Altlasten:Lohnende Investition ins Naturerbe

Mallertshofer Holz mit Heiden

Schön anzuschauen, aber unter dem Gras schlummern Altlasten: das Mallertshofer Holz mit Heiden zwischen Garching und Unterschleißheim.

(Foto: Florian Peljak)

Die Stadt Garching lässt die mit Schwermetallen belasteten Böden im Mallertshofer Holz abtragen und Senken verfüllen. So gewinnt sie wertvolle Ausgleichsflächen.

Von Irmengard Gnau

Seit 1995 ist das etwa 600 Hektar große Mallertshofer Holz mit den Heiden zwischen Garching und Unterschleißheim Naturschutzgebiet. Ein Teil davon, gut 90 Hektar des Mallertshofer Holzes, ist auch "Nationales Naturerbe".

Die Stadt Garching schickt sich jetzt an, die Fläche für knapp 1,4 Millionen Euro naturschutzfachlich aufzuwerten, indem sie in dem Gebiet belastete Böden abträgt und stattdessen Rasen und Grünland ansät. Dafür hat sich der Stadtrat ausgesprochen. Damit erfüllt die Stadt die Bedingungen des Bundesprogramms "Nationales Naturerbe", das die einst militärisch genutzte Fläche der Kommune überlassen hat, damit diese sie dem Naturschutz zuführt.

Unter dem Mallertshofer Holz schlummern im Boden zwei Arten von Altlasten. Im östlichen Gebiet sind die Böden teils mit Schwermetallen belastet, die vermutlich daher stammen, dass diese Flächen jahrzehntelang mit Klärschlamm gedüngt wurden. Im Westen des Naturerbe-Areals befanden sich mehrere Kiesgruben; nach Abbauende wurden die Gruben bis Ende der 1970er-Jahre mit verschiedenem, auch belasteten Schuttmaterial verfüllt. Über den Gruben hat sich die Erde inzwischen zum Teil abgesenkt.

Ganz uneigennützig ist das Projekt nicht

Diese Senken sollen nun mit Erdreich aus dem östlichen Teil des Gebiets verfüllt werden - stärker belasteter Boden wird also mit nur schwach belastetem überdeckt und so aufgewertet. Nach der Aussaat sollen dort einmal Schafe weiden. Ganz uneigennützig ist das Projekt nicht. Garching zahlt durch die Aufwertung der Fläche auf sein eigenes Ökokonto ein.

Denn ist das Mallertshofer Holz erst entsprechend ökologisch aufbereitet, darf die Stadt das ganze 90 Hektar messende Gebiet als neue Ausgleichsflächen für sich in Anspruch nehmen. Angesicht des Baubooms in der Region sind Ausgleichsflächen eine überaus wertvolle Währung. Garching selbst plant in der nahen Zukunft mehrere große Bauprojekte, allen voran das neue Wohnviertel "Kommunikationszone", das allein 30 Hektar groß werden soll.

Die Stadt will laut Bürgermeister Dietmar Gruchmann (SPD) Bauwerber künftig noch stärker in die Pflicht nehmen, auf die Garchinger Ausgleichsflächen zurückzugreifen. Auf diese Weise will die Kommune sicherstellen, dass die Garchinger Bürger auch etwas von den naturnah hergerichteten Ausgleichsflächen haben.

© SZ vom 07.08.2021/wkr
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