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Lastenräder: Um ein Lastenrad zu fahren, braucht es eine gewisse Übung.

Um ein Lastenrad zu fahren, braucht es eine gewisse Übung.

(Foto: Robert Haas)

Viele Städte und Gemeinden im Landkreis München verleihen Lastenräder oder fördern die Anschaffung. Das Angebot ist zum Teil noch wenig bekannt, aber es wird rege genutzt und soll ausgebaut werden.

Von Alina Willing

Der Vorschlag der Grünen, bundesweit insgesamt eine Million Lastenräder mit jeweils 1000 Euro zu subventionieren hat viel Aufregung verursacht. Von der Union über die FDP bis hin zu den Linken hagelte es Kritik, weil davon vor allem Städter profitieren würden. Im Landkreis München bieten viele Kommunen bereits Förderprogramme und Lastenräder zum Verleih an - und die Nachfrage ist groß.

In Garching etwa gehören Lastenfahrräder bereits zum Straßenbild, wie Rudi Naisar sagt. Seit 2015 ist er der offizielle Fahrradbeauftragte der Stadt. Um den Umstieg vom Auto aufs Fahrrad zu fördern, können die Garchinger Lastenfahrräder mit Elektrounterstützung ausleihen - kostenlos. Bei einem örtlichen Fahrradhändler müssen dazu die persönlichen Daten angegeben und eine Kaution von 100 Euro hinterlegt werden. Nach einer kurzen Einweisung kann es dann losgehen. "Um ein Lastenfahrrad zu fahren, braucht es eine gewisse Übung", sagt Naisar. Unfälle habe es in Garching aber noch nicht gegeben.

Auch die Grünwalder können sich ein E-Lastenrad kostenlos ausleihen. Als dies auf Antrag der CSU im Juli 2019 beschlossen wurde, äußerte Achim Zeppenfeld von der SPD Zweifel, dass das Angebot auch genutzt werden würde. Seine Skepsis habe sich auch teilweise bestätigt, sagt Zeppenfeld, weil nur sehr wenige Bürger das Rad ausliehen, eine Person hingegen "fast ständig". Der Fahrradhändler Manfred Bock, der den Verleih im Auftrag der Gemeinde organisiert, entgegnet: "Insgesamt nutzen etwa 17 Personen das Lastenrad regelmäßig." Die Nachfrage sei groß. "Selbst als ich im Urlaub war, haben die Bewohner den Verleih unter sich selbst geregelt", sagt Bock. Weil das E-Lastenrad fast täglich im Einsatz ist, überlegt die Gemeinde laut Bock, sich ein zweites anzuschaffen.

Zeppenfeld hingegen sagt, ein gemeinschaftliches Lastenrad trage "relativ wenig" zum Klimaschutz bei. "Eine Förderung für ein privates Lastenrad finde ich besser und deshalb fördern wir deren Anschaffungen ja bereits", so Zeppenfeld. Die Gemeinde Grünwald bezuschusst den Erwerb von privaten Cargo-Bikes seit Juli 2019 mit 25 Prozent der Anschaffungskosten. Die maximale Förderhöhe beträgt 1000 Euro - also genauso viel, wie die Grünen unlängst vorgeschlagen haben.

Auch die Gemeinde Ismaning bietet eine solche finanzielle Unterstützung an. Seit Juli 2019 wurden 16 Lastenräder (mit und ohne Elektroantrieb) mit insgesamt 13 832 Euro bezuschusst. Zudem können die Bewohner sich auch in Ismaning drei verschiedene Lastenräder bei einem Händler kostenlos ausleihen. Vor jeder Fahrt müssen die Nutzer der Leihräder sich im Geschäft einweisen lassen.

In Ottobrunn bietet die lokale Agenda 21 Cargo-Bikes zum Verleih an. Diese werden von einem Händler im benachbarten Hohenbrunn gewartet, die Ausleihe ist hier aber flexibler. Das Lastenfahrrad kann online reserviert und in der Tiefgarage am Rathausplatz der Gemeinde ausgeliehen werden - auch von den Bewohnern aus Hohenbrunn. Unterstützt wird das Projekt von der Gemeinde durch die kostenlose Nutzung des Standorts und bald auch durch die kostenlose Nutzung einer Steckdose zum Laden des Akkus, da das Lastenrad elektrisch nachgerüstet wird. "Mittlerweile wird es häufiger genutzt, aber es ist immer noch zu wenig bekannt", sagt Dankmar Müller von der lokalen Agenda Ottobrunn-Neubiberg. Auch Privatpersonen werden beim Kauf eines Lastenrads von der Gemeinde finanziell unterstützt. Allerdings sind die Fördermittel der Gemeinde Ottobrunn für dieses Jahr schon aufgebraucht. Aufgrund der hohen Nachfrage soll das Förderprogramm im nächsten Haushaltsjahr allerdings weiterlaufen.

Viele Cargo-Bikes haben vorne zwei Räder, dazwischen eine große Kiste, die den Transport von Bierkästen oder schweren Einkäufen ermöglicht. Besonders Kurven zu fahren, sei damit allerdings nicht so leicht, sagt Andreas Schön. "Aber nach ein oder zwei Tagen hat man das raus." Der Vorsitzende des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) München schätzt, dass im Großraum München schon mehrere tausend Lastenräder unterwegs sind - "wenn nicht sogar mehr". In manchen gesellschaftlichen Schichten gehöre ein Cargo-Bike schon zum guten Ton dazu: "Es kann ein Lifestyle-Objekt sein, aber es ist auch total praktisch - eine Win-win-Situation quasi." In Städten wie Kopenhagen sei die Nutzung solcher Räder bereits ganz selbstverständlich.

Oft drängelten sich andere Radfahrer an ihm vorbei, wenn er mit dem Lastenrad des ADFC unterwegs sei, sagt Schön. "Dabei komme ich durch den Elektroantrieb auch auf 25 Stundenkilometer." Dass alle Verkehrsteilnehmer rücksichtsvoll miteinander umgehen, sei in jedem Falle wichtig. "Natürlich, je mehr Lastenräder auf den Fahrradwegen unterwegs sind, desto enger wird das." Deshalb spricht er sich auch für einen Ausbau der Radwege aus. Aber so ein Lastenrad sei immer noch deutlich schmaler als ein Auto: "Viele fahren ja praktisch einen leeren Sitz neben sich rum."

© SZ vom 02.09.2021/wkr
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