Meine Woche Bodenkampf statt Feriengefühl

Julian Gebhard und Ellen Riesterer messen sich mit den weltbesten Nachwuchsringern.

(Foto: Frederick Mersi)

Julian Gebhard und Ellen Riesterer reisen zur Ringer-WM nach Bosnien

Von Frederick Mersi, Unterföhring

"Auf nach Sarajevo" heißt es am Dienstag für Ellen Riesterer, die frisch gebackene Europameisterin im Ringen in der Altersklasse der Kadetten. Die 16-jährige gebürtige Freiburgerin tritt normalerweise für den SC Isaria Unterföhring an, ebenso wie der 17-jährige Hallbergmooser Julian Gebhard . Doch von Dienstag an beginnen in der Hauptstadt Bosnien-Herzegowinas die Weltmeisterschaften der Juniorenringer - und Riesterer und Gebhard werden dabei das deutsche Team repräsentieren.

Verärgert, dass ihre Sommerferien deswegen kürzer ausfallen, sind die beiden Gymnasiasten nicht. "Ich war ja schon im Urlaub", sagt Gebhard, und Riesterer fügt an, sie habe "auch ein paar Tage zur Regeneration" gehabt. Wer die seltene Chance hat, sich im Kreise der weltbesten Nachwuchsringer zu messen und den Ehrgeiz, sich dort erfolgreich zu präsentieren, der verzichtet eben auch leichteren Herzens auf das Urlaubsgefühl. Die Reise auf den Balkan wird denn auch ganz im Zeichen des sportlichen Wettkampfs stehen, Sehenswürdigkeiten oder Ausflüge stehen nicht auf dem Programm. "Viel mehr als die Halle sieht man da nicht", sagt die 49 Kilogramm leichte Riesterer, die ebenso wie Gebhard fünf bis sechsmal die Woche im Unterföhringer Sportzentrum trainiert. Nach ihrem Sieg im Finale der Europameisterschaften vor etwas mehr als zwei Wochen im serbischen Subotica über die Ungarin Szimonetta Szeker - bis kurz vor Kampfende führte ihre Gegnerin mit 1:0, als Ellen Riesterer zwei Punkte erkämpfte und diesen knappen Vorsprung über die restliche Kampfzeit verteidigte - rechnet sie sich gute Chancen auf ein langes Turnier aus: "Wenn ich gut lose, könnte ich wieder weiter nach oben kommen."

Weder Gebhard noch Riesterer kennen bisher ihre Gegner in der ersten Runde, denn diese werden am Anfang des Turniers innerhalb der Gewichtsklassen ausgelost. Julian Gebhard, der bei den Europameisterschaften den achten Platz im Freistil belegte, will lieber keine Prognosen zu seinem Abschneiden beim anstehenden Turnier abgeben. Als stärkste Nationen schätzen beide Vorzeige-Athleten die traditionellen Ringer-Großmächte Japan, Russland, die USA sowie Kanada und "die Schwarzmeerländer" ein. Vielleicht schaffen es die beiden Nachwuchsringer trotzdem, mit guter Taktik und Technik Edelmetall nach Unterföhring zu entführen. Die Anerkennung ihrer Mannschaftskameraden haben sie jetzt schon sicher. Und auch ohne den vielleicht ganz großen Wurf ist die Teilnahme an einer Weltmeisterschaft, wie Julian Gebhard sagt, "schon etwas Besonderes".