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LMU: Bernd Huber:Uni-Präsident kritisiert Seehofers Sparkurs

LMU-Präsident Huber will seine Uni zu einer internationalen Vorzeige-Hochschule ausbauen. Die Landesregierung will sparen. Wie das zusammen geht? Gar nicht, findet Huber - und beklagt sich.

Wenige Wochen vor dem Beginn des Sommersemesters hat der Präsident der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU), Bernd Huber, scharfe Kritik am Sparkurs der Staatsregierung im Hochschulbereich geübt. "Das sind zum Teil bittere Einschnitte", sagte Huber der Süddeutschen Zeitung. Ein besonderer Dorn im Auge ist dem LMU-Präsidenten die zeitlich befristete zehnprozentige Absenkung der Professorengehälter. "Damit liegen wir bei den Professorengehältern deutschlandweit auf dem letzten Platz", klagte Huber.

Bernd Huber, 2009

Weil Professoren nirgends so wenig verdienen wie in Bayern, fürchtet Bernd Huber um die internationale Attraktivität der LMU.

Der LMU-Chef sieht damit auch die internationale Konkurrenzfähigkeit seiner Hochschule in Gefahr. Als Exzellenz-Universität sei die LMU stark daran interessiert, internationale Kapazitäten nach München zu locken. Eine Gehaltsabsenkung ist da kein attraktives Signal. "Psychologisch ist das schwierig", sagte Huber. Die internationale Ausrichtung der LMU ist Huber aber auch bei den Studenten wichtig. Angesichts der schon bald deutlich zurückgehenden Studentenzahlen müsse die LMU für ausländische Bewerber attraktiver werden. "Ich will die LMU als internationale Universität etablieren", sagte Huber.

Das staatliche Spardiktat nervt den LMU-Präsidenten auch deshalb, weil die Staatsquote am Universitätsbudget in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen ist. Betrug der sogenannte Staatshaushalt am Gesamtbudget der LMU im Jahr 2002 noch 73 Prozent, so lag er 2009 nur noch bei 60 Prozent - mit weiter sinkender Tendenz. Denn die LMU ist bei der Einwerbung von Drittmitteln erfolgreich unterwegs.

Angesichts eines Gesamthaushaltes von etwa 485 Millionen Euro (Stand: 2009) haben sich die zum weit größeren Teil vom Bund bezahlten Gelder aus der ersten Exzellenzinitiative für die LMU als Segen erwiesen. Insgesamt hat die Hochschule zwischen 2006 und 2011 über diesen Kanal 180 Millionen Euro kassiert, dazu kommen noch einmal 36 Millionen als Überbrückung, weil die erste Exzellenzinitiative ein Jahr länger läuft als ursprünglich geplant. Auch bei der zweiten Exzellenzinitiative liegt die LMU mit einigen Projekten gut im Rennen. "Das ist für uns eine absolute Top-Priorität", sagte Huber. Die Reputation, die daran hänge, sei enorm, in der internationalen Wissenschaftsgemeinde spiele das "eine Riesenrolle".

Weniger Probleme als anderen Unis bereitet der LMU der doppelte Abiturjahrgang. Die Hochschule hat frühzeitig klargemacht, dass sie zur Aufnahme weiterer Studenten rein räumlich nicht in der Lage ist und damit freiwillig auf staatliche Ausbaumittel verzichtet. "Wir waren da klug beraten", sagte Huber.

Spöttisch kommentierte Huber den Vorschlag von Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU), einen neuen Konzertsaal auf dem Gelände der Tiermediziner am Englischen Garten zu bauen. "War interessant, das zu lesen", sagte er. Die Tiermediziner sollen Zug um Zug nach Oberschleißheim umziehen, doch die freiwerdenden Flächen sind längst für die Physik vorgesehen. Die LMU verfügt nach Hubers Worten über eine der 20 besten Physik-Fakultäten der Welt. "Wenn man die Entwicklungsperspektiven der LMU nicht schädigen will, kann der Konzertsaal da nicht hin", sagte Huber.

© SZ vom 07.04.2011/vsch

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