Man muss offenbar nur intensiver miteinander reden: Noch im Herbst vergangenen Jahres hatte der Planegger Gemeinderat in einer spektakulären Sitzung den Bauantrag der Max-Planck-Gesellschaft für ein gigantisches Rechenzentrum – eines der größten europaweit – auf dem Campus abgelehnt. Man fürchtete unter anderem einen unkontrollierbaren, umweltschädlichen Energieverbrauch der Anlage und sah zahlreiche Überschreitungen des geltenden Bebauungsplans. Jetzt hat der Gemeinderat die modifizierte Anlage genehmigt – sehr zur Freude der Verantwortlichen in Martinsried.
Das Computerzentrum – auch Data Center genannt – ist nämlich unabdingbare Voraussetzung für den Neubau sämtlicher Max-Planck-Institute auf dem Gelände im Süden des Campus. 500 Millionen Euro hat der Freistaat für den Neubau der weltberühmten Institute zur Verfügung gestellt. Der erste Schritt ist das Data Center, das bis 2027 fertiggestellt sein könnte. Die gesamte Neugestaltung soll bis 2036 oder 2037 abgeschlossen sein, eine erste Ausbaustufe bereits 2029.
Die Ablehnung des Riesen-Projekts im Herbst des vergangenen Jahres hatte Furore gemacht. Bei der Max-Planck-Gesellschaft zeigte man sich verwundert über die Heftigkeit. Mit der im Gemeinderat debattiert worden war, habe man doch mit Vertretern der Gemeinde intensive Vorgespräche geführt, hieß es.
Doch im Gemeinderat kam alles anders. Der 228 Seiten lange, ausführlichst begründete und beschriebene Bauantrag wurde rüde abgeschmettert. Die Kommune fühlte sich in den entscheidenden Fragen – etwa der Energieversorgung – schlicht übergangen. Sogar der Bürgermeister war zornig: „Man weiß eigentlich gar nicht, was hier einmal alles geplant ist“, sagte Hermann Nafziger (CSU), zumal etliche Vorgaben des Bebauungsplans nicht eingehalten wurden.
Das hat die Max-Planck-Gesellschaft jetzt geändert. Architekt und Projektleiter Christoph Nagel-Hirschauer stellte die neuen Pläne vor. Die wesentlichste Änderung ist ein Wechsel des Standorts um einige Hundert Meter. Ursprünglich sollte das Data Center auf der Fläche der ehemaligen Gewächshäuser der Institute gebaut werden. Das hätte eine Berührung des bestehenden Grüngürtels bedeutet.

SZ Good News:Gute Nachrichten aus München – jetzt auf Whatsapp abonnieren
Mehr positive Neuigkeiten im Alltag: Die Süddeutsche Zeitung verbreitet jeden Tag auf Whatsapp ausschließlich schöne und heitere Nachrichten aus München und der Region. So können Sie ihn abonnieren.
Nun hat man einen neuen Platz gefunden: das derzeitige Parkdeck der Institute. Für die Mitarbeiter blieben genügend Parkplätze erhalten, sagte der Planer. Überhaupt solle die gesamte Parksituation in Zusammenarbeit mit der Gemeinde überarbeitet werden.
Ganz in der Nähe befänden sich die Parkplätze für das Innovations- und Gründerzentrum mit seinen rund 55 Start-ups aus der Biotech-Branche. Die neuen Pläne bedeuteten weniger Bodenversiegelung, sogar neue Grünflächen könnten so entstehen, sagt der Architekt. Er spricht von „grüner Architektur“: Aus Richtung Würmtalstraße kommend werde das Data Center kaum zu erkennen sein. Zusätzlich solle das gesamte Haus von einer Grünfassade ab dem ersten Stockwerk umschlossen werden – dies verringert auch die vom Gemeinderat gefürchtete Aufheizung des Baukörpers, filtert Feinstaub und bietet Lebensraum für Vögel und Insekten.
Doch ganz entscheidend ist natürlich das Innere des Computerzentrums. „Die moderne Forschung arbeitet mit riesigen Datenmengen, sodass starke Computer und viel Rechenleistung in fast allen wissenschaftlichen Disziplinen unverzichtbar sind“, heißt es dazu in der Begründung des Bauantrags.
Die Abwärme kommt auch Nutzern außerhalb des Campus zugute
Bei den Martinsrieder Instituten seien komplexe Datenanalysen und Simulationen an der Tagesordnung, etwa bei der Analyse genetischer Sequenzen und molekularer Strukturen, der Auswertung hochauflösender Bilddaten oder der Simulation biologischer Prozesse: „Ein gemeinsames Rechenzentrum für alle Forschungsinstitute der Max-Planck-Gesellschaft schafft eine optimale Infrastruktur und bietet viele Vorteile: Als Erweiterung und Absicherung bestehender Rechenkapazitäten am Campus Garching wird es Berechnungen beschleunigen, die Zusammenarbeit verbessern und datenintensive Analysen auf höchstem Niveau ermöglichen.“
Für die Planer des neuen Campus ist das Rechenzentrum „nachhaltig, zukunftsweisend und effizient“. Nicht nur die digitale Infrastruktur der Max-Planck-Gesellschaft werde gestärkt, „sondern auch die des Campus“. Einer der wichtigsten Streitpunkte mit der Gemeinde wurde geklärt: das Thema Abwärme. Sie wird genutzt für die Beheizung des neuen Campus sowie die Abgabe der Wärme an Dritte – auch außerhalb des Campus. Der Strom für den Betrieb des Data Centers kommt übrigens aus zertifizierten CO₂-neutralen Quellen, also aus Ökostrom.

