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Malerei:Himmelsbilder für die Mensa

Anja Verbeek von Loewis arbeitet an einem Fries, der künftig das Pater-Rupert-Mayer Schulzentrum in Pullach zieren soll. Teile davon sind bis Sonntag in einer Ausstellung in den Domagk-Ateliers zu sehen

Ein leeres Blatt Papier, beschienen von Lampen und übertragen auf eine Leinwand. Vor dieser auf den Stühlen haben sich einige Besucher der Ausstellung "Tia Muc Klima" in Halle 50 der Domagkateliers niedergelassen. Gemeinsam mit der Künstlerin Anja Verbeek von Loewis erleben sie eine Art Evolution, zuerst rückwärts und dann vorwärts, während ihrer Momentmalerei-Performance mit dem Titel "Cycle of life". Pflanzen und Menschen erstehen, live gemalt von der Künstlerin.

"Dinge, die man träumt": Anja Verbeek von Loewis vor einem der Bilder für das Pullacher Schulzentrum.

(Foto: Moses Omeogo)

Ihr Pinsel zaubert Bilder, die an Höhlenmalerei erinnern, Urmenschen, die Verbeek von Loewis "Innenbildfiguren" nennt, die ebenso wie ihre Umgebung dann wieder von flüssiger Farbe zerstört werden. Zum Schluss aber bleibt es nicht schwarz, sondern wird wieder rot, gelb, voller Sonne und schließlich neuer grüner Pflanzen. Dazu spielt an diesem Abend ihr Sohn Frederick, 13, am Keyboard bedrohliche bis hoffnungsfrohe Klänge.

Anja Verbeek von Loewis ist eine der fünf Künstlerinnen und Künstler, die "Tia Muc Klima", veranstaltet von den Domagkateliers, gestalten. Sie zeigt neben ihrer Momentmalerei auch die ersten Teile eines Frieses, das im kommenden Jahr im 2017 fertig gewordenen Neubau des Pater-Rupert-Mayer-Schulzentrums in Pullach den Gang zur Mensa zieren wird und den Titel "Himmelsbilder - Weltennetz" trägt. Es wird 18 Meter lang werden, 6,6 Meter sind bereits fertig und können von den Besuchern der Ausstellungseröffnung am Freitagabend in Verbeek von Loewis' Raum in den Domagkateliers besichtigt werden. In Halle 50, dem Ausstellungsraum, hat sie ebenfalls einen Teil ausgestellt. Diesem hat sie speziell für die noch bis zum 27. Oktober laufende Ausstellung den Namen "Das letzte Fenster" gegeben.

Ihre Performances bezeichnet Anja Verbeek von Loewis als Momentmalerei.

(Foto: Moses Omeogo)

Anja Verbeek von Loewis malt mit Farben, die sie selbst aus Naturmaterialien herstellt, aus Erden, Pflanzen, Rost und anderen Materialien, die sie gesammelt hat, unter anderem auf ihren Reisen. "Diese haben dann die besondere Energie des Fundortes", sagt sie. Gebunden sind diese Farben auf dem Fries mit Bienenwachs. "Danach wird es anfangs in dem Gang zur Mensa noch duften", sagt die Malerin. Und was ist auf dem Fries zu sehen? Himmel, Wolken, Undefinierbares. "Dinge, die man träumt", sagt die Künstlerin. Die Realität sei so viel vielschichtiger als "das Runterreduzierte, Glatte der digitalen Welt". So sei in dem Fries "vieles versteckt, das man vielleicht erst sieht, wenn man das fünfte Mal daran vorbeigeht".

Anja Verbeek von Loewis schafft flüchtige Gemälde, die sie wieder verwischt.

(Foto: Moses Omeogo)

Während der Projektwoche im nächsten Juni im Pater-Rupert-Mayer-Schulzentrum, wenn das Fries endgültig dort angekommen ist, werde sie "die Kinder dann einweihen in das Sammeln der Naturmaterialien", sagt sie. Auch die Momentmalerei wird wieder stattfinden. Die Künstlerin wird zudem Workshops für die Schülerinnen und Schüler anbieten, um sie für die künstlerische Gestaltung ihrer Umgebung zu sensibilisieren und zu eigener Kreativität anzuregen.

Nach dem Gang zur Mensa werden dann auch noch die beiden Mensasäle sowie die Empfangshalle der Schule von Antje Verbeek von Loewis, einer erfahrenen Schöpferin von Kunst am Bau, gestaltet. Alles soll bis 2023 fertig sein, so der Auftrag der Erzdiözese München und Freising, die das Schulzentrum in Pullach betreibt.

Die 1964 in Bonn geborene Verbeek von Loewis studierte als Meisterschülerin Freie Malerei an der Akademie der Bildenden Künste in München, zudem Europäische und Orientalische Kunstgeschichte sowie Schauspiel in Bonn. Ihre Werke waren unter anderem in Italien, Deutschland, Österreich, Schweiz, Russland, Türkei, Japan und Kanada ausgestellt. Raumbezogene Projekte hat sie für zahlreiche Firmen realisiert wie Siemens, Lufthansa und die LBS. 2015 entwickelte sie die Momentmalerei-Performance mit Musik und Tanz. 2016 war sie für den Münchner Kunstpreis 2:1 nominiert.

In der Ausstellung "Tia Muc Klima" an der Margarete-Schütte-Lihotzky-Straße 30 in München zeigen deutsche und albanische Künstler ihre Werke, neben Anja Verbeek von Loewis haben auch Judith Grassl, Alketa Ramaj, Dritan Hyska und Donika Çina Kunstwerke zum Thema Klimawandel geschaffen. Die Ausstellung ist noch bis Sonntag, 27. Oktober, zu sehen. Geöffnet ist sie bis Freitag täglich von 17 bis 20 Uhr, am Samstag und Sonntag jeweils von 13 bis 20 Uhr.

© SZ vom 22.10.2019
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