Grünen-Kandidaten bei der Landtagswahl:Über Kreuz ins Parlament

Grünen-Kandidaten bei der Landtagswahl: Blumen für alle bei den Grünen: Die Bezirkstagskandidaten Martin Wagner und Frauke Schwaiblmair mit den Landtagskandidaten Claudia Köhler und Markus Büchler (von links).

Blumen für alle bei den Grünen: Die Bezirkstagskandidaten Martin Wagner und Frauke Schwaiblmair mit den Landtagskandidaten Claudia Köhler und Markus Büchler (von links).

(Foto: Wolfgang Schmidhuber/OH)

Die Unterhachingerin Claudia Köhler tritt für die Grünen bei der Landtagswahl im Norden des Landkreises an, der Oberschleißheimer Markus Büchler im Süden. So will die Partei ihren Kandidaten viele Zweitstimmen sichern.

Von Anna Reuß, Landkreis

Vielleicht möchten die Grünen es als Allegorie verstanden wissen, dass den vier gewählten Kandidaten für die Stimmkreise München-Land Nord und Süd vier identische Bouquets übergeben wurden: Bei uns bekommen nicht nur Frauen einen Blumenstrauß, wir stehen für Gleichberechtigung und tun auch etwas dafür - ein Urgedanke der Partei.

Mit großer Zustimmung der anwesenden Delegierten aus den jeweiligen Verbänden wurden die Direktkandidaten für die Wahlen im kommenden Jahr gewählt: Für den Landtag wurden Claudia Köhler und Markus Büchler nominiert, für den Bezirkstag Frauke Schwaiblmair und Martin Wagner. Alle vier waren vorher gesetzt.

Köhler lebt in Unterhaching, tritt jedoch im Norden an. Ebenso wie Schwaiblmair, die in Gräfelfing wohnt. Die Süd-Kandidaten Büchler und Wagner leben hingegen in Oberschleißheim respektive Unterschleißheim. Diese Tausch-Methode soll ihnen möglichst viele Stimmen einbringen. Büchler beispielsweise könnte aufgrund seiner Bekanntheit im Norden des Landkreises dort viele Zweitstimmen für sich gewinnen.

Claudia Köhler betonte in ihrer Bewerbungsrede ihr Engagement für Flüchtlinge: 115 von ihnen hätten Dank ihr eine Arbeit gefunden. Das mache fast eine Million Euro, die sich der Staat pro Jahr an Sozialleistungen spare, sagte die Betriebswirtin. Im Landtag möchte sie "den Finger in die Wunde legen", wie sie sagte, und dazu beitragen, dass die Grünen Verantwortung übernehmen und nicht - wie es andere Parteien täten - "lästern, hetzen und verschlafen". Köhler gibt sich betont realpolitisch: Themen wie Chancengleichheit und Ökologie seien nun wichtig, nicht jedoch "immer nur Protest zu schreien".

Gegenpol zum anderen Markus

Ihr Pendant im Süden, Markus Büchler, beendete seine Rede mit dem eingängigen Satz: "Söder Markus quälen, Büchner Markus wählen". Der Ingenieur für Landschaftsarchitektur sagte, der typische Grünen-Wähler sei für ihn "nicht der reiche Akademiker, der mit dem SUV zum Bioladen fährt". Insgesamt möchte er die Fraktion personell erneuern und der Partei wieder ein kantigeres Profil geben, sagte Büchler. Es brauche jemanden, der die Probleme im Großraum München kenne und im bayerischen Parlament vortrage. In diesem Zusammenhang forderte er ein "Milliardenprogramm für den Ballungsraum München".

Auf Nachfrage der SZ, ob dann solche Subventionen auch von Steuerzahlern etwa aus Unterfranken gezahlt werden müssten, sagte er: "Alle Ausgaben des Landes sind vom gesamten Freistaat zu tragen." Regionen gegeneinander auszuspielen sei jedoch nicht in seinem Sinne. Außerdem habe er vor, dem Wohnungsmangel zu begegnen, indem Gewinne, die durch den Verkauf von Grundstücken erzielt wurden, höher besteuert werden sollen.

Der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Anton Hofreiter aus Sauerlach, war ebenfalls zur Abstimmung in das Eine-Welt-Haus nach München gekommen. Er begrüßte die Wahl der Kandidaten. Mit Büchler und Köhler dürften die Grünen auf ein gutes Ergebnis hoffen, sagte Hofreiter, denn beide verfügten über das nötige Fachwissen bei Themen wie Integration und Umwelt.

Laut dem Fraktionsvorsitzenden im Kreistag, Christoph Nadler, haben beide Kandidaten vor allem wegen ihres Netzwerks und ihrer Verankerung in Verbänden beziehungsweise in der Gemeindearbeit gute Aussichten auf einen hohen Stimmenanteil. "Um solche Kandidaten werden wir von vielen Parteien beneidet", sagte Nadler.

© SZ vom 08.12.2017/belo
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