Campus MartinsriedNiemand hat die Absicht, eine Sondermüll-Deponie zu errichten

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Auf einem Grundstück des Freistaates in Martinsried wird Bauschutt gelagert, der beim U-Bahnbau anfällt. Ob die Fläche danach weiterhin so genutzt wird, ist umstritten.
Auf einem Grundstück des Freistaates in Martinsried wird Bauschutt gelagert, der beim U-Bahnbau anfällt. Ob die Fläche danach weiterhin so genutzt wird, ist umstritten. (Foto: Catherina Hess)
  • Im Planegger Gemeinderat sorgt die Idee einer 35.000 Quadratmeter großen Sondermüll-Fläche auf dem Campus Martinsried für hitzige Diskussionen.
  • Die U-Bahn-Projektmanagement-Gesellschaft könnte durch Weiterverpachtung statt Rückbau eine halbe Million Euro sparen, hat aber bisher keine Interessenten gefunden.
  • Gemeinderäte kritisieren mangelnde Information und Transparenz, eine Mehrheit will den Rückbau der bisherigen Sondermüllfläche.
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Eine Andeutung von Planeggs Rathaus-Geschäftsführer Stefan Schaudig hat für viel Aufregung gesorgt. Im Werkausschuss des Gemeinderats ist man jetzt um Schadensbegrenzung bemüht.

Von Rainer Rutz, Planegg

Ein „Märchen“ oder eine echte Bedrohung für Martinsried? In diesem Spannungsfeld bewegte sich am Montagabend die Debatte im Planegger Gemeinderat um die Frage, ob es auf dem Campus nach der Auflassung des Bauschuttlagers für den U-Bahnbau weiterhin eine 35 000 Quadratmeter große Fläche für Sondermüll geben wird oder nicht. Planeggs Rathaus-Geschäftsführer Stefan Schaudig hatte dies in einem Interview angedeutet und damit heftige Reaktionen im Gemeinderat und der Bevölkerung ausgelöst.

Im Werkausschuss prallten die Interpretationen jetzt aufeinander. „Ein Märchen“ nannte der Geschäftsführer der U-Bahn-Projektmanagement-Gesellschaft (PMG) Dimitri Steinke die Berichterstattung. Für einen der Beschwerdeführer, Gemeinderat Philipp Pollems (Pro Planegg und Martinsried) dagegen, haben die Gemeinde, Bürgermeister Hermann Nafziger (CSU) und sein Geschäftsführer Stefan Schaudig „total versagt, ein Armutszeugnis für Transparenz und Informationspflicht“. Schaudig, der die ganze Aufregung ausgelöst hatte, sagte an dem Abend kein einziges Wort, hatte sich aber schon zuvor insofern entschuldigt, als er zugab, die Brisanz falsch eingeschätzt zu haben.

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Schadensbegrenzung war wohl das Motto von Nafziger und Steinke. Steinke betonte mehrfach, die PMG habe ganz allein das „juristische Recht“, allein über das weitere Schicksal der bisherigen Sondermüllfläche zu entscheiden. Durch eine Weiterverpachtung statt eines Rückbaus – wie eigentlich wohl vertraglich vereinbart – könne man eine halbe Million Euro sparen. Die bereits abgeschlossene Ausschreibung habe aber „bisher keinen Interessenten“ gebracht.

Steinke betonte, eine Weitervermietung für einige Jahre würde „natürlich bedeuten, dass alle Genehmigungsverfahren wieder anlaufen müssten“. Eine vorherige „Markterkundung“ durch die PMG sei normal: „Bis dahin gab es keinen Grund, irgendjemanden im Gemeinderat zu informieren.“ Nicht anders der Bürgermeister. Nafziger, der an dem betreffenden Abend nicht anwesend war und die Sitzung seiner Vertreterin Judith Grimme (Grüne) überlassen hatte, bedauerte zwar, dass diese völlig ohne Kenntnis der Sachlage war. „Sie haben sie vollkommen ins Messer laufen lassen“, sagte Jürgen Peters (Grüne) dagegen. Nafziger gab sich überrascht von der Aufregung: „Ich habe den Sachverhalt vorsorglich dann den Aufsichtsbehörden zur Prüfung übergeben.“ Man habe dort keinerlei Verstoß erkannt und das Vorgehen von Schaudig und der PMG als korrekt angesehen. Nafziger: „Und das alles ist ja so schnell gegangen.“

Bis jetzt ist kein Interessent für das riesige Gelände gefunden worden

Nahezu alle Redner aus dem Gemeinderat hatten jedoch eine andere Sichtweise. Pollems will „sämtliche Unterlagen im Original sehen“. Jürgen Peters sagte, vor Jahren habe der Gemeinderat zugestimmt, die Sondermüllanlage später zurückzubauen: „Da wäre es wohl ganz natürlich gewesen, den Gemeinderat vorher zu informieren.“ Selbst aus der CSU kam Kritik. Für Giovanni Sammataro ist es „wohl selbstverständlich, dass wir informiert werden. Planegg ist schließlich unsere Heimat.“ Der „Sturm im Wasserglas“ hätte verhindert werden können, „wenn man mit uns geredet hätte“, sagte Fritz Haugg (FDP).

Wie geht es nun weiter? Das Thema wird mit Sicherheit noch einmal im Gemeinderat auftauchen. Da bis jetzt aber laut Steinke noch keine Interessenten für das riesige Gelände gefunden worden sind und auch davon auszugehen ist, dass eine Mehrheit der Gemeinderäte einen Rückbau will, wird eine Sondermülldeponie Martinsried und dem Campus wohl erspart bleiben.

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