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Landtagswahl:Sieben auf einen Streich

Der Landkreis München stellt im neuen Landtag zwei Abgeordnete mehr als im alten. Große Gewinner sind die Grünen, Verlierer ist die SPD

Der Landkreis München ist viel stärker als zuvor im Landtag vertreten. Zu den zwei Direktkandidaten Ernst Weidenbusch und Kerstin Schreyer von der CSU kommen nach der Auszählung der Zweitstimmen zwei Grüne, eine Sozialdemokratin sowie jeweils ein Vertreter von Freien Wählern und FDP. So steigert sich die Präsenz des einwohnerstärksten Landkreises Bayerns von bislang fünf auf sieben Abgeordnete - und wird so grün wie nie zuvor. Rechnet man zu Claudia Köhler und Markus Büchler den Taufkirchner Benjamin Adjei hinzu, der den Stimmkreis München-Moosach gewann, erhöht sich die Zahl der Grünen aus dem Landkreis sogar auf drei. Zuletzt hatte die heutige Pullacher Bürgermeisterin Susanna Tausendfreund als Grüne einen Sitz im Landtag, bei der Wahl 2013 verpasste sie den Wiedereinzug jedoch. Der Norden des Landkreises hatte noch nie einen Grünen-Abgeordneten. Markus Büchler musste mehrere Anläufe nehmen, bevor jetzt seine Kandidatur erfolgreich war.

Zugleich verblasst die Farbe Rot, denn so wie sich bayernweit die Stimmen der SPD halbiert haben, ist auch die Zahl der Landtagsabgeordneten aus dem Landkreis um die Hälfte zurückgegangen. Nur SPD-Spitzenkandidatin und Bayernchefin Natascha Kohnen aus Neubiberg wird dem neune Landtag angehören. Nach 2008 und 2013 gelangt sie zum dritten Mal über die Liste in den Landtag, diesmal wie zu erwarten mit den bayerweit meisten SPD-Stimmen (127 483). Das Mandat im nördlichen Stimmkreis, das der Haarer Peter Paul Gantzer 40 Jahre lang inne hatte, ging verloren. Annette Ganssmüller-Maluche arbeitete sich zwar von Listenplatz 13 in Oberbayern auf Rang 11 (11 998 Stimmen) nach vorne, weil die SPD aus diesem Bezirk aber nur noch sieben statt wie bisher 16 Abgeordnete in den Landtag entsenden darf, reichte das Resultat für die Ismaningerin nicht. "Ich bin tief enttäuscht und muss mich neu ordnen", schreibt sie auf ihrer Facebook-Seite.

Dafür gelang der FDP der Wiedereinzug und in Helmut Markwort einem Landkreisvertreter der Sprung ins Maximilianeum, wo zuletzt der inzwischen zur CSU übergetretene Neubiberger Tobias Thalhammer von 2008 bis 2013 die Liberalen vertreten hatte. Markwort war auf Platz 16 der Liste in den Wahlkampf gestartet und hat schließlich hinter FDP-Spitzenkandidat Martin Hagen das zweitbeste Ergebnis seiner Partei eingefahren. 20 299 Stimmen sammelte der Journalist insgesamt, davon waren fast die Hälfte Zweitstimmen. Insbesondere in Schwabing, Bogenhausen und Starnberg votierten Wähler für den ehemaligen Chef des Magazins Focus.

Dass bei den Grünen Büchler und Köhler die von manchem Konkurrenten skeptisch beäugte Taktik aufging, die Stimmkreise Nord und Süd zu tauschen und beim jeweils anderen anzutreten, macht ein Blick auf die Zweitstimmenresultate der beiden deutlich. Zwar sind Köhler (insgesamt 29 167 Stimmen) und Büchler (30 635) auch auf der grünen Welle des Großraums München mitgeschwommen, doch 2174 Zweitstimmen aus dem nördlichen Landkreis für den Oberschleißheimer Büchler und 3031 für die Unterhachingerin Köhler aus dem Süden sind zusätzlich zum Erststimmenergebnis schon Pfunde, mit denen sich Wahlen gewinnen lassen. Büchler überzeugte zudem viele Wähler in Freising, Köhler in Giesing. Beide werden sich als Vertreter des gesamten Landkreises sehen, wie Köhler sagt. "Wir haben noch im Wahlkampf verabredet, beide im ganzen Landkreis präsent zu sein und uns auf unsere Themen zu konzentrieren", so die Unterhachingerin. Sie habe sich gut in den Nordgemeinden eingearbeitet und dort auch toll unterstützt gefühlt, zugleich wolle sie aber für die Menschen in ihrer Heimatregion im Süden da sein. Sie freue sich auch sehr, dass Benni Adjei in den Landtag gekommen sei. Zwar vertrete der Taufkirchner Moosach, "doch es ist total wichtig, einen Vertreter der Grünen Jugend dabei zu haben", sagt Köhler.

Den Wiedereinzug schaffte der Ismaninger Kraus von den Freie Wählern mit 18 636 Stimmen, von denen viele auch aus Freising kamen. Dort punktete auch Parteikollegin Ilse Ertl, die im Süden angetreten war und mit 12 571 Stimmen den Einzug in den Landtag verpasste.