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Lokalpolitik:"Der Ton ist mehr als unangenehm"

Ulla Gocke, 51, wurde 2014 für die CSU in den Brunnthaler Gemeinderat gewählt und zog 2020 erneut für die Partei in das Gremium ein. Aus der CSU-Fraktion trat sie jedoch bereits im Mai vergangenen Jahres aus.

(Foto: Claus Schunk)

Ulla Gocke begründet ihren Rückzug aus dem Brunnthaler Gemeinderat mit der schlechten Atmosphäre im Gremium

Interview von Angela Boschert, Brunnthal

Die Brunnthaler Gemeinderätin Ulla Gocke hat ihr Mandat niedergelegt. Im Mai 2020 verließ die heute 51-Jährige bereits die CSU-Fraktion, nachdem sie nicht zur Dritten Bürgermeisterin gewählt worden war. Ihr Fraktionskollege Martin Rottenhuber hatte damals Robert Huber von der Parteifreien Wählergruppe Brunnthal-Hofolding als Gegenkandidaten vorgeschlagen, der dann auch gewählt wurde. Seitdem agierte Gocke in Kooperation mit der Unabhängigen Brunnthaler Wählergruppe und der SPD weiter. Nun zog sie die Reißleine. Über die Gründe sprach sie mit der SZ.

SZ: Frau Gocke, im Mai vergangenen Jahres sind Sie aus der CSU ausgetreten und jetzt legen Sie Ihr Gemeinderatsmandat nieder. Warum beides?

Ulla Gocke: Aus der CSU bin ich ausgetreten, weil das Verhalten von Martin Rottenhuber für mich inakzeptabel war. Da waren und sind bei mir die Grenzen überschritten. Jetzt verlasse ich den Gemeinderat, weil mich Anfang des Jahres gesundheitliche Rückschläge zwangen, mich mehr auf mich zu konzentrieren. Ich habe viel nachgedacht. Schwerwiegender für mich ist aber die Art und Weise, wie das Gremium mit einigen Mitgliedern umgeht. Der Ton ist mehr als unangenehm. Ich will dies nicht mittragen. Wie Don Quijote gegen die Windmühlen der Engstirnigkeit zu kämpfen, war und ist nicht mein Lebensziel.

Wie macht man Kommunalpolitik Ihrer Meinung nach besser?

Das ist eine gute Frage. Ich sehe den Gemeinderat mit seinen 21 Mitgliedern als Gremium, das zusammenwirkt. Wenn Sie sich den als Orchester vorstellen, dann kann das unter guter Leitung, die jeden auf seinem Platz auch wirken lässt, ein gutes Konzert geben.

Passen die Bläser nicht zu den Streichern oder knistert es innerhalb der Stimmgruppen?

Ich finde, jeder kann unterschiedlicher Meinung sein. Das ist normal und sollte respektiert werden. Ich würde mir einfach eine konstruktivere Diskussion wünschen, auch von Bürgermeister Stefan Kern. Mein Gedanke ist das Bild eines Orchesters, das kooperierend zusammenwirkt, um ein stimmiges Ergebnis zu erzielen.

Mit dem Motto "Handeln mit Weitblick: Ideen gemeinsam für unsere Gemeinde und für uns alle umsetzen", sind Sie zur letzten Kommunalwahl angetreten und wurden erneut gewählt. Was haben Sie als Gemeinderatsmitglied seit 2014 bewirkt?

Wir haben einiges erreicht! Nicht ich alleine. Spontan fällt mir ein, dass ich den Bürgerantrag für Bienenweiden intensiv unterstützt habe. Dass die Beleuchtung in Brunnthal recht weit auf LED umgerüstet wurde, gründet sich in meinem Antrag. Und zusammen mit der Frauenunion, deren Vorsitzende ich bis 2020 war, habe ich den Antrag für betreutes Wohnen für Senioren gestellt. Hier will die Gemeinde unter anderem mit der katholischen Kirche ein Projekt verwirklichen.

Sie haben bei den beiden Kommunalwahlen als Frau die meisten Stimmen erhalten. Ihren Platz übernimmt in Peter Sachs ein Mann. Werden Frauenthemen in Brunnthal zukünftig in der zweiten Reihe stehen?

Wenn Sie so wollen, geht eine weibliche Stimme verloren. Aber ich habe mir den Rücktritt gut überlegt. Ich habe viel Stärke aufgebracht, bis ich dann im Gemeinderat war. Ich habe stabil meine Meinung vertreten. Die verbliebenen Frauen werden sich einsetzen, das glaube ich schon. Auch hier wird es vor allem darauf ankommen, ob man dem Klang dieser Stimmgruppe Gehör schenkt.

© SZ vom 12.05.2021
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