In Walter Moers' satirischem Comic "Adolf - Äch bin wieder da!!" von 1998 trifft Hitler unter anderem auf Hermann Göring. Der ist mittlerweile eine Frau, wirft ihm brünstige Blicke zu und denkt: "Der Führer ist immer noch ein schöner Mann." Nun ja.
Hitler als Objekt romantischer Begierde, als erotisches Wesen gar, das ist für die meisten heutigen Menschen eine surreale bis lächerliche Vorstellung, bei Walter Moers ist der Mann aus Braunau natürlich auch eine Witzfigur mit Bärtchen. Dabei war Adolf Hitler vielleicht tatsächlich mal so was wie der Gröfaz - nicht der größte Feldherr, sondern der größte Frauenheld aller Zeiten. Eines jedenfalls steht historisch fest: Der deutsche Diktator hat nicht nur bei seinen öffentlichen Auftritten regelmäßig Teile des weiblichen Publikums zum Rasen gebracht, er hat auch massenweise (weibliche) Fanpost erhalten, die das gewöhnliche Maß an Zuneigung bei weitem überstieg.
Adressiert an "Süßes Adilie", "Wölflein" oder "Lieber Dolfi" haben Tausende von deutschen Frauen Hitler quasi ihr Herz schriftlich zu Füßen gelegt. Circa 8000 solcher Schreiben sind heute bekannt: Von Nationalstolz geprägte Gedichte, freundliche Angebote, dem Führer die Haare zu schneiden - und eine Reihe von mehr oder weniger stürmischen Liebesbriefen. Der Schauspieler, Fotokünstler und Rezitator Stefan Hunstein präsentiert sie am Donnerstag, 12. April, in der Stadtbücherei Garching in der Lesung "Liebesbriefe an Hitler".
Entdeckt wurden diese Zeugnisse der Leidenschaften 1946 von William C. Emker, Offizier der US-Armee, der auf entsprechende Briefumschläge in den verwüsteten Archiven der Berliner Reichskanzlei stieß. Das Spektrum der Sympathiebekundungen ist abwechslungsreich, darunter auch deutliche Angebote: "Lieber Führer Adolf Hitler! Eine Frau aus dem Sachsenland wünscht sich ein Kind von Ihnen", heißt es da. Eine andere schreibt: "Du süßestes herzensbestes Lieb, mein Einziges, mein Allerbester, mein trautest und heißest Geliebtes. Weißt Du, heute könnte ich Dir gar nicht genug Namen geben, heute möchte ich Dich vor lauter Lieb' auffressen. Was würden aber da die anderen sagen?" Die Briefe belegen beispielhaft, wie Einzelne vom Führerkult beeinflusst waren und welche Auswirkungen die bis ins Wahnhafte gesteigerte Gefolgschaft auf ihre psychosoziale Verfasstheit hatte. "Du niedlicher Führer! Komm doch zu mir, ich gebe Dir mit heißem Herzen alles, was Du Dir von einer Frau wünschst...!". Was sich Hitler von deutschen Frauen wünschte, waren bekanntlich viele Kinder, die diese dem Führer schenken sollten, sein Bild vom anderen Geschlecht war konservativ geprägt. Charakteristisch ist sein Satz: "Meine Braut ist Deutschland". Gleichwohl hatte er eine magnetische Anziehung auf so manche Frau, Persönlichkeiten wie Magda Goebbels, Winifred Wagner oder auch die junge englische Aristokratin Unity Mitford verehrten ihn hemmungslos - hier mal abgesehen von seiner Langzeit-Liaison mit Eva Braun und die von vielen Spekulationen umrankte Beziehung mit der Nichte Geli Raubal. Die von Bücherei und VHS-Nord veranstaltete Lesung mit Stefan Hunstein, der Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste ist, beginnt um 19.30 Uhr. Kostenlose Eintrittskarten gibt es an der Infotheke der Stadtbücherei Garching, Bürgerplatz 11 (Telefon 089/32 08 92 11).
Knapp eine Woche später gibt es dort im Rahmen der "Garchinger Gespräche" eine weitere interessante Veranstaltung. Am Mittwoch, 18. April, hält Jürgen Pfeffer, Professor für Computational Social Science and Big Data an der zur TU München gehörenden Hochschule für Politik, den Vortrag "Die Macht der 'Sozialen Medien' - Die Wissenschaft von Online-Freundschaften, Hass-Posts und Shitstorms". Pfeffer geht der Frage nach, inwieweit Twitter, Facebook oder Youtube Wahlen beeinflussen und ob sie eine Gefahr oder eine Chance für die Demokratie sind. In seiner Arbeit erforscht der Wissenschaftler die Einflüsse sozialer Netzwerke auf den Einzelnen und die Stabilität realer Gesellschaften. Auch für diese Veranstaltung kann man kostenlose Karten an der Infotheke der Bücherei reservieren.
