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Landtagswahl: FDP-Kandidat Helmut Markwort:Vor dem Seitenwechsel

Helmut Markwort hat auf Fahrten mit seinem "Faktomobil" durch den südlichen Landkreis viele neue Menschen kennengelernt. Der Münchner Journalist, 81, will im Stimmkreis Süd für die FDP in den Landtag einziehen.

(Foto: Claus Schunk)

Helmut Markwort hat als Journalist, Fernsehmoderator und Theaterschauspieler immer die große Bühne gesucht. Jetzt ist der erfolgreiche Selbstdarsteller kurz davor, für die FDP in den Landtag einzuziehen - als Alterspräsident.

Mittwochs dürfte es für Helmut Markwort schwer werden, an Ausschusssitzungen im Landtag teilzunehmen. Am Mittwoch spielt er seit Jahren Tennis in Grünwald, auch jetzt noch, im Alter von 81 Jahren. Er kann das mit Fakten belegen: Der Publizist und Gründer des Nachrichtenmagazins Focus hat beim dortigen Tennis-Club die Mitgliedsnummer zwei.

Momentan verzichtet er allerdings auf Sprints auf rotem Sand - mitten im Wahlkampf ist ihm die Verletzungsgefahr zu groß. Es kann aber gut sein, dass Markwort schon kommenden Mittwoch wieder den Schläger schwingt. Dann nicht nur als frisch gewählter Abgeordneter, sondern auch als Alterspräsident des Bayerischen Landtags. Der Journalist will - mit Verlaub - auf seine alten Tage die Seiten wechseln und für die FDP ins Maximilianeum einziehen. Und die Chancen stehen nicht schlecht.

Markwort - seinem neuen Karriereziel entsprechend beim Treffen mit einer blau-gelben Krawatte um den Hals - empfängt in luftiger Höhe eines für den Arabellapark in München so typischen Büroturms. Hier residiert der Medienkonzern Hubert Burda Media, für den der Journalist Markwort seit Jahrzehnten tätig ist. "Aber gleich vorneweg: Ich zahle Hubert Burda für die Räume natürlich Miete", sagt Markwort und führt den Besucher vor eine Wand, die vollgepflastert ist mit Karten, Tabellen und Statistiken. München-Land Süd steht über einem großen Plakat, auf dem die 16 Gemeinden abgebildet sind, die den Stimmkreis bilden, der zugleich auch Helmut Markworts neuer Wirkungskreis ist.

Markwort und die Jungfrau

Zur Kandidatur kam Markwort eher wie die Jungfrau zum Kinde, denn eigentlich war in der Kreis-FDP längst ausgemacht, dass es der Neubiberger Tobias Thalhammer im Stimmkreis Süd noch einmal versuchen sollte. Doch als der plötzlich und vollkommen überraschend, weil schon als Direktkandidat nominiert, zur CSU überwechselte, traten die Führung der Kreis-FDP und der bayerische Spitzenkandidat Martin Hagen an Markwort heran. Lange musste er nicht überlegen, sagt der prominente Import aus München: "Ich will mit meiner Kandidatur der FDP helfen, wieder in den Landtag zu kommen."

Ganz uneigennützig dürfte Markworts Bereitschaft zur Direktkandidatur im bevölkerungsreichsten Landkreis des Freistaats freilich nicht sein. Das passt nicht zum Naturell des ehemaligen Focus-Chefredakteurs, der auf vielen Bühnen zuhause ist und für den es ein Leichtes ist, in unterschiedlichste Rollen zu schlüpfen: in die des nach Fakten lechzenden Rechercheurs, des seriösen Chefredakteurs, des Theaterschauspielers oder des Stammtischbruders beim Bayerischen Rundfunk. Gut möglich, dass er in Kürze die Rolle des Staatsschauspielers übernehmen wird.

Apropos Bayerischer Rundfunk. Seit 2007 moderierte Helmut Markwort dort federführend den Sonntags-Stammtisch, kam mit Persönlichkeiten aus Politik und Gesellschaft zusammen; allerdings musste er nach Bekanntwerden seiner Kandidatur die Moderation abgeben. Das hinderte Markwort aber nicht daran, mit Fotos von ihm beim BR-Stammtisch für Wahlkampfveranstaltungen zu werben - bis ihm dies juristisch vom Sender untersagt wurde - oder auf einer von ihm initiierten Veranstaltung, die seine Wahlkampfkasse füllen sollte, eine Nebenrolle in der BR-Sendung "Hubert ohne Staller" zu verlosen.

Derzeit sucht der Kandidat nicht die Nähe zum Bayerischen Rundfunk, sondern geht mit seinem "Faktomobil", einem gelb lackierten Kleintransporter, auf Tuchfühlung zu den Wählern in einem Landkreis, der ihm bisher nicht allzu bekannt war. Daraus macht er auch keinen Hehl, arbeitet sich aber immer mehr in die Besonder- und auch Eigenheiten des wirtschaftlich stärksten aller bayerischen Kreise ein. "Ich lasse mir da von den wirklich tollen Stadt- und Gemeinderäten helfen, die das Fachwissen haben", sagt Markwort.

"Und ich hab ganz tolle Unterstützer, die mir bei meinem Wahlkampf helfen." Meist mit dabei ist die Sauerlacher Ortsvorsitzende Ursula Gresser, die mit Markwort durch den südlichen Landkreis tourt und auch nicht schlecht staunte, als bei einer Veranstaltung mit dem FDP-Bundesvorsitzenden Christian Lindner in Arget mehrere Hundert kamen und Zuhörer sogar draußen vor dem Saal standen.

Selbstbewusste Abgeordnete

Rein in den Landtag will indes Helmut Markwort. Und er hat ein gutes Gefühl, sagt er, dass es die FDP über die Fünf-Prozent-Hürde schafft. So gut, dass er sich sogar schon Gedanken über seine Eröffnungsrede als Alterspräsident bei der ersten Plenarsitzung macht. Er will, sagt Markwort, den Abgeordneten ins Gewissen reden: "Dass sie wieder selbstbewusster werden." Der Paragraf 153 könnte auch eine Rolle spielen. Der besagt, dass "selbständige Kleinbetriebe und Mittelstandsbetriebe" vom Freistaat zu fördern seien. Und: "Der Aufstieg tüchtiger Kräfte aus nichtselbständiger Arbeit zu selbständigen Existenzen ist zu fördern." Tatsächlich aber dauere es länger, eine Baugenehmigung zu bekommen als zu bauen, beklagt der Liberale. Bürokratie will er abbauen, Wohnungsbau besser und schneller fördern, Kämpfer für den Mittelstand sein und ja nicht "dieses Politiker-Kauderwelsch" übernehmen. "Die Leute sollen uns verstehen."

Markwort ist irgendwie auch ein Kind der Achtundsechziger. Damals ist er in die FDP eingetreten, als Gegenbewegung zu all den jungen Linken. Daraus hat er nie ein Geheimnis gemacht. Jetzt könnte einer der bekanntesten deutschen Journalisten zum Politiker werden. Nur im Januar wird er noch einmal in eine andere Rolle schlüpfen: in die des Johannes Fust, des Geldgebers Johannes Guttenbergs im gleichnamigen Musical, das am Mainzer Unterhaus "Welturaufführung" unter der Leitung von Gunther Emmerlich feiern wird, wie Markwort sagt. Das Theater, die Schauspielerei ist seine Leidenschaft. "Ich habe meine Teilnahme schon zugesagt, da wusste ich noch nicht, dass ich kandidieren werde", sagt der Mann, der auch immer ein begnadeter Selbstdarsteller ist.

Die SZ hat in loser Folge die Direktkandidaten der sieben größten Parteien im Landkreis vorgestellt. Alle Porträts sind nachzulesen unter www.sueddeutsche.de/muenchen/landkreismuenchen.