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Laubholzbockkäfer:Neubiberg, das gallische Dorf?

"Ich werde im Rahmen der Bekämpfung des Asiatischen Laubholzbockkäfers gefällt" steht auf diesen Bäumen in der Neubiberger Kaiserstraße.

(Foto: Claus Schunk)

Gemeinderäte erreichen einen Fäll-Aufschub für eine alte Linde. Lässt sich die rigide EU-Verordnung zum Asiatischen Laubholzbockkäfer womöglich aushebeln?

Möglicherweise wird im Kampf gegen den Asiatischen Laubholzbockkäfer in Neubiberg doch der eine oder andere schützenswerte Baum verschont. Tobias Thalhammer (FDP) hat am Montag im Neubiberger Gemeinderat einen Dringlichkeitsantrag gestellt, dass die Verwaltung die Fällung nicht befallener Bäume aussetzt, bis wissenschaftlich bewiesen ist, dass "dieser flächendeckende Kahlschlag eine wirksame Maßnahme zur Ausrottung des Schädlings ist".

Gemeinderäte erreichen Zugeständnis der LfL

Der Antrag wurde zwar mit elf gegen zehn Stimmen knapp abgelehnt. Doch sechs Gemeinderäte aus allen Fraktionen nahmen die Sache selbst in die Hand und trafen sich am Dienstagmorgen im Gebiet rund um die Kaiserstraße, wo auf Anordnung die Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) die dritte Fällaktion in der Gemeinde begann.

Im Gespräch mit dem Gebietsbeauftragten Gerhard Kraus erreichten die Gemeinderäte offenbar ein Zugeständnis: "Herr Kraus von der LfL hat zugesagt, dass die Fällung der alten Linde ein paar Tage ausgesetzt wird", sagt Ulrike Dowie (Grüne). Die Rede ist von der Linde an der Ecke Kaiser- und Tannenstraße, um deren Schutz willen schon einmal ein Bebauungsplan geändert wurde. Insgesamt sollen 180 Gehölze auf 32 Grundstücken in Kaiser-, Tannen-, Josef-Kyrein- und Hauptstraße, darunter auch weitere große Linden und Buchen, entfernt werden.

Der EU-Durchführungsbeschluss ermöglicht Ausnahmen

Ziel der Gemeinderäte ist es, möglichst viele Bäume zu erhalten. Sie gingen das Gelände ab und bestimmten die Bäume, die ihrer Meinung nach das Ortsbild prägen und erhalten werden sollen. Ihre Idee ist, dass die LfL das Fällen dieser Bäume aufschiebt. "In der Zeit fordern wir die Gemeinde auf, diese Bäume als ortsbildprägend zu betiteln und von der Ausnahme im EU-Durchführungsbeschluss Gebrauch zu machen", erläutert Dowie.

Darin heißt es, dass in Ausnahmefällen ein Verzicht auf die Fällung möglich ist, wenn es sich um einen Baum von besonderem gesellschaftlichen, kulturellen oder ökologischen Wert handelt. Außer der Linde wollen Dowie und die anderen Gemeinderäte zumindest einen Aufschub auch bei einer Birke und drei Buchen erreichen.

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Bei der Diskussion über Thalhammers Antrag waren sich im Gemeinderat zwar alle einig, dass möglichst viele Bäume erhalten werden sollen. Letztlich führten aber die möglichen finanziellen Auswirkungen zur Ablehnung des Antrags. Thalhammer begründete seinen Antrag unter anderem damit, dass die neue Fällaktion an Aktionismus erinnere. Dowie folgte Thalhammer in dem Anliegen, Bäume zu erhalten, die nicht befallen sind. Sie plädierte schon im Gemeinderat dafür, jedenfalls solange nicht zu fällen, bis geklärt ist, ob nicht von der Ausnahmeregelung im EU-Durchführungsbeschluss Gebrauch gemacht werden kann.

Tobias Heberlein (SPD) forderte sogar dazu auf, sich einmal wie ein aufmüpfiges Dorf zu verhalten. "Ich würde nichts lieber, als einmal das gallische Dorf auszuprobieren", sagte Bürgermeister Günter Heyland von Neubibergs Freien Wählern. Er machte aber deutlich, dass er das wegen des möglichen finanziellen Schadens ablehnt. Die Gemeinde müsste bei einer Stornierung wahrscheinlich trotzdem den vollen Betrag an die mit der Fällung beauftragte Firma zahlen.

Aufmüpfigkeit würde die Gemeinde teuer zu stehen kommen

Zudem würden die betroffenen Bürger mit ihren Rechnungen zur Gemeinde kommen, wenn sie selbst eine Firma mit der Fällung beauftragt haben. Der Gemeinderat hatte vor einer Weile beschlossen, die Fällkosten zu übernehmen. "Das wären 32 Rechnungen in Einzelaktion - die Rechnung würde doppelt so hoch sein", sagte Heyland. Er erwähnte auch die Pflicht der LfL, den EU-Durchführungsbeschluss umzusetzen. "Wir können keine Bäume retten", sagte er.

Vielleicht hätte sich am Ende noch ein gemeinsamer Weg gefunden. Da es aber bereits Mitternacht war, beantragte Heberlein die sofortige Abstimmung und erhielt eine Mehrheit.

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