Lieferschwierigkeiten:Luftfilter sind Mangelware

Firmen reagieren auf starke Nachfrage mit Preisaufschlägen und längeren Fristen, wie das Beispiel Pullach zeigt

Von Michael Morosow, Pullach

Der Markt für Luftfiltergeräte ist mitten in der Corona-Pandemie nahezu leergefegt, das stellt insbesondere viele Kommunen vor große Probleme. So auch die Gemeinde Pullach, deren Gemeinderat im Juli beschlossen hatte, die Grund- und die Mittelschule mit solchen Geräten auszustatten und dafür 340 000 Euro zu bewilligen. Jetzt zeigt sich, dass die Gemeinde nicht nur mit deutlich späteren Lieferterminen als vereinbart rechnen muss, sondern zudem mit empfindlichen Preisaufschlägen.

In seiner jüngsten Sitzung hat der Gemeinderat darauf reagiert und die Anschaffung der Luftfiltergeräte zu maximal 30 Prozent höheren Preisen genehmigt. Außerdem ermächtigte er Bürgermeisterin Susanna Tausendfreund (Grüne), schnellstmöglich nach Prüfung der im Rahmen einer europaweiten Ausschreibung abgegebenen Angebote das wirtschaftlichste zu beauftragen, ohne noch einmal die Zustimmung des Gemeinderats einholen zu müssen.

In der Gemeinde seien bereits mehrere Angebote eingegangen, die aber noch geprüft werden müssten, sagte Bürgermeisterin Tausendfreund. Und diese Prüfung sei nicht einfach, sondern sehr aufwendig, ergänzte der Leiter der Bautechnik, Peter Kotzur. Grund dafür sei der Umstand, dass neben den unbedenklichen Hepa-Luftreinigungsgeräten laut den Förderkriterien auch andere Technologien für die Ausschreibung zugelassen seien wie Geräte mit UV-, Ionisations- und Plasmatechnologie, deren Prüfung extrem schwierig sei. In der Ausschreibung ist laut Kotzur eine Lieferung der Geräte bis Ende der Weihnachtsferien festgeschrieben. "Nach unserer Marktkenntnis ist nicht davon auszugehen, dass Firmen die Lieferfristen einhalten", sagte Kotzur und berichtete von Erklärungen einiger Anbieter, es fehlten ihnen derzeit nötige Bauteile.

Im Gremium machte sich angesichts der vielen Unwägbarkeiten ein wenig Unmut breit, und sowohl Cornelia Zechmeister (WIP) als auch Andreas Most (Pullach Plus) stellten denn auch die Sinnfrage. Wenn die Geräte erst nächstes Jahr kämen, so Zechmeister, dann sollte man überlegen, ob man nicht besser gleich Lüftungsanlagen anschafft. Wie sie plädierte auch Most dafür, einer Firma den Auftrag wieder zu entziehen, wenn sie die Lieferzeit nicht einhalten kann.

De facto werde man die Geräte erst zu den Sommerferien bekommen, "dann ist Corona vorbei", sagte Most. Johannes Schuster (WIP) wendete dazu ein, es gebe auch andere Viruserkrankungen, die Luftfilter könnten daher Nutzen auch bei einer späteren Lieferung haben. Am Ende wurde der Beschlussvorschlag mit 17 zu einer Stimme angenommen. WIP-Rätin Cornelia Zechmeister blieb mit ihrer Ablehnung allein.

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