bedeckt München 10°
vgwortpixel

Neubiberg:Lebensmittel teilen - damit sie nicht verderben

Supermarkt in Bremen erlaubt 'Containern'

Damit Lebensmittel nicht in der Tonne landen, gibt es jetzt auch in Neubiberg eine Foodsharing-Initiative.

(Foto: dpa)

Bei Edeka am örtlichen Bahnhof gibt es Regale, an denen Kunden nicht benötigtes Obst, Gemüse und verpackte Ware abgeben oder abholen können.

Dass die Themen Nachhaltigkeit und Umwelt in Neubiberg auf fruchtbaren Boden fallen würden, hätte man ahnen können. Denn die Gemeinde trägt selbst seit einigen Jahren das Fairtrade-Siegel. Zudem wird im Umweltgarten lange schon Groß und Klein das Leben verschiedener heimischer Tiere nahegebracht.

Da passt es ins Bild, dass bereits beim ersten Treffen zur von der Gemeinde angestoßenen Ideenwerkstatt "Neubiberg for Future" im Frühjahr um die 40 Leute zusammenkamen, die sich engagieren wollten. Es gründeten sich die vier Projekt-Gruppen "Einfälle für Abfälle", "SOS Natur", "Wie geht Klimaschutz" und "Tauschen Teilen und Fairtrade". Letztere startet am Montag, passend zur Idee des Teilens am St.-Martins-Tag mit ihrem ersten großen Projekt "Foodsharing".

Konkret wird dann beim Edeka-Markt am Bahnhof ein Regal und ein Kühlschrank neben dem Eingang stehen, in die nicht mehr benötigte Lebensmittel hineingelegt und auch kostenlos abgeholt werden können. Damit dieses Essen nicht weggeworfen wird, ist die Idee, es zu teilen. Das ergibt viel Sinn, landen in Deutschland doch jedes Jahr etwa elf Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll.

"Ich habe mich schon in München bei Gruppen wie Green City für Nachhaltigkeit eingesetzt. Ich habe geschaut, ob es so etwas in Neubiberg auch gibt", sagt Sara D'Odorico, Sprecherin der Gruppe "Tauschen Teilen und Fairtrade". D'Odorico ist vor etwa einem Jahr in die Gemeinde gezogen und war bereits beim Auftakt im Frühjahr dabei. Seitdem gab es einige Treffen der Gruppe. In den vergangenen Monaten haben sie und ihre etwa sechs Mitstreiter sich Gedanken gemacht, wie Lebensmittel geteilt werden können, sich auch von der Initiative "Foodsharing München" beraten lassen. "Das Schwierigste war es, eine Location zu finden", sagt die studierte Biologin.

Sara D'Odorico Foodsharing

Sara D'Odorico ist Sprecherin der Gruppe "Tauschen Teilen und Fairtrade" in Neubiberg.

(Foto: Privat)

Hilfe bekamen sie dann von der Gemeinde, wo Kulturamts-Mitarbeiterin und Fairtrade-Beauftragte Ute Cox und andere Kolleginnen den Gruppen als Ansprechpartner zur Seite stehen. So entstand der Kontakt zum Edeka-Markt. "Es geht vor allem um Obst und Gemüse und original verpackte Lebensmittel", sagt D'Odorico. Wenn jemand die überschüssige Ernte seines Obstbaums teilen möchte oder jemand in den Urlaub fährt und zu viel eingekauft habe, könne er die Waren gerne in besagte Regale beim Supermarkt bringen. Verderbliche Artikel wie Fleisch und Käse und auch Waren mit abgelaufenem Verbrauchsdatum dürfen nicht vorbeigebracht werden. Da Privatleute Essen mit Privatleuten teilen, übernehmen weder die Gruppe noch die Gemeinde eine Haftung.

Auch die anderen Projektgruppen haben bereits konkrete Pläne. Die Aktiven bei "SOS Natur" wollen beispielsweise Wildblumenstreifen im Gemeindegebiet säen. Die Gemeinde unterstützt sie, indem sie ihnen die möglichen Flächen dafür nennt. Die Gruppe "Wie geht Klimaschutz" ist dabei, ein Klimasparbuch zu erstellen. "Von Neubibergern für Neubiberger", wie Cox erläutert. Die Arbeit aller Gruppen ist so organisiert, dass die Ideen und die Motivation von den Leuten selbst kommen und die Gemeinde unterstützt, wo Hilfe gebraucht wird. "Es ist schön, weil es so viele Leute sind, die sich jetzt engagieren wollen, es ist eine gute Dynamik", sagt Cox. Es engagieren sich Neubiberger aller Altersgruppen.

Für das Foodsharing-Projekt hatten D'Odorico und die anderen Mitstreiter bereits im Sommer beim Nachtbiomarkt im Umweltgarten bei einer kleinen Umfrage vorgefühlt, ob Interesse besteht. Wie die 31-Jährige berichtet, seien die Rückmeldungen gut gewesen. So wussten sie, ein Projekt würde sich lohnen. Aber nicht nur das Essen muss organisiert sein. Die Regale mit den zu teilenden Lebensmitteln müssen auch gepflegt werden.

"Es muss jeden Tag jemand vorbei schauen und einmal in der Woche müssen sie gründlich gereinigt werden", sagt D'Odorico. Bis jetzt ist geplant, dass sie und ihre Mitstreiter sich die Arbeit aufteilen. Sie suchen aber weitere Freiwillige dafür. Bei Interesse kann man sich an ute.cox@neubiberg.de wenden. Am besten, sie lassen sich von D'Odorico inspirieren: "Etwas gegen Lebensmittelverschwendung zu tun und die Idee, zu teilen, gefällt mir."

Umwelt und Naturschutz in Bayern Zu schade für die Tonne

Lebensmittel

Zu schade für die Tonne

Lebensmittel, die früher weggeworfen worden wären, landen in einigen Supermärkten inzwischen in Foodsharing-Stationen. Die Unternehmen machen damit sogar Gewinn - aber es gibt auch Kritiker.   Von Sophie Kobel