„Wir haben einen Campus von Weltruf und konkurrieren mit der ganzen Welt“, sagte Fritz Haugg (FDP) im Bauausschuss des Planegger Gemeinderats. Der gab jetzt doch sein Plazet zum geplanten Bau eines Super-Computers auf dem Campus in Martinsried, mit dem alle etwa 80 deutschen Max-Planck-Institute vernetzt werden sollen. Gegen das sogenannte Data Center mit einer Endausbauleistung von 20 Megawatt stimmte am Ende nur Angelika Lawo (Grüne Gruppe 21). Sie will erst noch einige Umweltgutachten abwarten. Neben der Max-Planck-Gesellschaft investiert der Freistaat Bayern rund 500 Millionen Euro in den Neubau der Max-Planck-Institute, hinzu kommt das Data Center als davon unabhängiges Projekt der Gesellschaft mit eigener Finanzierung.
Das Rechenzentrum ist das digitale Herz der Wissenschaftsinstitute, hier laufen alle Daten zusammen. Das Datenvolumen nimmt ständig zu, die Schnelligkeit, mit der es verarbeitet werden kann, ist das entscheidende Kriterium für die Potenz eines Standortes. Martinsried soll zu einem weltweit führenden wissenschaftlichen Standort werden und ist auf dem besten Weg dorthin.
Die Absicht, in den nächsten 15 Jahren sämtliche Max-Planck-Institute in Martinsried neu zu bauen, hängt eng mit dem Bau des Data Centers zusammen, ist aber ein eigenes Projekt. Bei der Vorstellung der Pläne der Max-Planck-Gesellschaft in den beiden vergangenen Jahren hatte es heftigen Widerstand aus den Reihen des Planegger Gemeinderats gegeben. Kritisiert wurde unter anderem der enorme Energiebedarf des Data Centers und die damit verbundene Abwärme. Der Gemeinderat lehnte es deshalb zunächst ab.
Mittlerweile, erklärte Planeggs Bürgermeister Hermann Nafziger (CSU), seien die Pläne modifiziert und vor allem mit Blick auf Umweltstandards angepasst. Stephanie Meyer von der Gemeindeverwaltung sprach von „deutlich weniger versiegelter Fläche und mehr Grün: Wir wissen nun genau, was kommt.“ Allerdings fehlen noch zwei Umweltgutachten, sie sollen nachgereicht werden.
Der Strombedarf entspricht dem Zehnfachen aller Planegger Haushalte
Das Data Center wird anstelle des Parkdecks der Institute gebaut, die Außenfassade wird ab dem ersten Obergeschoss begrünt, überhaupt sei die „Ökobilanz des Bebauungsplans ein großer Schritt“, sagte Mayer. Das ganz große Thema war auch bei dieser Aussprache wieder die Energiebilanz des Rechenzentrums. Jürgen Peters (Grüne), selbst Wissenschaftler, hatte versucht, einige wichtige Details in Bilder zu fassen. So werde der Computer „zehnmal so viel Strom verbrauchen wie alle Planegger Haushalte zusammen“. Dazu wären zwölf Windräder notwendig, die aber weit und breit nicht zu erkennen sind – und auch in den nächsten Jahren in der Region nicht gebaut werden sollen. Die MPG müsse darlegen, „woher der Strom kommt“, sagte Peters.
Vonseiten des Architekturbüros Goergens Miklautz Partner und des Anwalts Florian Seebauer wurde versichert, dass der Strom auf jeden Fall klimaneutral erzeugt werden wird, es soll dazu eine europaweite Ausschreibung geben. Da das neue Rechenzentrum als Erweiterung und Absicherung bestehender Rechenkapazität am Campus Garching dienen wird, soll der Stromverbrauch laut einem Wunsch aus dem Gemeinderat nicht der Gemeinde Planegg zugerechnet werden. In der Baubeschreibung heißt es, die „nachhaltige, leistungsstarke Infrastruktur in Martinsried“ werde die „wissenschaftliche Exzellenz vor Ort weiter stärken“.
Lawo , Peters und Felix Kempf von der SPD betonten ihre Bedenken wegen der zu erwartenden Wärmeentwicklung des Data Centers und fanden dafür starke Worte. Kempf sprach in diesem Zusammenhang von einem „sehr komplexen Heizstrahler“. Lawo formulierte es so: „Wir wollen kein Stadtklima in Planegg“. Sprecher des Planungsbüros wiesen dies zurück.
Gegen die Stimme von Lawo wurde der Bebauungsplanentwurf angenommen. Im nächsten Schritt wird eine Beteiligung der Öffentlichkeit vorbereitet und das Schriftwerk ausgelegt. Die MPG plant einen Baubeginn im Jahr 2027, eine erste Ausbaustufe mit 6,1 Megawatt Leistung bis 2029. 2036/37 sollen 20 Megawatt zur Verfügung stehen, bis dahin werden voraussichtlich auch die neuen Institute auf dem Campus in Bau sein.
Dieser Beitrag wurde aktualisiert und in einigen Punkten korrigiert. In einer ersten Fassung war irrtümlich berichtet worden, der Freistaat decke mit 500 Millionen Euro auch den Bau des Rechenzentrums ab; tatsächlich umfasst die Sonderfinanzierung ausschließlich den Neubau der beiden Max-Planck-Institute am Campus Martinsried, das Data Center wird als unabhängiges Projekt der Max-Planck-Gesellschaft eigens finanziert. Das Rechenzentrum wird auch nicht auf dem Dach des Parkdecks errichtet, wie fälschlich berichtet, sondern dieses wird für den Bau abgerissen. Ungenau war die Darstellung der geplanten Begrünung: Es werden nicht drei Stockwerke begrünt, sondern die Außenfassade ab dem ersten Obergeschoss. Anders als behauptet, ist auch nicht geklärt, ob der Stromverbrauch des Rechenzentrums der Gemeinde Planegg zugerechnet wird. Schließlich waren Name und Funktion einer zitierten Rathausmitarbeiterin falsch: Gemeint war Stephanie Meyer von der Stabsstelle für Bauleitplanung im Bürgermeisteramt der Gemeinde Planegg.

