SZ Gute WerkeHilfe für Menschen ohne Krankenversicherung

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Die Zahnärzte bei Malteser-Medizin in Berg am Laim sind besonders gefragt. Wolfgang Voß aus Grafing hilft Menschen, die an akuten oder schon lange anhaltenden Zahnschmerzen leiden.
Die Zahnärzte bei Malteser-Medizin in Berg am Laim sind besonders gefragt. Wolfgang Voß aus Grafing hilft Menschen, die an akuten oder schon lange anhaltenden Zahnschmerzen leiden. (Foto: Catherina Hess)
  • Die Malteser Medizin in Berg am Laim bietet Menschen ohne Krankenversicherung kostenlose medizinische Notversorgung durch 34 ehrenamtliche Ärzte und Helfer.
  • Bis Mitte Dezember wurden 693 Patienten aus über 70 Herkunftsländern behandelt, darunter Selbständige, Geflüchtete, EU-Bürger und Obdachlose ohne Versicherungsschutz.
  • Das Team benötigt Verstärkung durch Kinderärzte sowie neue Ausstattung wie einen Medikamentenschrank und gynäkologischen Behandlungsstuhl, die durch SZ Gute Werke-Spenden finanziert werden sollen.
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Die ehrenamtlichen Mitarbeiter von Malteser-Medizin kümmern sich um Menschen, die keinen Zugang zu einer medizinischen Versorgung haben. Die Spenden aus SZ Gute Werke werden zur Finanzierung dringend benötigter Anschaffungen verwendet.

Von Annette Jäger, München

Durch die Tür des Behandlungsraums ist das hohe, durchdringende Sirren eines Bohrers zu hören. Zwischendurch wird eine Pause eingelegt, die Patientin hat ein Kreislaufproblem. Dann geht es weiter, es muss sein. Wer bei den Maltesern in der Streitfeldstraße in Berg am Laim auf dem Zahnarztstuhl landet, lässt keinen jährlichen Kontrollcheck machen und auch keine Zahnreinigung. Hier sitzen Menschen, die akute Zahnschmerzen haben und das oft schon für lange Zeit. Es sind Menschen ohne Krankenversicherung, die keinen Zugang zu regulärer medizinischer Versorgung haben. Bei der Malteser-Medizin für Menschen ohne Krankenversicherung erhalten sie eine kostenlose und auf Wunsch auch anonyme Notversorgung. Nicht nur für schmerzende Zähne. Hier ist auch ein Team aus Allgemeinärzten, Gynäkologinnen und Kinderärzten für sie da.

Eigentlich neigt sich die Sprechstunde an diesem Nachmittag dem Ende zu, draußen wird es schon dunkel, aber das Wartezimmer ist noch voll. Die Menschen, die auf den Arzt warten, sind an irgendeinem Punkt im Leben durchs soziale Netz gefallen. Es sind Selbständige, die die steigenden Beiträge in der privaten Krankenversicherung nicht mehr bezahlen konnten. Es sind Geflüchtete, die sich in einer Überbrückungsphase zwischen zwei Behörden befinden oder schon lange auf die Erteilung ihrer Aufenthaltserlaubnis warten und damit auch auf eine Krankenversicherung. Es sind EU-Bürger, die auf Jobsuche und noch nicht im Sozialsystem angekommen sind. Und es sind Obdachlose, die schon lange draußen sind aus dem Versicherungssystem.

Bei der Malteser-Medizin finden sie zumindest eine offene Tür in der größten Not. Aktuell könnte das Team Verstärkung durch weitere Kinderärzte gebrauchen, sagt Neckels. Auch ein neuer Medikamentenschrank sei nötig wie auch ein neuer gynäkologischer Behandlungsstuhl. Es gebe außerdem einen hohen Bedarf an Gutscheinen, die die Sozialberatung ausgibt, damit Menschen Hygieneartikel kaufen können, nötige Kleidung oder Lebensmittel. Eine Spende an SZ Gute Werke könnte zu der Finanzierung der benötigten Anschaffungen beitragen.

In einem Sozialstaat mit einer Krankenversicherungspflicht gibt es eine wachsende Zahl von Menschen ohne Versicherungsschutz. Franziska Neckels leitet die Malteser-Medizin und liest die Zahlen an ihrem Computerbildschirm ab: Menschen aus über 70 Herkunftsländern werden in den Praxisräumen Jahr für Jahr behandelt, die größte Gruppe sind deutsche Staatsangehörige, dieses Jahr kamen auch viele Menschen aus der Ukraine. Bis Mitte Dezember wurden 693 Patienten aufgenommen, die über 1200 Behandlungen erhalten haben. „Es werden jedes Jahr mehr, der Bedarf steigt“, sagt Neckels.

Internist Kurt Rack reist für seine Sprechstunden eigens aus Augsburg an.
Internist Kurt Rack reist für seine Sprechstunden eigens aus Augsburg an. (Foto: Catherina Hess)

Die 34 Ärzte und Ärztinnen, Assistenten und Sprechstundenhilfen arbeiten ehrenamtlich. Viele der Engagierten sind bereits in Rente. So wie der Internist Kurt Rack, der für die Sprechstunden aus Augsburg anreist. Oder der Zahnarzt Wolfgang Voß, der aus Grafing kommt. Für die zahnärztliche Versorgung kooperiert die Malteser-Medizin mit dem Hilfswerk Zahnmedizin Bayern. Die Praxis in der Streitfeldstraße ist die einzige der Malteser-Medizin in Bayern. Deshalb kommen Patienten aus der gesamten Region hierher, aus Dachau, Ebersberg, Fürstenfeldbruck oder Augsburg, sogar aus Nürnberg. An anderen Praxistüren werden sie abgewiesen. Ohne Krankenkassenkarte keine Behandlung. Stellenweise werden sie auch in der Notaufnahme von Krankenhäusern wieder weggeschickt, ist zu hören.

Eine Mutter und ihre Tochter, die einen grippalen Infekt hat, waren heute schon in der Sprechstunde. Auch ein junger Mann mit dem Verdacht auf Krätze war in der Praxis und eine Schwangere die vermutlich eine Hepatitis B-Infektion hat. Die Ärzte sehen auch Leiden, mit denen sie in regulären Arztpraxen kaum zu tun hätten. Offene und schlecht versorgte Wunden, viele Hauterkrankungen oder einen desolaten Zahnstatus, weil Menschen keine zahnärztliche Versorgung in ihrer Heimat kennen. Es müssen viele Zähne in der Praxis gezogen werden. Es kommen auch Menschen mit fortgeschrittenen Krebserkrankungen, die eigentlich eine Bestrahlung, eine Chemotherapie oder auch eine Palliativversorgung bräuchten.

Immer wieder ist vom Sozialstaat die Rede

Die Mediziner können untersuchen, EKG und Ultraschall machen, Blut- und Urinproben nehmen und die wichtigsten Medikamente wie Schmerzmittel, Antibiotika oder Bluthochdruckmittel ausgeben. Aber es gibt Grenzen. Ist ein Facharzt nötig, eine Operation, eine Krebs- oder eine HIV-Behandlung, können sie nicht weiterhelfen. Wenn Menschen ihren Wohnsitz in München haben, kann die Clearingstelle Gesundheit die Kosten übernehmen, für Landkreisbürger und alle anderen endet hier das Hilfssystem.

Immer wieder ist vom Sozialstaat die Rede bei dem Besuch in den Praxisräumen: Vom Sozialstaat, der eine Versorgungslücke hat, vom Sozialstaat, der an Grenzen stößt, vom Sozialstaat, der ohne Ehrenamtliche nicht funktioniert. „Es gibt nicht für jeden die Hilfe, die es bräuchte“, sagt Franziska Neckels. Für die Ehrenamtlichen ist das oft schwer zu ertragen.

Erste Anlaufstation bei Malteser-Medizin ist die Sozialberaterin Jeanne-Marie Sindani. Bei ihr erzählen die Menschen ihre Geschichten und weshalb sie ohne Krankenversicherung sind.
Erste Anlaufstation bei Malteser-Medizin ist die Sozialberaterin Jeanne-Marie Sindani. Bei ihr erzählen die Menschen ihre Geschichten und weshalb sie ohne Krankenversicherung sind. (Foto: Catherina Hess)

Die Malteser-Medizin setzt alles daran, die Patienten wieder zurück ins System zu bringen. Wer zum ersten Mal in die Praxis kommt, muss die Sozialberatung bei Jeanne-Marie Sindani aus Fürstenfeldbruck und ihren Kolleginnen besuchen. Dort erzählen die Menschen ihre Geschichte und weshalb sie nicht krankenversichert sind. Die Beraterinnen klären ab, wie sie helfen können, vermitteln die Menschen bei Bedarf weiter, etwa an die Integrations- oder Migrationsberatung. „Gesundheit und die soziale Lage hängen zusammen“, sagt Sindani, die auch CSU-Stadträtin ist. Nicht allen ist zu helfen. „Wer schon lange am sozialen Rand lebt, traut sich nicht mehr und hat die Hoffnung verloren“, schildert Sindani ihre Erfahrungen.

Immer wieder erleben die Ärzte „kleine Sternstunden“ in der Praxis, sagt Kurt Rack. Er erinnert sich an eine Patientin, die mit schweren Magen-Darm-Beschwerden kam, die sie schon viele Jahre plagten. Eine einzige Antibiotika-Behandlung genügte, um sie zu heilen. Die meisten seien sehr dankbar für die Hilfe. Und manche kommen auch noch mal vorbei, nur um bei Jeanne-Marie Sindani ein paar Cent in den Spendenbecher der Malteser auf ihrem Schreibtisch zu werfen.

So können Sie an SZ Gute Werke spendenWer helfen will, wird um ein Geldgeschenk gebeten, Sachspenden können leider nicht entgegengenommen werden. Bareinzahlungen sind im SZ Servicepunkt, im Kaufhaus Ludwig Beck, Eingang Dienerstraße, 1.OG., Marienplatz 11, in München möglich. Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 10 bis 18 Uhr. Banküberweisung an:

SZ Gute Werke e.V. HypoVereinsbank IBAN: DE04 7002 0270 0000 0822 28 BIC: HYVEDEMMXXX Sicher online spenden können Leserinnen und Leser im Internet unter www.sz-gute-werke.de.

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