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Meine Hauszeit:Vom Nähvirus befallen

(Foto: privat)

Die Neubibergerin Renate Buchberger fertigt Masken zum Schutz und hilft Obdachlosen

"Ich sitze gerade im Garten und nähe Schutzmasken", erzählt Renate Buchberger , wenn man sie in diesen Tagen anruft. "Das ist sehr befriedigend, aber ich bin nur ein ganz kleiner Teil von den vielen, die jetzt Masken nähen. Die Aktion geht von Helene Nestler aus", sagt die fröhliche Rentnerin aus Neubiberg schnell. Von Helene Nestler weiß man im Landkreis, dass sie immer wieder Dinge anschiebt, die einem guten Zweck dienen. Das von ihr im November 2016 ins Leben gerufene Projekt "Mammalade" unterstützt durch den Verkauf selbstgekochter Marmelade das "Karla 51", eine Obdachlosenunterkunft nur für Frauen im Zentrum von München. Da der Helferkreis rund um Nestler aktuell keine Marmelade kochen darf, begannen einige "Einköcherinnen" kurz entschlossen, Masken zu nähen. So auch Renate Buchberger.

Ihr bringt nun Angelika Krödel, die außerdem Gemeindesekretärin der Neubiberger Corneliuskirche ist, fortwährend Stoffe und Nähmaterial. Buchberger fertigt damit zum einen "flotte Masken", bei denen sich der Gummi über der Nase rafft. Zum anderen fielen ihr daheim Pfeifenputzer in die Hände, die sie auf eine neue Idee brachten. Sie nähte eine Maske mit einem Einsteckfach für einen Filter und einem für einen Pfeifenputzer, der die Maske an die Nase drückt. Das Modell sei komplizierter, dafür brauche sie schon eine Stunde. Sie habe auch schon eine wichtige Erfahrung damit gemacht: "Den Pfeifenputzer muss man unbedingt aus der Maske nehmen, bevor man sie mit dem Dampfbügeleisen auf höchster Stufe bügelt, um sie zu desinfizieren!" sagt sie lachend. Sie habe sicher schon über 100 Masken hergestellt, nur wenige für Freunde, alle anderen gingen an die Corneliuskirche.

Dort stehen am Eingang zwei Körbe, einer mit gespendeten Stoffen und Nähmaterialien und ein anderer für die fertigen Masken. Gummiband bräuchten sie dringend, sagen Krödel und Nestler, die alles organisieren und sich um die Verteilung der Masken kümmern. Etwa 1500 Stück der fröhlich bunten Masken bekamen in den vergangenen drei Wochen soziale Einrichtungen. Jetzt stehen die Lebenshilfe, die Alzheimer-Gesellschaft, die Wohnungsnotfallhilfe, Kindertagesstätten und Privatpersonen auf den Empfängerlisten. "Wir verkaufen die Masken nicht, wir bitten um Spenden für Karla 51, aus Gründen der Solidarität", erklärt Nestler.

Das ist auch Renate Buchberger wichtig. Wenn sie nicht mit ihren Kindern und Enkeln via Skype kommuniziert, sitzt sie an ihrer Nähmaschine: "Gerade hat mir Frau Krödel dezente Stoffe gebracht. Denn Männer wollen ja nicht so gerne Hühner oder Gänse vor ihrem Gesicht tragen", sagt sie und befestigt ein Gummiband. Wer möchte, kann Masken per E-Mail bestellen bei helene.nestler@mammaladefuerkarla.de. Vielleicht kommt dann ja eine von Renate Buchberger.

An dieser Stelle berichten wir in nächster Zeit von Menschen und ihrem Leben während der Corona-Pandemie. Wenn auch Sie etwas zu erzählen haben, was anderen vielleicht sogar Mut macht oder zum Nachmachen dient, schicken Sie uns eine E-Mail (gerne auch mit Foto) an: lkr-muenchen@sueddeutsche.de.

© SZ vom 21.04.2020

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