Pooltests:Schulklassen warten vergeblich auf Testergebnisse

Lolli-Tests beginnen in allen Grund- und Förderschulen in NRW

Lolli-PCR-Tests sollten den Schulalltag einfacher machen. Das hat nur bedingt funktioniert.

(Foto: Roland Weihrauch/dpa)

Bei der Auswertung der sogenannten Lollitests kommt es nach Angaben von Rektoren im Landkreis München immer wieder zu Problemen. Das Gesundheitsamt spricht von Anlaufschwierigkeiten, Eltern sind genervt.

Von Daniela Bode und Bernhard Lohr

Das Verfahren wird weitgehend als Fortschritt gegenüber den Schnelltests mit Stäbchen gelobt: Doch auch bei den vom Kultusministerium an Grund- und Förderschulen mit Beginn des Schuljahrs neu eingeführten Lolli-Pooltests kommt es immer wieder zu Schwierigkeiten. So berichten Schulleiter, dass die Ergebnisse von Sammelproben oder auch den gegebenenfalls herangezogenen Einzelproben zu spät vorliegen. Die Folge ist massive Verunsicherung: Kinder müssen dann kurzfristig zu Hause bleiben oder Lehrer spontan Schnelltests ansetzen.

Es war ein außergewöhnlicher Start in das neue Schuljahr. Er war verbunden mit großen Hoffnungen, dass die größten Verwerfungen durch die Coronakrise an den Schulen überstanden sein könnten. Und er ging einher mit vielen Neuerungen. Es dauerte nur wenige Tage, da schickte der Bayerische Schulleitungsverband einen Brandbrief an Kultusminister Michael Piazolo (FW), um im Namen vieler Rektoren über eine Flut von Anweisungen zu klagen und eine überstürzte Einführung der neuen Lollitests an Grund- und Förderschulen.

Als die Pooltests dann zum Schulbeginn anliefen, zeigte sich immer wieder, dass es an manchen Stellen hakt. So zum Beispiel an der Erich-Kästner-Schule in Höhenkirchen-Siegertsbrunn. Dort kam es nach Schilderung von Rektor Torsten Bergmühl vergangene Woche zwei Mal vor, dass Schüler einer Klasse zu Hause bleiben mussten, weil Testergebnisse zu spät oder gar nicht abrufbar gewesen sind.

Die ganze Klasse muss daheim bleiben

In einem Fall gab es laut Bergmühl ein positives Ergebnis in einem Pooltest in einer Klasse. Aber anders als vorgesehen, blieb bis zum Morgen des Folgetags das Ergebnis der B-Probe aus. Keiner wusste, welches Kind infektiös ist. Die gesamte Klasse musste sicherheitshalber zu Hause bleiben. Einen ähnlichen Fall hatte es zwei Tage zuvor schon gegeben. "Ich finde die Idee gut, aber die Umsetzung funktioniert nicht", sagt Bergmühl.

Statt wie früher mit Stäbchen nehmen die Kinder mittlerweile mit Lollis Speichelproben auf. Einmal gehen diese in eine Sammelprobe ein. Zugleich wird eine individuell nachvollziehbare B-Probe genommen. Die Proben landen nach Klassen sortiert im Rektorat, wo sie ein Fahrer abholt und zu einem Labor bringt. Sobald dort dann die Poolprobe positiv ausfällt, wird die B-Probe herangezogen, um im Labor festzustellen, welches Kind infektiös ist. Über einen Code verschlüsselt werden dann Bergmühl zufolge die Eltern unterrichtet. Anonymität sei gewahrt, sagt der Rektor. Lediglich das betroffene Kind muss in Quarantäne.

Ein Vorteil des Systems im Vergleich zu den Schnelltests ist, dass jetzt PCR-Tests vorgenommen werden, die Infektionen zuverlässiger und in einem früheren Stadium aufdecken können, bevor Kinder ansteckend sind. Aber es setzt auch darauf, dass die Ergebnisse vor Beginn des nächsten Schultags vorliegen. Und daran hakt es nicht nur in Höhenkirchen wiederholt.

Bergmühl fragte ein Mal bei dem vom Ministerium beauftragten Betreiber der Testkampagne nach und bekam schließlich zur Antwort, dass die B-Probe leider nicht mehr ausgewertet werden könne. Häufiger hat der Rektor erlebt, dass schon das Ergebnis des Pooltests zu spät kommt, woraufhin die Lehrer wieder auf Stäbchen und die weniger aussagekräftigen Antigen-Schnelltests zurückgreifen.

Kritik an den Pooltests gab es von Anfang an. So etwa bemängelten die Schulleiter in ihrem Brandbrief nicht nur, dass diese überhastet eingeführt worden seien und der Organisationsaufwand enorm sei. Ein Kritikpunkt war auch, dass anders als beim Schnelltest Gewissheit erst später mit dem Laborbefund vorliegt, was dazu führen kann, dass Kinder womöglich mit einem infizierten Schulkameraden einen Schultag verbringen, ohne dies zu wissen.

Genau dies ist an der Grundschule Neubiberg vergangene Woche passiert. In einer Klasse hat ein Pooltest ein positives Ergebnis angezeigt, dieses lag aber laut Schulleiterin Susanne Sieben erst gegen 17 Uhr vor. "Damit haben sich die Kinder tagsüber vermutlich gegenseitig angesteckt", sagt sie. Am Ende waren sieben Kinder und zwei Erwachsene infiziert. Die Klasse wurde in Quarantäne geschickt, diese endet an diesem Donnerstag.

Auch in anderen Klassen fielen Pooltests positiv aus. Auf die meisten Ergebnisse der Einzeltests wartet die Schule laut Sieben noch immer. "Die Abholung der Tests klappt gut, aber die Logik hinter den Tests passt nicht", kritisiert sie. Die Schnelltests hingegen hätten super funktioniert. An anderen Schulen klappt das System indes mittlerweile. Antje Radetzky, Rektorin der Grundschule an der Camerloherstraße in Ismaning, berichtet zwar, dass anfangs Ergebnisse der Pooltests öfter nicht rechtzeitig vorlagen. "Inzwischen hat sich das aber eingespielt", sagt sie. Die Einführung sei freilich ein enormer Verwaltungsaufwand gewesen.

Auch einige Eltern sind derweil nicht glücklich mit der neuen Testform. "Die Kinder verlieren einen Tag Schule und man muss die Betreuung organisieren, das ist ein Wahnsinn für berufstätige Eltern", sagt Kathrin Tauber, Elternbeiratsvorsitzende an der Grundschule Neubiberg, deren Kind eine Klasse besucht, in der ein Pooltest positiv ausfiel. Sie musste ihr Kind dann mangels Einzelergebnissen des Schultests selbst freitesten lassen.

Das Gesundheitsamt bestätigt, dass es bei den Pooltests vereinzelt Anlaufprobleme gibt. Es verteidigt jedoch das neue System. Das Verfahren stellt aus Sicht des Amts "infektiologisch eine deutliche Verbesserung gegenüber den Selbsttests dar", heißt es von der Pressestelle des Landratsamts. Die PCR-Tests seien genauer und zuverlässiger. Zudem komme es seltener zu falsch-positiven oder falsch-negativen Ergebnissen.

Zudem verweist die Behörde darauf, dass es bei Problemen genaue Richtlinien gebe, wie zu verfahren sei: Bei Verzögerungen in der Einzelauswertung einer positiven Poolprobe etwa bleibe die Schulklasse zunächst daheim. Sei die Auswertung der Poolprobe nicht möglich, erfolge am nächsten Schultag ein Selbsttest der Kinder in der Schule.

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