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Landtagswahl:Schlechte Verliererin

München, Hofbräukeller, Parteitag der SPD München-Land,

Annette Ganssmüller-Maluche offenbart miesen Stil.

(Foto: Angelika Bardehle)

Nachtreten in der SPD: Kandidatin Ganssmüller-Maluche greift die Parteivorsitzende Kohnen im Netz scharf an und sagt damit viel über sich selbst

Kommentar von Lars Brunckhorst

Damit muss man erst mal klarkommen." So kommentierte die SPD-Politikerin Annette Ganssmüller-Maluche Ende voriger Woche ihre Niederlage bei der Landtagswahl. Wenige Tage später ist der gescheiterten Kandidatin zumindest klar, woran es ihrer Meinung nach gelegen hat: an Spitzenkandidatin Natascha Kohnen. Schon in der Wahlnacht war die Ismaningerin ihrer Parteifreundin in den Rücken gefallen: Der "historisch schlimmste Misserfolg" dürfe nicht folgenlos bleiben, die Partei müsse "völlig neu beginnen - mit einer völlig neuen Mannschaft", forderte sie. Am Montag nun warf Ganssmüller-Maluche Bayerns Noch-SPD-Chefin in einem Facebook-Chat einige Gemeinheiten nach.

"Unglaubwürdig", "beschissen", "nackt" - diese Ausdrücke bestätigen einmal mehr die böse Klimax von Feind, Todfeind, Parteifreund. Wer so über einen anderen Menschen daherredet, sagt aber vor allem auch viel über sich selbst: Da ist jemand schwer enttäuscht von seinem eigenen hundsmiserablen Abschneiden und sucht dafür einen oder eine Schuldige. Bloß Vierter im Stimmkreis, selbst am eigenen Wohnort nur 13 Prozent der Stimmen, den Einzug in den Landtag über die Liste klar verpasst und damit nach 40 Jahren das SPD-Mandat im nördlichen Landkreis verspielt - nach Lesart von Ganssmüller-Maluche ist an alldem der Wahlkampf von Natascha Kohnen schuld.

Wer so argumentiert, macht es sich zu einfach. Gewiss, Kohnens Kampagne blieb der zündende Durchbruch versagt und sie selbst hinter der grünen Doppelspitze Katharina Schulze und Ludwig Hartmann farblos; aber an der Niederlage ist schon die ganze SPD schuld: die in Berlin, in München und im Landkreis, wo man etwa während des ganzen Wahlkampfs von der Kreisvorsitzenden Bela Bach sowie vielen SPD-Rathauschefs nichts mitbekam. Die Vorwürfe von Ganssmüller-Maluche sind wohlfeil. Wer, bitteschön, hätte es besser machen oder zumindest weniger schlecht machen sollen als Kohnen? Ihr erfolgloser Vorgänger Florian Pronold? Markus Rinderspacher, der ebenso erfolglose Fraktionschef? Oder einer ihrer namenlosen, längst vergessenen Gegenkandidaten bei der Wahl der Parteispitze vor einem Jahr?

Ganssmüller-Maluche hat einen engagierten Wahlkampf geführt und bis zum Schluss "Haltung" gezeigt, ein Motto der SPD-Kampagne. Aber jetzt offenbart sie miesen Stil. In einem Chat über die eigene Parteivorsitzende abzulästern - damit disqualifiziert sie sich als schlechte Verliererin selbst für jeden Neuanfang in der bayerischen SPD.

© SZ vom 23.10.2018/hilb

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