haar aufgeführt wird.

Die Aktualität des Theaterprojekts liegt auf der Hand: Die Ankunft vieler Flüchtlinge, von Menschen ganz unterschiedlicher Herkunft hat eine Debatte über den Heimatbegriff entfacht. Es ist auf jeden Fall ein schillernder Begriff, dessen Inhalt sich je nach Perspektive verändert. Die Familie von Aleksandra Szulc selbst kommt ursprünglich aus Polen, wie sie sagt, sie wohnt in Waldtrudering und hat sich damit beschäftigt, wieso Haar als Ort, an dem sie zur Schule geht, für sie Heimat ist. Fast klingt es nach Lokalpatriotismus, wenn sie sagt: "Es ist ein total schöner Ort." Sie liebe den Platz vor dem Poststadel-Kulturgebäude, sagt sie. Andere Schüler schätzen den besonderen Reiz, nachts auf der Fußgängerbrücke über die B 304 zu stehen und das Lichtspiel zu beobachten; oder das Flair auf dem Abenteuerspielplatz. Heimat ist für Aleksandra Szulc der Ort, an dem sie "sich auskennt" und "sich wohlfühlt". Haar gehört offenbar dazu.

Der Leiter der Theatergruppe am EMG, Thomas Ritter, und die Theaterpädagogin Farina Simbeck wollten nach dem Erfolg mit dem Stück "Spurensuche" einen Kontrapunkt setzen. Es sollte nach der Beschäftigung mit den Patientenmorden in der Psychiatrie-Klinik in Haar ein positiver besetztes, leichteres Thema sein. Auch insofern bietet das Stück einen "Blickwechsel" - einen anderen Blick auf Haar. Die Besucher erwartet nun ein fordernder, lebendiger und auch mal amüsanter Theaterabend. Die Schüler trugen bei einem fünftägigen Workshop auf Gut Heft bei Rosenheim ihre Erlebnisse zusammen und verfassten Texte. Szenen wurden entwickelt. Es wird Filmsequenzen geben. "Es ist kein so normales Stück", sagt Szulc. Das hätte auch verwundert nach "Spurensuche". Die Zuschauer werden sich mitten im Geschehen wiederfinden. Sie werden erleben, wie ein "Blickwechsel" alles verändert. Gerade den Blick auf Heimat.