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Nahverkehr:Schwebebahn macht der U-Bahn Konkurrenz

Magnetschwebebahn

Die Magnetschwebebahn der Firma Max Bögl auf einer Simulation des Herstellers.

(Foto: Firmengruppe Max Bögl)

Eine vom Hersteller finanzierte Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die Technik auf der Trasse nach Ottobrunn viele Vorteile gegenüber einer Verlängerung der U 5 hätte. Kritiker im Kreistag bezeichnen das als "Schrott".

Von Martin Mühlfenzl

Es klingt wie eine kühne Vision: Am U-Bahnhof Neuperlach-Süd steigt der Fahrgast in die futuristische Magnetschwebebahn des Herstellers Max Bögl ein und rauscht mit bis zu 150 Stundenkilometern über Ottobrunn bis in den Ludwig-Bölkow-Campus zur größten Fakultät für Luft- und Raumfahrt Europas. Geht es nach dem Planungsbüro Ernst Basler und Partner (EBP) aus Zürich könnte dieser Zukunftstraum nicht nur im südöstlichen Landkreis realisiert werden, sondern auch im Norden von Garching-Hochbrück nach Unterschleißheim sowie als Nordosttangente von Unterschleißheim über Garching, Unterföhring bis nach Riem und Haar - auch wenn hier der Nutzen die Kosten nicht überwiegt, anders als bei allen drei Ottobrunner Varianten. Die Ergebnisse der Studie von EBP wurden dem Mobilitätsausschuss des Kreistags am Dienstag vorgestellt - und riefen alles andere als begeisterte Reaktionen hervor.

Es war Ottobrunns Bürgermeister Thomas Loderer (CSU), der den Reigen der teils heftigen Kritik eröffnete und sich dabei vor allem auf die Pläne für eine Magnetschwebebahn durch seine Kommune bezog. Die Erhebung habe "null Plausibilität", das Nutzen-Kosten-Verhältnis gehe "gegen unter Null", es würden Zahlen präsentiert, die "vollkommen unrealistisch sind", sagte Loderer. "Genauer gesagt: Sie ist Schrott." Er widersprach damit den einführenden Worten von Landrat Christoph Göbel (CSU), der von einer "Vision" und einem möglicherweise "wichtigen Baustein" bei der Mobilität sprach. "Unsere eigentliche Vision ist die U-Bahn", sagte Loderer mit Blick auf die weit gediehenen Pläne für die Verlängerung der U 5 von Neuperlach-Süd über Neubiberg und Ottobrunn bis in den Ludwig-Bölkow-Campus. "Mit dieser Untersuchung streuen wir beim U-Bahnbau nur Sand ins Getriebe."

Dass sich der Landkreis München mit dem Einsatz von Magnetschwebebahnen beschäftigt, geht auf einen drei Jahre alten Antrag der Freien Wähler im Kreistag zurück, die zumindest die grundsätzliche Sinnhaftigkeit der Technologie geprüft haben wollten. Das Büro EBP beschäftigte sich daher mit insgesamt 14 Trassen, das Untersuchungsgebiet erstreckte sich über Randbereiche der Landeshauptstadt bis in den Landkreis München und die Nachbarlandkreise Dachau und Freising. Übrig blieben vier Streckenführungen. Finanziert wurde die Studie von der Firma Max Bögl, die mit ihrem Transportsystem Bögl (TBS) als Vorreiter bei Magnetschwebebahnen gilt. Dass die Firma selbst die Studie finanziert hatte, wurde im Ausschuss kritisiert.

Regelrechtes Misstrauen aber riefen vor allem die Daten hervor, die von den Planern für die Trasse ermittelt wurden, die als Alternative zur Verlängerung der U 5 im Raum steht. "Das System Bögl hat sicher seine Vorteile", sagte SPD-Fraktionssprecher Florian Schardt, es könne kleinere Radien fahren als eine U-Bahn oder auch größere Steigungen überwinden. Dann kam das große Aber. Schardt verwies auf die letzte Machbarkeitsstudie zur U-Bahn-Verlängerung, die der - auch von Bürgermeister Loderer - favorisierten Streckenführung "Ost" unter der Gemeinde Ottobrunn etwa 20 000 Fahrgäste am Tag prognostiziert. EBP sagt einer Magnetschwebebahn auf dieser Trasse etwa 4000 Pendler mehr voraus. "Wie kommen sie auf 24 000 Fahrten am Tag, wenn es bei der U-Bahn 20 000 sind und die mit größeren Gefäßen unterwegs ist", fragte der SPD-Chef. Eine Antwort blieb Planer Frank Bruns schuldig. Schardt ergänzte, es fehle an Vergleichbarkeit der Daten, und sprach hinsichtlich der Studie ebenfalls von "Schrott".

Diese betreffe auch den Nutzen-Kosten-Faktor, sagte Schardt. Dieser liege bei keiner der drei Varianten für eine U-Bahn-Verlängerung beim Wert eins oder darüber, der notwendig ist, um die Förderfähigkeit durch den Bund zu erhalten; das Büro EBP komme aber auf Werte, die exakt bei eins oder darüber liegen. "Wie kann das sein?"

Landrat Göbel zeigte sich irritiert angesichts der Kritik und entgegnete, er wolle gerade mit einer weiterführenden, vertiefenden Studie, wie im Beschlussvorschlag auch ausgeführt, die Vergleichbarkeit der unterschiedlichen Systeme herstellen. Er fürchte auch nicht, dass durch eine weitergehende Untersuchung der Magnetschwebebahn das Projekt U-Bahn-Verlängerung gefährdet werden könne. Vielmehr hielt er den Kritikern entgegen, er glaube, sie hätten Angst, dass eine weitere Untersuchung ergeben könne, dass die Magnetschwebebahn tatsächlich das bessere und auch kostengünstigere Verkehrsmittel sein könnte.

Tatsächlich sind die momentan vorliegenden Unterschiede vor allem bei den Kosten gewaltig. Das Büro EBP kommt bei seinen Berechnungen auf der Variante "Ost" auf Kosten von etwa 380 Millionen Euro; die U-Bahn würde in diesem Bereich mehr als eine halbe Milliarde Euro kosten.

Letztlich verständigte sich der Ausschuss darauf, dass Landrat Göbel zunächst ein Angebot für eine weiterführende Studie einholen solle. Dann könne noch einmal darüber beraten werden, ob der Landkreis das Thema überhaupt weiterverfolgen soll. Denn auch die Frage nach der Höhe der Kosten für eine zusätzliche Magnetschwebebahn-Studie konnte niemand beantworten. Günter Heyland von den Freien Wählern warb für eine Studie, die auf den bereits "vielversprechenden Ergebnissen" aufbauen solle.

© SZ vom 15.04.2021/hilb
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