Literatur Von Süperhelden und Pionierinnen

Die 15. Unterhachinger Lesenacht bietet an verschiedenen Schauplätzen wieder ein breites Spektrum an literarischen Verführungen. Insgesamt sind 13 Autoren zu Gast

Von Udo Watter, Unterhaching

Margarete von Wrangell wurde 1923 zur ersten ordentlichen Professorin an einer deutschen Hochschule ernannt - für Pflanzenernährungslehre. Von ihr ist ein hübscher Satz über ihre Studienanfänge in Tübingen zu Beginn des Jahrhunderts überliefert: "Studenten gibt es hier vierzehnhundert ungefähr und fast alles verstümmelte Korpsburschen mit Hunden. Damen sind wir bis jetzt nur drei, hoffentlich Antiduellantinnen." Ähnlich geistreich und knackig ist das Bonmot von Käthe Ahlmann: "Ob ein Mann mir seinen Platz in der Straßenbahn anbietet, das ist mir egal, er soll mir einen Platz in seinem Aufsichtsrat anbieten." Ahlmann übernimmt 1931 die Stahlhütte von ihrem verstorbenen Mann, baut ein Firmenimperium auf, gründet nach dem Krieg den Verband deutscher Unternehmerinnen und hat Zugang zu hohen Regierungskreisen.

Sie ist eine von 21 Frauen, welche die Autorin Felicitas von Aretin in ihrem 2018 erschienenen Buch "Mit Wagemut und Wissensdurst" porträtiert. Sie schildert die mutigen Lebensentwürfe der ersten berufstätigen Akademikerinnen Anfang des vorigen Jahrhunderts - Pionierinnen der Naturwissenschaften, Frauen in Kultur und Justiz, aber auch Unternehmerinnen, die sich gegen viele Widerstände durchsetzten. Die meisten der beschriebenen Protagonistinnen sind in der Öffentlichkeit eher unbekannt, eine Ausnahme ist die Physikerin Lise Meitner. Bei der 15. Unterhachinger Lesenacht am 4. Mai wird Aretin ihr vielfach gelobtes Buch vorstellen, an einem Ort also, wo man Lise Meitner dank des gleichnamigen Gymnasiums besonders gut kennen dürfte.

Adnan Maral erzählt in "Süperopa" vom Rentner Kenan, der mit Hilfe von Ayran Superkräfte entwickelt.

(Foto: Robert Haas)

Neben ihr werden zwölf weitere Autoren und Autorinnen von 19 Uhr bis Mitternacht an diversen Orten in der Gemeinde versuchen, ihre Zuhörer mit Poesie oder Grusel, mit kriminellen oder romantischen Geschichten in den Bann zu ziehen: von der Gemeindebücherei über das Heimatmuseum und den kleinen Saal im Kubiz bis zur KWA Hauptverwaltung und zur Buchhandlung Helming & Heuser.

Wie immer sind die meisten Protagonisten, welche die Organisatoren um Christine Helming engagiert haben, aus dem Raum München. Zwei der Unterhachinger Gastleser schreiben auch für die SZ: Der renommierte Musikkritiker Wolfgang Schreiber präsentiert seine Biografie über den Ausnahmedirigenten Claudio Abbado und die Journalistin Deniz Aykanat, Tochter eines Türken und einer Deutschen, berichtet in ihrem Buch "Die Isartürkin" von ihrem Leben zwischen Bayern und Bosporus, und den oft schwierigen deutsch-türkischen Beziehungen.

Diesem Thema widmet sich auf seine Art auch Adnan Maral in seinem Buch "Süperopa". Geboren 1968 in Çıldır in der Türkei, lebt Maral seit mehr als 40 Jahren in Deutschland und besitzt bis heute keinen deutschen Pass - im Gegensatz zu seinen drei in Deutschland geborenen Kindern. Er ist vor allem als Schauspieler bekannt ("Türkisch für Anfänger"). In seinem Buch "Süperopa" wird der Protagonist durch genetisch veränderte Viren infiziert und avanciert jedes Mal, wenn er Ayran trinkt, zum fliegenden Superhelden im osmanischen Kostüm.

Josef Wilfling erläutert Finessen polizeilicher Ermittlungsarbeit.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Ganz in der düsteren, aber spannenden Realität verhaftet dürfte der Auftritt von Josef Wilfling werden. Der langjährige Leiter der Münchner Mordkommission und Verhörspezialist lässt in seinem Buch "Geheimnisse der Vernehmungskunst" die Hörer in die Tiefen polizeilicher Ermittlungsarbeit eintauchen. Verbrechen, in der fiktionalisierten Form von Krimis, spielen bei der Lesenacht traditionell eine wichtige Rolle: Der Althistoriker Stefan von der Lahr erzählt in "Hochamt in Neapel" von einer blutigen Verschwörung aus Camorra, Kirche und Kapital. In "Kalter Kaffee" von Harry Kämmerer bringt die Idee, ein Enthüllungsbuch über die Mafia zu schreiben, die Hauptfigur in große Schwierigkeiten. Sabine Kornbichlers "Der letzte Gast" spielt in München - eine junge Dogwalkerin wird zur Zeugin in einem Mordfall und gerät daher ins Visier des Täters.

Die Journalistin und Politologin Stephanie Hayek stellt ihren ersten Roman "Als die Tage ihr Licht verloren" vor. Sie verwebt darin die fiktive Geschichte zweier Schwestern mit der wahren Geschichte eines verhängnisvollen Patienten-Transports im Jahr 1940: ein Roman um Liebe, Neid, Verrat und Ideologie. Natalie Buchholz zeigt in ihrem Debütroman "Der rote Swimmingpool", wie ein Sohn die Selbstzerstörung seiner scheinbar perfekten Vorzeigefamilie erlebt, in der eine Liebe zerbricht und eine neue beginnt. Nach Apulien führt den Leser die Schauspielerin und Journalistin Anika Landsteiner mit ihrem Roman "Mein italienischer Vater".

Felicitas von Aretin porträtiert Frauen, die auf ihre Weise auch Superheldinnen waren.

(Foto: Martin Hangen)

Gleich um die ganze Welt entführt der Historiker Christian Jostmann das Publikum in "Magellan": Es geht um die erste Weltumsegelung des Portugiesen Fernão de Magalhães. Neben der Dramatik der Expedition schildert der Autor die politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Verhältnisse im frühen 16. Jahrhundert. Nicht fehlen darf bei einer Lesenacht der Auftritt von Fridhelm Rensch, der zu später Stunde wieder spannende und absurde Geschichten der Weltliteratur präsentiert.

Christine Helming hofft natürlich auf einen lauen Frühlingsabend, viele Besucher und verspricht diesen: "Sie werden ein tolles Programm erleben."

Die Lesenacht findet statt am Samstag, 4. Mai. Infos sind zu finden unter www.unterhachinger-lesenacht.de. Karten im Vorverkauf gibt es in der Bücherei, im Kubiz und in der Buchhandlung Helming & Heuser oder über www.muenchenticket.de.